Medikamente zu Hause: neue ZQP-Befragung
In einer ZQP-Befragung berichtete die Hälfte pflegender Angehöriger von mindestens einer falschen oder ausgebliebenen Arzneimittelanwendung binnen sechs Monaten. Die Zahl beschreibt Erinnerungen, keine geprüften Schäden.
Die Aussagen auf dieser Seite sind mit den unten aufgeführten Dokumenten verknüpft. Dort steht jeweils, was die Quelle für diese Einordnung belegt.
Quellen ansehenDie neue Zahl stammt aus Erinnerungen von Angehörigen
Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) veröffentlichte am 6. Oktober 2026 eine Analyse zur Sicherheit in der häuslichen Pflege. Befragt wurden 1.012 Menschen zwischen 40 und 85 Jahren, die seit mindestens sechs Monaten wenigstens wöchentlich eine Person ab 60 Jahren mit Pflegegrad zu Hause unterstützen. Die Erhebung fand schon vom 11. bis 19. Juni 2025 statt; Veröffentlichung und Beobachtungszeit sind also verschieden.
Der vollständige Bericht beschreibt ein offline rekrutiertes Online-Panel und eine Nachgewichtung nach Alter, Geschlecht und Bildung. Er erfasst, was Angehörige über die versorgte Person erinnern und wie sie die eigene Situation erleben. Weder wurden Medikamentengaben vor Ort beobachtet noch Behandlungsunterlagen aller Haushalte klinisch geprüft. Das begrenzt, was eine Prozentzahl über tatsächliche Fehler und Schäden sagen kann.
Falsche Anwendung und wiederholte Probleme auseinanderhalten
Im Bericht gaben 50 Prozent der Befragten an, dass ein Medikament der pflegebedürftigen Person in den vorangegangenen sechs Monaten mindestens einmal falsch oder gar nicht angewendet wurde. 19 Prozent nannten dafür die Häufigkeit „gelegentlich“ oder „oft“. Diese 19 Prozent bilden eine engere Teilmenge; beide Anteile dürfen nicht addiert werden. Nach Angaben der Angehörigen nahm die versorgte Person in 59 Prozent der Fälle dauerhaft fünf oder mehr Arzneimittel ein.
Daneben berichteten 59 Prozent über fehlende, abgelaufene oder nicht auffindbare Mittel oder Rezepte in demselben Zeitraum; 26 Prozent erlebten solche Versorgungsprobleme gelegentlich oder oft. Das ist eine andere Frage als die falsche Anwendung. Die Studie zeigt so zwei Stellen, an denen Familien Unterstützung brauchen können: die richtige Anwendung und die Verfügbarkeit. Sie weist nicht nach, welche Ursache in einem einzelnen Haushalt vorlag.
Nullbasis von 0 bis 100 Prozent; Nenner ist die nachgewichtete Stichprobe von 1.012 pflegenden Angehörigen, nicht alle Pflegehaushalte. Erhebung 11.–19. Juni 2025. Selbstauskunft über eine andere Person; keine klinisch bestätigte Fehler- oder Schadensquote. Gesamtstichprobe: statistische Fehlertoleranz ±3 Prozentpunkte. Datengrundlage: Quelle 1, Quelle 2
Aus der Befragung folgt keine Schadensquote
Die Studie fragte auch nach verletzenden Stürzen innerhalb von zwölf Monaten; 36 Prozent der Befragten erinnerten mindestens einen solchen Vorfall. Dieser Zeitraum ist nicht mit den sechs Monaten der Medikationsfrage gleichzusetzen. Die Ergebnisse zeigen auch keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen einem Medikationsproblem und einem Sturz im Einzelfall.
Die Stichprobe schließt unter anderem jüngere Pflegepersonen außerhalb von 40 bis 85 Jahren, kürzer oder seltener Pflegende sowie Betreutes Wohnen und Pflege-WGs aus. Die Nachgewichtung nähert die Stichprobe an Vergleichsdaten an, beseitigt aber weder Auswahlunterschiede des Online-Panels noch mögliche Erinnerungsfehler bei Angaben über eine andere Person. Das ZQP nennt für die Gesamtstichprobe eine statistische Fehlertoleranz von drei Prozentpunkten.
Bei einer Abweichung erst den konkreten Fall klären
Für Angehörige ist die Zahl kein Anlass, eine verordnete Dosis selbst zu ändern. Die ältere ZQP-Praxisinformation empfiehlt, alle angewendeten Mittel einschließlich selbst gekaufter Präparate zu erfassen, den aktuellen Medikationsplan mitzunehmen und Unklarheiten mit der behandelnden Praxis oder Apotheke zu besprechen. Diese Hinweise sind eine praktische Orientierung und kein Ergebnis einer in der neuen Studie getesteten Maßnahme.
Eine fehlende Packung, ein unklarer Einnahmezeitpunkt oder Beschwerden brauchen jeweils eine konkrete Rückfrage. Pflegefachpersonen können bei der Anwendung anleiten; die ärztliche Verordnung bleibt maßgeblich. Bei Benommenheit, Verwirrtheit, Kreislaufproblemen oder einer möglichen schweren Fehlanwendung sollte unmittelbar medizinische Hilfe geholt werden, statt auf einen regulären Beratungstermin zu warten.
- BeobachtenAbweichung festhalten
Notieren, welches Mittel wann fehlte oder anders angewendet wurde und ob Beschwerden aufgetreten sind.
- Überblick schaffenPlan und Packungen abgleichen
Aktuelle Liste oder Medikationsplan mit vorhandenen Packungen und Rezepten zusammenlegen; Unklarheiten markieren.
- Ärztlich oder pharmazeutisch klärenFachlich rückfragen
Bei der behandelnden Praxis oder Apotheke nachfragen; Dosis und Einnahme nicht auf eigene Faust verändern.
- Alltag absichernZuständigkeit vereinbaren
Mit allen Beteiligten besprechen, wer Rezepte, Vorrat und Unterstützung bei der Anwendung übernimmt.
Redaktionelle Orientierung auf Grundlage der ZQP-Praxisinformation. Die Befragung von 2025 hat diese Schrittfolge nicht als Intervention getestet. Bei akuten oder schweren Beschwerden umgehend ärztliche Hilfe holen. Datengrundlage: Quelle 1, Quelle 4
Auch die Belastung der unterstützenden Person zählt
Über die eigene Lage berichteten 53 Prozent der Befragten von psychischer und 38 Prozent von körperlicher Belastung durch die Unterstützung. Diese Angaben stammen aus derselben Befragung, messen aber keine Wirkung von Medikamentenproblemen. Sie verdeutlichen, dass die Organisation von Arztkontakten, Rezepten, Vorräten und Hilfe im Alltag nicht automatisch von einer Person allein getragen werden sollte.
Wer wiederholt Schwierigkeiten bemerkt, kann die beobachteten Situationen und den Unterstützungsbedarf mit der versorgten Person, der behandelnden Praxis und gegebenenfalls einem beteiligten Pflegedienst besprechen. Entscheidend ist eine für den konkreten Fall verlässliche Zuständigkeit. Die Analyse liefert hierfür Anlass und Fragen, aber weder eine Diagnose noch eine allgemeingültige Lösung für jeden Haushalt.
Quellen
- Zentrum für Qualität in der PflegeVollständige ZQP-Analyse als PDF · OriginaldokumentPrävention und Sicherheit im häuslichen Pflegesetting – Perspektive pflegender AngehörigerVeröffentlicht am 6. Oktober 2026
Belegt auf dieser Seite: Belegt Erhebungszeitraum, Auswahl und Nachgewichtung der 1.012 Befragten, die Medikationsangaben sowie die Grenzen der Fremdauskunft und des Studiendesigns.
- Zentrum für Qualität in der PflegeHerausgeberseite zur Analyse · HerausgebermeldungPrävention und Sicherheit im häuslichen Pflegesetting – 2026Veröffentlicht am 6. Oktober 2026
Belegt auf dieser Seite: Ordnet die im Oktober 2026 zugänglich gemachte Analyse, ihre Zielgruppe und zentrale Ergebnisse ein; der vollständige Bericht ist für Methode und Zahlen maßgeblich.
- Zentrum für Qualität in der PflegePressemitteilung des Herausgebers · HerausgebermeldungHäusliche Pflege: Jeder Zweite berichtet von Problemen mit MedikamentenVeröffentlicht am 6. Oktober 2026
Belegt auf dieser Seite: Belegt den Veröffentlichungsanlass vom 6. Oktober 2026 und die öffentliche Kurzfassung; sie ersetzt bei Zahlen und Grenzen nicht den vollständigen Studienbericht.
- Zentrum für Qualität in der PflegeÄltere ZQP-Praxisinformation · HerausgebermeldungMedikationsfehler bei pflegebedürftigen Menschen vermeidenVeröffentlicht am 23. August 2021
Belegt auf dieser Seite: Trägt die praktische Orientierung zu Medikationsplan, ärztlicher und pharmazeutischer Rückfrage sowie zur unveränderten Anwendung verordneter Mittel; keine Wirkung der neuen Studie.
Verantwortlich: Benjamin Metzig
Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2026
Die Einordnung beruht auf den hier verlinkten Original- und Herausgeberquellen. Sie ersetzt keine individuelle Rechts-, Leistungs- oder medizinische Beratung.