Fachpraxis & Pflegesystem

Abweichungsmanagement

Abweichungsmanagement bezeichnet das sichere Erkennen, Bewerten, Kommunizieren und Bearbeiten einer Abweichung von geplanter Pflege, erwarteter Wirkung oder vereinbartem Ablauf.

Wenn Pflege anders verläuft als geplant, zählen zunächst mögliche Folgen und notwendige Hilfe. Danach werden Ursache, Dokumentation und Verbesserung geklärt.

Auch gebräuchlich: Umgang mit Pflegeabweichungen

Zuerst fragen, was für die Person jetzt fehlt

Eine Abweichung kann eine ausgefallene Leistung, ein fehlendes Hilfsmittel, eine unerwartete Reaktion oder eine bewusste Änderung wegen der Tagesform sein. Sie ist nicht automatisch ein Fehler. Entscheidend ist zunächst, ob eine Gefahr entsteht und welche Unterstützung jetzt nötig ist. Ein Eintrag „nicht möglich“ reicht dafür nicht. Nennen Sie die betroffene Aufgabe, den Zeitpunkt, den beobachteten Grund und die möglichen Folgen.

Die Versorgung schließen und anschließend die Ursache bearbeiten

  • Unmittelbare Folgen begrenzen

    Bei einem fehlenden Medikament, einer nicht erreichbaren Person oder einem defekten Gerät ist je nach Risiko sofort fachliche Hilfe nötig. Ungeprüfte Ersatzlösungen können die Gefahr vergrößern.

  • Eine Übernahme bestätigen lassen

    Informieren Sie eine tatsächlich zuständige Person und vereinbaren Sie, wer die Ersatzversorgung organisiert. Eine Nachricht im System beweist nicht, dass jemand die Aufgabe rechtzeitig übernimmt.

  • Entscheidung nachvollziehbar festhalten

    Dokumentieren Sie Beobachtung, Information, Rückmeldung und vereinbartes Vorgehen. Geplante und tatsächlich erbrachte Leistung bleiben unterscheidbar; fehlende Durchführung wird nicht nachträglich als erledigt bestätigt.

Beispiel: Eine geplante Dusche wird abgelehnt

Eine einwilligungsfähige Person darf eine Dusche ablehnen. Fragen Sie respektvoll nach dem Anlass, etwa Schmerzen, Kälte, Scham oder einem unpassenden Zeitpunkt. Vielleicht ist eine andere Form der Unterstützung gewünscht. Die Ablehnung ist nicht schon ein Pflegefehler und darf nicht durch Zwang beantwortet werden. Wiederholte Veränderungen können aber eine neue Einschätzung erfordern. Dokumentieren Sie Angebot, Reaktion, akzeptierte Alternative und notwendige Rücksprache, ohne abwertende Etiketten.

Wiederkehrende Abweichungen brauchen eine organisatorische Antwort

Fehlt dasselbe Material wiederholt oder werden zeitkritische Aufgaben regelmäßig verspätet erledigt, hilft ein weiterer Einzelvermerk allein wenig. Prüfen Sie Bestellung, Lagerung, Zeitplanung, Informationswege und Zuständigkeiten. Auch ein rechtzeitig entdeckter Fehler ohne Schaden kann eine Sicherheitslücke zeigen. Vereinbaren Sie eine konkrete Änderung und prüfen Sie später, ob das Problem seltener auftritt und keine neue Belastung entsteht.

Quellen

EinSTEP beschreibt den Umgang mit Abweichungen im Pflegeverlauf; das ZQP-Pflege-CIRS unterstützt das Lernen aus kritischen Ereignissen. Eine interne oder anonyme Lernmeldung ersetzt weder akute Versorgung noch erforderliche personenbezogene Dokumentation und gegebenenfalls gesetzliche Meldepflichten.

  1. Projektbüro EinSTEP: Struktur und Funktionsweise des Strukturmodells
  2. Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege: Pflege-CIRS – anonymes Berichts- und Lernangebot für die Langzeitpflege
  3. Medizinischer Dienst Bund: Qualitätsprüfungen ambulante Pflege

Quellen- und Prüfstand: 21. September 2026