Aktivitäten des täglichen Lebens
Aktivitäten des täglichen Lebens sind grundlegende Alltagshandlungen wie Essen, Körperpflege, Ankleiden, Toilettennutzung, Fortbewegung und Transfer, deren Selbstständigkeit eingeschätzt werden kann.
Die Abkürzung ADL bündelt verschiedene Tätigkeiten, ersetzt aber keine genaue Beschreibung, welche Teilschritte selbst gelingen und wobei Unterstützung erforderlich ist.
Auch gebräuchlich: ADL, Activities of Daily Living
Eine Alltagshandlung ist selten nur selbstständig oder unselbstständig
Beim Ankleiden kann eine Person Kleidung auswählen und den Oberkörper versorgen, aber wegen Gleichgewichtsproblemen Hilfe bei Hose und Schuhen benötigen. ADL-Beobachtung zerlegt Tätigkeiten deshalb in sinnvolle Teilschritte und berücksichtigt Vorbereitung, Hilfsmittel, Zeit, Sicherheit, Motivation und wechselnde Tagesform. So entsteht ein brauchbares Bild statt eines groben Etiketts.
Was eine aussagekräftige ADL-Einschätzung berücksichtigen sollte
- Art der Unterstützung
Es wird unterschieden, ob Erinnerung, Vorbereitung, Anleitung, Beaufsichtigung, Teilhilfe oder vollständige Übernahme nötig ist. Diese Unterschiede bestimmen Ziele und Maßnahmen.
- Bedingungen der Leistung
Hilfsmittel, räumliche Barrieren, Schmerz, Erschöpfung oder Zeitdruck können das Ergebnis verändern. Die Fähigkeit wird nicht losgelöst von der realen Umgebung bewertet.
- Schwankungen und Risiken
Eine einmal gelungene Tätigkeit beweist keine dauerhaft sichere Selbstständigkeit. Gute und schlechte Tage sowie Sturz-, Aspirations- oder Überforderungsrisiken werden mitgedacht.
ADL, IADL und ATL: Ähnliche Abkürzungen mit anderem Zuschnitt
Neben grundlegenden ADL werden häufig instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens, kurz IADL, betrachtet. Dazu zählen komplexere Aufgaben wie Einkaufen, Haushaltsorganisation oder der Umgang mit Geld. Der Unterschied wird beim Essen deutlich: Eine bereitgestellte Mahlzeit selbst zu essen ist etwas anderes, als Lebensmittel zu besorgen und eine Mahlzeit zu kochen. Für eine sichere Versorgung können beide Ebenen wichtig sein.
ATL steht im deutschsprachigen Pflegekontext auch für „Aktivitäten des täglichen Lebens“ innerhalb bestimmter Pflegemodelle. Welche Lebensbereiche damit gemeint sind, hängt vom jeweiligen Modell ab. Deshalb sollte bei einer Abkürzung immer erkennbar sein, ob allgemeine Alltagshandlungen, ein bestimmtes Erhebungsinstrument oder ein Pflegemodell gemeint sind. Aus der bloßen Angabe „ADL eingeschränkt“ ergibt sich weder eine vollständige Pflegeplanung noch ein bestimmter Pflegegrad.
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Quellen
Die ICF beschreibt Aktivitäten, Teilhabe und Umwelteinflüsse. Die Begutachtungs-Richtlinien bilden einen eigenen sozialrechtlichen Bewertungsrahmen; ADL ist keine austauschbare Bezeichnung für Pflegegradpunkte.
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICF: Aktivitäten und Partizipation
- Medizinischer Dienst Bund: Aktuelle Begutachtungs-Richtlinien zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit
Quellen- und Prüfstand: 20. September 2026