Mobilität, Haut & Prävention

Aktivierende Pflege

Aktivierende Pflege unterstützt Menschen dabei, vorhandene Fähigkeiten bei alltäglichen Handlungen selbst einzusetzen und weiterzuentwickeln.

Hilfe wird so angeboten, dass sichere Eigenaktivität möglich bleibt, statt Tätigkeiten vollständig abzunehmen.

Auch gebräuchlich: aktivierend-therapeutische Pflege

Pflegealltag

Helfen, ohne Fähigkeiten abzunehmen

Aktivierende Pflege fragt bei jeder Alltagshandlung, welchen Anteil die Person selbst übernehmen kann und welche Hilfe den nächsten erfolgreichen Schritt ermöglicht. Sie verbindet Zeit, Motivation, geeignete Umgebung und fachlich dosierte Unterstützung, ohne notwendige Entlastung als Rückschritt zu werten.

Vertiefung

Hilfe so abstufen, dass Beteiligung möglich bleibt

  • Hilfe abstufen

    Vorbereitung, Erinnerung, Anleitung, Teilhilfe und vollständige Übernahme sind verschiedene Unterstützungsstufen. Die geringste sichere und akzeptierte Stufe wird gewählt.

  • Erfolg sichtbar machen

    Kleine Fortschritte und erhaltene Fähigkeiten werden konkret rückgemeldet. Vergleich mit anderen oder Druck durch Lob kann dagegen beschämen und überfordern.

  • Konstanz im Team

    Widersprüchliche Abläufe erschweren Lernen. Ein verständlicher Maßnahmenplan beschreibt, was selbst gelingt und wie Unterstützung einheitlich angeboten wird.

Beispiel: Beim Waschen nur den nötigen Anteil übernehmen

Ein mögliches Beispiel: Eine Person kann Gesicht und Oberkörper selbst waschen, benötigt aber Hilfe beim Bereitstellen der Utensilien und beim Erreichen der Beine. Aktivierende Pflege organisiert diese Unterstützung und lässt Zeit für den selbst möglichen Anteil. Bei Schmerzen oder Erschöpfung kann vorübergehend mehr Hilfe angemessen sein. Entscheidend ist die erneute Abstimmung mit der Person, nicht das tägliche Erfüllen einer vorgegebenen Menge an Eigenleistung.

Kurz geklärt

Missverständnisse rund um Aktivierende Pflege klären

  • Ist aktivierende Pflege langsamer

    Eigenaktivität benötigt häufig zunächst mehr Zeit, kann aber Fähigkeiten, Orientierung und Selbstwirksamkeit erhalten. Zeitplanung muss dies berücksichtigen; Aktivierung darf nicht als unbezahlte Zusatzaufgabe neben einer unrealistischen Routine behandelt werden.

  • Was gilt an schlechten Tagen

    Unterstützung wird an Schmerz, Erschöpfung, Krankheit und Motivation angepasst. Mehr Hilfe an einem belastenden Tag widerspricht dem Prinzip nicht; entscheidend ist die regelmäßige Neubewertung statt dauerhafter vollständiger Übernahme.

Quellen

Der Mobilitätsstandard beschreibt die Förderung vorhandener Bewegungsmöglichkeiten. Das Selbstbestimmungsrecht begrenzt jede Hilfe; aktivierende Pflege ist kein Beleg für die Wirksamkeit eines einheitlichen Trainingsprogramms.

  1. Geschäftsstelle Qualitätsausschuss Pflege: Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege, Aktualisierung 2020
  2. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz / Bundesamt für Justiz: § 2 SGB XI: Selbstbestimmung
  3. Bundesministerium der Justiz: Pflegeberufegesetz

Quellen- und Prüfstand: 20. September 2026