Das Wichtigste in Kürze

  • Starke oder plötzlich einsetzende Atemnot ist ein Notfall. Besonders alarmierend sind fehlende Sprechfähigkeit, sichtbare Erschöpfung, Bewusstseinsveränderung, Brustschmerz, bläulich-graue Verfärbung, Kollaps, Bluthusten, Erstickungszeichen oder eine rasche Verschlechterung. Dann 112.
  • Atemnot ist das subjektive Empfinden, nicht genug Luft zu bekommen. Sie kann auch bei unauffälliger Sauerstoffsättigung schwer sein. Umgekehrt kann eine gefährlich niedrige Sättigung anfangs wenig Beschwerden verursachen.
  • Belastung beenden, dabeibleiben, eine angenehme meist aufrechte Position ermöglichen und in kurzen Sätzen Sicherheit vermitteln. Keine Position erzwingen und niemanden mit schwerer Atemnot allein laufen lassen.
  • Ein persönlicher Notfallplan, der eigene verordnete Bedarfsinhalator oder verordneter Sauerstoff dürfen genau nach Vorgabe eingesetzt werden. Keine fremden Inhalatoren, keine eigenmächtige Sauerstoffsteigerung und keine spontan verabreichten Beruhigungs- oder Schmerzmittel.
  • Pulsoxymetrie ergänzt die Beobachtung. Kalte Hände, Bewegung, geringe Durchblutung, Nagellack, Sensorfehler und Hautpigmentierung können Messungen beeinflussen. Ein scheinbar guter Wert darf den Notruf bei schwerer Atemnot nicht verzögern.
  • Bei älteren Menschen kommen häufig mehrere Ursachen zusammen. Herzinsuffizienz, COPD, Asthma, Infektion, Lungenembolie, Herzrhythmusstörung, Aspiration, Blutarmut, Schmerz und Angst sind Beispiele – keine Diagnose aus einem Einzelzeichen.
  • Wiederkehrende Atemnot braucht einen schriftlichen, individuellen Krisenplan: typische Zeichen, persönliche Zielwerte, verordnete Akutmaßnahmen, klare Eskalationsgrenzen, Vertretungs- und Versorgungswünsche sowie eine überprüfte Erreichbarkeit rund um die Uhr.

Was Atemnot bedeutet

Der medizinische Begriff Dyspnoe beschreibt ein unangenehmes, subjektives Atemempfinden. Betroffene sprechen etwa von Luftnot, Enge, „nicht tief genug einatmen können“, zu anstrengendem Atmen oder dem Gefühl zu ersticken. Wie stark dieses Empfinden ist, lässt sich nicht zuverlässig von außen ablesen. Ein Mensch kann sichtbar wenig Unruhe zeigen und trotzdem schwere Atemnot erleben – besonders bei Erschöpfung, Demenz, Aphasie oder eingeschränkter Kommunikation.

Hypoxämie bedeutet dagegen zu wenig Sauerstoff im arteriellen Blut. Dyspnoe und Hypoxämie können gemeinsam auftreten, müssen es aber nicht. Darum sind zwei Fehler gefährlich: Atemnot wegen einer scheinbar normalen Sauerstoffsättigung abzuwerten und eine niedrige Sättigung ohne Blick auf Person, Messqualität und Gesamtsituation isoliert zu behandeln.

Im höheren Alter sind Reserven oft geringer. Herz- oder Lungenerkrankungen, Gebrechlichkeit, Muskelschwäche, Blutarmut, Infektionen, Medikamente und Angst können sich überlagern. Eine bekannte COPD erklärt deshalb nicht automatisch jede neue Atemnot. Ebenso darf eine plötzliche Verwirrtheit nicht vorschnell als Demenzverhalten gelten: Sie kann Ausdruck von Sauerstoffmangel, Kohlendioxidanstieg, Infektion, Kreislaufversagen oder einer anderen akuten Erkrankung sein.

Schwere erkennen: Entscheidend ist das Gesamtbild

BeobachtungMögliche BedeutungReaktion
Starke Atemnot in Ruhe, nur einzelne Wörter möglich, Schnappen nach Luft, ausgeprägte Atemarbeit oder ErschöpfungAkute Gefährdung oder drohendes Atemversagen112; dabeibleiben, entlastende Position, Notfallplan und verordnete Akutmaßnahme nur nach Vorgabe.
Bewusstseinseintrübung, Kollaps, neue schwere Verwirrtheit, bläulich-graue Lippen oder sehr blasse kaltschweißige HautMöglicher Sauerstoffmangel, Kohlendioxidanstieg oder Kreislaufversagen112; Atmung fortlaufend prüfen. Bei fehlender normaler Atmung Wiederbelebung nach Leitstellenanweisung.
Neuer Brustdruck oder Brustschmerz, kalter Schweiß, Übelkeit, Ausstrahlung oder plötzliche SchwächeUnter anderem mögliches akutes Koronarsyndrom112; keine Belastung, nicht selbst fahren lassen.
Plötzliche Atemnot, Bluthusten, einseitige Beinschwellung oder Ereignis nach längerer ImmobilitätUnter anderem mögliche Lungenembolie112; keine Gehprobe oder Verzögerung durch Selbsttests.
Stridor, Erstickungszeichen, fehlende Stimme, Schwellung von Zunge oder Gesicht, Hautreaktion nach möglichem AllergenVerlegung oder Schwellung der oberen Atemwege, mögliche Anaphylaxie112; Leitstellenanweisungen befolgen, verordneten Autoinjektor nur nach persönlichem Plan beziehungsweise erworbener Kompetenz anwenden.
Neue oder deutlich zunehmende Atemnot ohne akute schwere Zeichen, etwa bei Belastung, im Liegen, mit Fieber, Husten, Gewichtszunahme oder BeinödemenBehandlungsbedürftige Verschlechterung möglichAm selben Tag ärztlich abklären; außerhalb der Sprechzeiten 116117. Bei Verschlechterung 112.
Bekannte, unveränderte Belastungsatemnot mit wirksamem ärztlich vereinbartem PlanChronisches Symptom im bekannten RahmenPlan befolgen und Verlauf beobachten; dennoch regelmäßige ärztliche Überprüfung und sofortige Eskalation bei Abweichung.

Die Beispiele helfen bei der Dringlichkeit, nicht bei einer Ferndiagnose. Auch eine Lungenentzündung, ein Pneumothorax, eine Rhythmusstörung, schwere Blutarmut oder Stoffwechselentgleisung kann sich anders zeigen als erwartet. Bei älteren Menschen können typische Zeichen abgeschwächt sein.

Die ersten Minuten: ein sicherer Ablauf

  1. Belastung stoppen und Situation sichern. Lassen Sie die Person nicht weiterlaufen, nicht allein zur Toilette gehen und nicht selbst zum Auto. Entfernen Sie nur offensichtliche Gefahren.
  2. Schwere beurteilen. Kann die Person sprechen? Ist sie wach und ansprechbar? Atmet sie sichtbar angestrengt, ungewöhnlich langsam, unregelmäßig oder erschöpft? Gibt es Brustschmerz, Erstickungszeichen, Lähmung, Bluthusten oder eine rasche Verschlechterung?
  3. Notruf früh auslösen. Bei schweren Zeichen 112. Lautsprecherfunktion kann helfen, während Sie bei der Person bleiben. Legen Sie erst auf, wenn die Leitstelle es sagt.
  4. Eine selbst gewählte entlastende Position ermöglichen. Viele wache Menschen atmen aufrecht oder leicht nach vorn gebeugt mit abgestützten Armen leichter. Andere brauchen eine andere Position. Helfen Sie langsam und ohne Kraft; bei Kreislaufkollaps, Verletzung oder Bewusstlosigkeit gelten die Anweisungen der Leitstelle.
  5. Ruhe vermitteln, ohne zu bagatellisieren. Sprechen Sie langsam und kurz: „Ich bleibe bei Ihnen. Hilfe ist unterwegs.“ Vermeiden Sie viele Fragen gleichzeitig. Enge Kleidung kann gelockert, ein beengter Raum gelüftet werden, sofern das nicht belastet.
  6. Nur individuell vereinbarte Akutmaßnahmen unterstützen. Eigener verordneter Bedarfsinhalator, Sauerstoff oder andere Notfallmedikation ausschließlich entsprechend persönlichem Plan, ärztlicher Anordnung und vorhandener Kompetenz. Wirkung, Bewusstsein und Atmung weiter beobachten.
  7. Übergabe vorbereiten. Beginn und Verlauf, Begleitzeichen, Vorerkrankungen, Medikamentenplan, Allergien, verabreichte Akutmedikation, Sauerstoffvorgabe, letzte Messwerte und vorhandene Vorausplanung bereitlegen.

Medikamente und Sauerstoff: persönlich verordnet statt improvisiert

Ein Bedarfsinhalator hilft nur, wenn er zur Erkrankung, zur aktuellen Situation und zur Person gehört. Inhalationssysteme unterscheiden sich erheblich; bei schwerer Atemnot, Schwäche oder kognitiver Einschränkung kann die Anwendung misslingen. Helfende können das eigene verordnete Medikament nach dem schriftlichen Plan anreichen oder bei der vorgesehenen Anwendung unterstützen. Ein fremder Inhalator, zusätzliche Hübe auf Verdacht oder eine eigenmächtige Änderung der Dauermedikation sind keine sichere Erste Hilfe.

Sauerstoff ist eine medizinische Behandlung gegen Sauerstoffmangel, nicht automatisch gegen jedes Atemnotgefühl. Zu viel oder unkontrollierter Sauerstoff kann bei bestimmten Menschen, insbesondere bei Neigung zu Kohlendioxidretention, Risiken verursachen. Wer eine Langzeit- oder Bedarfs-Sauerstofftherapie hat, benötigt eine klare Verordnung mit Anlass, Zielbereich, Flussrate beziehungsweise Geräteeinstellung und Eskalationsweg. In einer lebensbedrohlichen Situation übernimmt der Rettungsdienst die Akuttherapie; ein Notruf darf nicht aus Sorge vor „falschem Sauerstoff“ verzögert werden.

Opioide können bei ausgewählten Menschen mit therapierefraktärer chronischer Atemnot palliativmedizinisch wirksam sein. Das ist eine ärztlich geplante Behandlung mit individueller Dosierung, Beobachtung und Nebenwirkungsmanagement – keine allgemeine Akutmaßnahme für Angehörige oder Pflegekräfte. Auch beruhigende Medikamente dürfen nicht spontan gegeben werden, weil Sedierung, Atemdepression, Sturz und Delirrisiko die Lage verschärfen können.

Pulsoxymetrie richtig einordnen

Ein Pulsoxymeter schätzt die periphere Sauerstoffsättigung (SpO₂) und zeigt meist auch den Puls. Es misst weder die Atemnot noch den Kohlendioxidgehalt und stellt keine Ursache fest. Ein einzelner Wert ist deshalb nur ein Teil der Einschätzung. Aussagekräftiger sind die Beschwerden, der klinische Eindruck, die Messqualität, der individuelle Ausgangswert und der Verlauf.

Für eine möglichst brauchbare Messung sollte die Hand warm und ruhig sein, der Sensor passend sitzen und die Anzeige einige Sekunden stabil bleiben. Bewegung, kalte oder schlecht durchblutete Finger, Nagellack, künstliche Nägel, Umgebungslicht, eine schwache Signalqualität und technische Unterschiede können das Ergebnis verfälschen. Die US-amerikanische FDA weist außerdem auf mögliche Genauigkeitsunterschiede bei unterschiedlicher Hautpigmentierung hin. Diese Grenze ist auch für die pflegerische Interpretation relevant.

Mögliche Ursachen: Muster helfen, diagnostizieren aber nicht

Möglicher ZusammenhangHilfreiche BeobachtungenWichtige Grenze
COPD oder AsthmaBekannte Erkrankung, pfeifende Atmung, Husten, mehr oder veränderter Auswurf, persönlicher Akutplan, Wirkung des eigenen InhalatorsBrustschmerz, Fieber, Embolie oder Herzproblem können gleichzeitig vorliegen. Nicht jede Verschlechterung ist „nur die COPD“.
Herzinsuffizienz oder LungenödemZunehmende Atemnot im Liegen, nächtliches Aufwachen, rasche Gewichtszunahme, Beinödeme, Rasselgeräusche, LeistungsknickEine akute schwere Verschlechterung ist ein Notfall; keine zusätzlichen Entwässerungstabletten ohne individuellen ärztlichen Plan.
Infektion oder PneumonieFieber oder Untertemperatur, Husten, Auswurf, Schwäche, neue Verwirrtheit, reduzierte Nahrungs- und FlüssigkeitsaufnahmeBei hochaltrigen Menschen können Fieber und typischer Husten fehlen.
Aspiration oder FremdkörperPlötzlicher Beginn beim Essen, Trinken oder nach Erbrechen, Husten, gurgelnde Stimme, Stridor, fehlende SprechfähigkeitBei schwerer Atemwegsverlegung 112 und Leitstellenanweisung; nichts zu trinken geben und nicht blind in den Mund greifen.
Lungenembolie oder PneumothoraxPlötzlicher Beginn, atemabhängiger Schmerz, Bluthusten, einseitige Beinschwellung, kürzliche Immobilität, Trauma oder EingriffSymptome können untypisch sein; keine Gehprobe und keine Verzögerung durch eigene Risikoscores.
Herzrhythmus- oder KreislaufproblemHerzrasen oder sehr langsamer Puls, Schwindel, Kollapsneigung, Brustbeschwerden, kaltschweißige BlässeSmartwatch- oder Blutdruckmesswerte ersetzen keine Akutbeurteilung.
Blutarmut, Stoffwechsel- oder MedikamentenwirkungSchleichender Leistungsknick, Blässe, Blutungszeichen, neue Medikamente, Opioide oder Sedativa, Nieren- oder StoffwechselerkrankungNur ärztliche Diagnostik kann Ursache und Behandlung klären; Medikamente nicht eigenmächtig absetzen.
Angst und PanikAngst, Kribbeln, Engegefühl, bekannte ähnliche Episoden, möglicher AuslöserAngst kann Folge und Verstärker körperlicher Atemnot sein. Eine erstmalige oder ungewöhnliche Episode wird nicht ohne medizinische Prüfung als psychisch eingeordnet; keine Papiertüte.

Für pflegende Angehörige: sicher helfen, ohne allein diagnostizieren zu müssen

Angehörige kennen den normalen Zustand häufig am besten. Ihre wichtigste Information ist deshalb nicht die vermutete Diagnose, sondern die Abweichung: „Er kann sonst vom Schlafzimmer zur Küche gehen, heute bekommt er beim Sprechen keine ganzen Sätze heraus.“ Solche Vergleiche helfen mehr als „Der Sauerstoff ist schlecht“ oder „Das ist wieder das Herz“.

Bei neuer, aber nicht schwerer Atemnot sollte die Hausarztpraxis am selben Tag kontaktiert werden. Außerhalb der regulären Zeiten ist 116117 für dringliche, nicht lebensbedrohliche Beschwerden zuständig. Sobald schwere Atemnot, Bewusstseinsveränderung, Brustschmerz oder Unsicherheit über eine mögliche Lebensgefahr besteht, ist 112 die richtige Nummer.

Bereiten Sie bei wiederkehrender Atemnot gemeinsam mit der behandelnden Praxis vor:

  • Wie sieht der persönliche Normalzustand bei Belastung und in Ruhe aus?
  • Welche Veränderungen gelten als Frühwarnzeichen, welche als Notfall?
  • Welcher eigene Inhalator oder welche andere Bedarfsmedikation wird wann und wie eingesetzt?
  • Gibt es eine Sauerstoffverordnung mit klarer Einstellung und persönlichem Zielbereich?
  • Wann soll die Praxis, 116117 oder 112 angerufen werden?
  • Wo liegen Medikamentenplan, Diagnosen, Allergien, Kontaktdaten, Patientenverfügung und gegebenenfalls ein Notfallbogen?

Eine vorausgeplante palliative Versorgung oder eine Patientenverfügung bedeutet nicht, dass akute Atemnot unbeachtet bleibt. Symptomlinderung, menschliche Begleitung und eine fachliche Einschätzung bleiben erforderlich. Welche Krankenhauseinweisung, Diagnostik oder lebensverlängernde Maßnahme gewünscht ist, muss aus einer auf die konkrete Situation anwendbaren Planung hervorgehen – nicht aus Vermutungen.

Für vollstationäre Einrichtungen: vom Symptom zum beherrschten Notfallprozess

In Einrichtungen muss Atemnot als zeitkritisches Symptom in einem klaren Prozess bearbeitet werden. Die erste Pflegeperson bleibt bei der betroffenen Person, aktiviert Unterstützung und setzt den internen Notfallweg in Gang. Die pflegefachliche Einschätzung erfolgt strukturiert und parallel zur Eskalation – nicht als Vorbedingung für den Notruf.

  1. Akutgefährdung erkennen: Ansprechbarkeit, Atemweg, Atmung und Kreislauf nach erworbener Kompetenz beurteilen; Sprechfähigkeit, Atemarbeit, Hautfarbe, Bewusstsein und Begleitzeichen erfassen.
  2. Hilfe organisieren: Bei schweren Zeichen unverzüglich 112 und interne Unterstützung. Zuständigkeit für Begleitung, Notruf, Unterlagen, Zugang zum Gebäude und Information der Vertretung festlegen.
  3. Verordnete Maßnahmen korrekt ausführen: Individuelle Bedarfsmedikation und Sauerstoff nur nach aktueller Anordnung beziehungsweise geprüftem Notfallplan; Anwendungstechnik, Zeitpunkt, Dosis gemäß Plan und beobachtete Wirkung dokumentieren.
  4. Vitalzeichen im Kontext erheben: Atemfrequenz vollständig zählen, Puls, Blutdruck, Temperatur, SpO₂, Bewusstseinslage und Schmerz soweit möglich erfassen. Messungen dürfen die Notfallversorgung nicht verzögern.
  5. Gesicherte Übergabe geben: Ausgangszustand, Beginn, Verlauf, aktuelle Beobachtungen, Messwerte mit Uhrzeit, verabreichte Maßnahmen, relevante Diagnosen, Medikamente, Allergien und vorhandene Vorausplanung klar übermitteln.
  6. Nach dem Ereignis auswerten: Ärztliche Rückmeldung, Wirkung, Ursache soweit geklärt, Anpassung des Pflege- und Notfallplans, Materialverfügbarkeit, Kommunikationsprobleme und Lernbedarf des Teams bearbeiten.

Beobachtung und Übergabe: Was wirklich weiterhilft

Eine kompakte Übergabe kann nach Situation, Hintergrund, Beobachtung und benötigter Entscheidung geordnet werden:

  • Situation: „Seit 20 Minuten plötzlich starke Atemnot in Ruhe; kann nur einzelne Wörter sprechen.“
  • Hintergrund: bekannte COPD oder Herzinsuffizienz, kürzliche Infektion oder Immobilität, Schluckstörung, relevante Medikamente, Vorausplanung.
  • Beobachtung: Beginn und möglicher Auslöser, Atemmuster, Atemfrequenz, Geräusche, Sprechfähigkeit, Hautfarbe, Bewusstsein, Schmerz, Husten und Auswurf, Ödeme, Puls, Blutdruck, Temperatur und SpO₂ jeweils mit Uhrzeit und Messbedingungen.
  • Maßnahmen und Wirkung: Position, eigener Inhalator oder Sauerstoff genau nach Plan, Zeitpunkt und erkennbare Veränderung.
  • Bedarf: akute Übernahme, ärztliche Beurteilung, konkrete Rückmeldung oder Anpassung des Krisenplans.

Formulierungen wie „sättigt schlecht“, „ist kurzatmig wie immer“ oder „hat Panik“ lassen wichtige Informationen offen. Beobachtbare Angaben und der Vergleich zum persönlichen Normalzustand machen die Übergabe belastbar.

Was bei Atemnot nicht getan werden sollte

  • Nicht abwarten, bis ein Messwert „schlecht genug“ ist. Schwere Symptome reichen für den Notruf.
  • Keine Papiertüte verwenden. Eine körperliche Ursache kann übersehen und Sauerstoffmangel verstärkt werden.
  • Keine Position erzwingen. Flaches Hinlegen kann Atemnot verschlimmern; eine starre Standardlagerung ignoriert Kreislauf, Verletzungen und Präferenz.
  • Keine fremden Inhalatoren und keine zusätzlichen Medikamentendosen auf Verdacht. Wirkstoff, Gerät, Gegenanzeigen und Ursache können nicht passen.
  • Sauerstoff nicht eigenmächtig beginnen oder hochregeln. Persönliche Verordnung und Notfallprozess sind maßgeblich.
  • Keine Beruhigungs-, Schlaf- oder Opioidmedikation improvisieren. Sedierung kann Warnzeichen verdecken und die Atmung beeinträchtigen.
  • Nichts essen oder trinken lassen, wenn schwere Atemnot, Benommenheit oder Verschlucken vorliegt. Das Aspirationsrisiko kann steigen.
  • Nicht allein gehen oder selbst fahren lassen. Belastung und plötzlicher Kreislaufkollaps können die Situation verschärfen.
  • Nicht vorschnell „Panik“, „COPD“ oder „Sterbephase“ sagen. Diese Etiketten können behandelbare oder lebensbedrohliche Ursachen verdecken.

Wiederkehrende Atemnot vorausschauend planen

Nach jeder relevanten Episode sollte geklärt werden, was künftig früher erkannt und besser vorbereitet werden kann. Dazu gehören eine Überprüfung der Diagnose und Behandlung, korrekte Inhalationstechnik, Medikamentenadhärenz, Infektzeichen, Belastungsniveau, Ernährung, Blutarmut, Herz- und Nierenfunktion sowie die individuellen Ziele der Person. Für Einrichtungen kommen Materialprüfung, Schulung und die Erreichbarkeit ärztlicher Anordnungen hinzu.

Ein guter Krisenplan ist kurz genug, um benutzt zu werden, und konkret genug, um Entscheidungen zu tragen. Er benennt den Normalzustand, typische Frühzeichen, persönliche Maßnahmen, klare Abbruch- und Notfallkriterien sowie den Ort wichtiger Dokumente. Bei fortschreitender Erkrankung werden zusätzlich Behandlungsziele, Vertretungsrollen und gewünschte Grenzen medizinischer Maßnahmen qualifiziert vorausgeplant und regelmäßig überprüft.

Quellen und redaktionelle Einordnung

  1. Bundesministerium für Gesundheit: Notruf und Notaufnahme, Stand 23. April 2026 – Atemnot als schweres Krankheitszeichen und Abgrenzung des Notrufs 112.
  2. Bundesministerium für Gesundheit: Nummern für den Notfall, abgerufen am 17. Juli 2026 – 112 bei Atemnot und möglicher Lebensgefahr, 116117 bei dringlichen nicht lebensbedrohlichen Beschwerden.
  3. Deutscher Rat für Wiederbelebung: Reanimationsleitlinien 2025 – Erkennen fehlender normaler Atmung, Alarmierung und lebensrettende Basismaßnahmen.
  4. European Resuscitation Council: Guidelines 2025 – First Aid – Erste Hilfe bei Atemproblemen, Unterstützung bei eigenem Bedarfsinhalator und Sauerstoffgabe durch entsprechend ausgebildete Helfende.
  5. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin: S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD, Version 5.0, Februar 2026, gültig bis Februar 2029 – Exazerbation, Differenzialdiagnostik und fachärztliche Versorgung.
  6. U.S. Food and Drug Administration: Pulse Oximeter Basics, abgerufen am 17. Juli 2026 – Messgrenzen, Einfluss von Durchblutung, Temperatur, Bewegung, Nagellack und Hautpigmentierung. US-amerikanische Geräteinformation; die physiologischen Messgrenzen sind auf die Einordnung übertragbar.
  7. Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Palliativmedizin, derzeit gültige Version 2.2 – Grundsätze der Symptomlinderung bei Atemnot und palliativmedizinische Vorausplanung. Die dort ebenfalls bereitgestellte Version 3 war zum Quellenstand nur Konsultationsfassung und wurde für verbindliche Aussagen nicht verwendet.
Redaktioneller Standard: Quellenstand 17. Juli 2026. Der Beitrag stützt sich auf aktuelle Behördeninformationen, die ERC/GRC-Leitlinien 2025 und die gültige DGP-COPD-Leitlinie 2026. Die frühere Nationale VersorgungsLeitlinie COPD und die deutsche S3-Leitlinie zur Sauerstofftherapie waren zum Prüfzeitpunkt abgelaufen und wurden nicht als aktueller Standard ausgegeben. Konkrete Sauerstoffziele, Medikamentendosen und palliative Bedarfsregeln müssen individuell ärztlich festgelegt werden. Erneute Prüfung spätestens Juli 2027 oder früher bei einer neuen deutschen Sauerstoff-, Palliativ- oder Notfallleitlinie.