Fachkräftemonitoring erwartet die stärksten Engpässe in der Pflege
Die Basisprojektion sieht besonders bei Pflegehilfs- und Assistenzkräften wachsende Knappheit; sie schreibt den Versorgungsstand von 2023 bedingt fort.
Die Aussagen auf dieser Seite sind mit den unten aufgeführten Dokumenten verknüpft. Dort steht jeweils, was die Quelle für diese Einordnung belegt.
Quellen ansehenDie Projektion schreibt Versorgung und Verhalten von 2023 fort
Das Monitoring verbindet Beschäftigungs-, Ausbildungs-, Bevölkerungs- und Leistungsdaten für 54 Gesundheitsberufe. Es fragt, wie sich realisierte Beschäftigung und verfügbares Arbeitskräfteangebot bis 2040 entwickeln könnten, wenn Leistungen weiter alters- und geschlechtsspezifisch wie 2023 genutzt werden und bisheriges Erwerbsverhalten anhält.
Der sogenannte realisierte Bedarf entspricht damit nicht einem medizinisch festgelegten Optimalbedarf. Schon 2023 unerfüllte Leistungen können in der Ausgangslage fehlen. Die Ergebnisse sind Wenn-dann-Aussagen: Ändern sich Versorgung, Arbeitszeiten, Berufswahl, Zuwanderung, Pflegewahrscheinlichkeit oder Gesetze, ändern sich auch die Modellwerte.
Bei Hilfs- und Assistenzkräften öffnet sich bis 2040 eine Lücke
Für Pflegehilfs- und Assistenzberufe steigt die modellierte Zahl der Erwerbstätigen von 582.000 im Jahr 2023 auf 646.000 im Jahr 2040. Das verfügbare Angebot wächst schwächer von 595.000 auf 616.000 Personen. Rechnerisch liegt es 2040 damit rund 31.000 Personen oder 4,8 Prozent unter der Beschäftigtenzahl.
In Vollzeitäquivalenten fällt die Differenz mit rund 24.000 beziehungsweise 5,3 Prozent ebenfalls negativ aus. Besonders ab 2035 treibt die wachsende ältere Bevölkerung den modellierten Bedarf in ambulanter sowie teil- und vollstationärer Pflege. Der Bericht erwartet dort besondere Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung.
Die Differenz von rund 31.000 Personen ist eine Modelllücke, keine aktuelle Zahl offener Stellen. Datengrundlage: Quelle 2, Quelle 3
Bei Pflegefachkräften bleibt kaum rechnerischer Spielraum
Die Zahl der beschäftigten Pflegefachkräfte wächst im Basismodell von 1,093 Millionen auf 1,157 Millionen Personen. Das Arbeitskräfteangebot steigt von 1,116 Millionen auf 1,158 Millionen. Die Differenz schrumpft damit von etwa 23.000 auf nur noch rund 1.000 Personen; regional vorhandene Engpässe werden dabei nicht abgebildet.
Auf Stundenebene weist das Modell 2040 noch rund 25.000 Vollzeitäquivalente mehr im Angebot als in der realisierten Beschäftigung aus. Diese Betrachtung beruht auf fortgeschriebenen alters- und geschlechtsspezifischen Arbeitszeiten. Sie ist kein Nachweis, dass jede Einrichtung offene Stellen besetzen kann oder Personal regional passend verfügbar ist.
Das Angebot bleibt 2040 in der Basisprojektion um rund 4,8 Prozent hinter dem realisierten Bedarf.
Angebot und realisierter Bedarf liegen nahezu gleichauf; der rechnerische Puffer schrumpft fast vollständig.
In Arbeitszeit umgerechnet bleibt ein anderer Puffer als in der reinen Personenzahl.
Personenzahlen und Vollzeitäquivalente dürfen nicht gegeneinander ausgetauscht werden. Datengrundlage: Quelle 2, Quelle 3
Reformen und veränderte Krankenhausnutzung können Werte verschieben
Die Basisprojektion berücksichtigt den zusätzlichen Qualifikationsbedarf aus der Personalbemessung nach Paragraf 113c des Elften Sozialgesetzbuches noch nicht vollständig. Auch die ab 2027 vorgesehene bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung ist nicht als Wirkung in die Angebotszahlen eingerechnet. Beides kann die Verteilung der Qualifikationen verändern.
Eine Sensitivitätsanalyse zeigt die Spannweite: Würden Krankenhausaufenthalte bis 2040 wieder die altersbezogenen Wahrscheinlichkeiten von 2019 erreichen, wären im Modell rund 80.000 Pflegefachkräfte und 35.000 Hilfs- und Assistenzkräfte zusätzlich nötig. Das ist ein Szenario, keine zweite Prognose.
Personalplanung braucht regionale Daten und mehrere Szenarien
Der Bericht macht ausschließlich Aussagen für Deutschland insgesamt; regionale Verteilung soll erst später berücksichtigt werden. Einrichtungen und Dienste können die Bundeswerte daher als langfristiges Risikosignal nutzen, müssen sie aber mit eigener Altersstruktur, Fluktuation, Ausbildungsplätzen, Arbeitszeitwünschen und regionalem Bewerbermarkt verbinden.
Die Studie empfiehlt selbst Szenario- und Sensitivitätsanalysen. Für Entscheidungen zählt deshalb nicht nur, mehr Menschen zu gewinnen. Auch Aufgabenverteilung, Arbeitsorganisation, verlässliche Qualifizierung, gesundheitserhaltende Bedingungen und eine sinnvoll veränderte Leistungserbringung bestimmen, ob aus einer rechnerischen Anspannung eine konkrete Versorgungslücke wird.
Quellen
- Bundesinstitut für BerufsbildungHerausgebermeldung · HerausgebermeldungGesundheitsberufe im Wandel: Fachkräftemonitoring bis 2040Veröffentlicht am 17. August 2026
Belegt auf dieser Seite: Veröffentlichungsanlass, untersuchte Berufsgruppen und zusammenfassende Einordnung der neuen Basisprojektion.
- Bundesinstitut für BerufsbildungPublikationsnachweis · OriginaldokumentFachkräftemonitoring für das Bundesministerium für GesundheitVeröffentlicht am 17. August 2026
Belegt auf dieser Seite: Bibliografischer Nachweis, Autorenschaft, Veröffentlichungsstand 2026 und dauerhafte Identifikation der vollständigen Studie.
- Bundesinstitut für BerufsbildungVollständiger Forschungsbericht · OriginaldokumentImplementierung und Durchführung eines Fachkräftemonitorings für das BMGVeröffentlicht am 1. Juli 2026
Belegt auf dieser Seite: Methodik, Arbeitsmarktbilanz für Pflegeberufe, Projektionen bis 2040, Sensitivitätsanalyse und ausführliche Limitationen der Basisprojektion.
Verantwortlich: Benjamin Metzig
Zuletzt aktualisiert: 1. September 2026
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