Person & Pflegealltag

Einsamkeit

Einsamkeit ist das subjektiv belastende Gefühl, dass vorhandene Beziehungen oder Kontakte nicht dem persönlichen Bedürfnis nach Nähe, Zugehörigkeit und Verständnis entsprechen.

Sie ist nicht dasselbe wie Alleinsein oder soziale Isolation: Menschen können gern allein sein oder sich trotz vieler Kontakte einsam fühlen.

Auch gebräuchlich: Einsamkeitserleben, soziale Einsamkeit

Nicht von außen bestimmen

Ob jemand einsam ist, lässt sich nicht an der Zahl der Besuche ablesen

Entscheidend ist, ob Beziehungen als ausreichend, verlässlich und bedeutsam erlebt werden. Pflegebedürftigkeit kann Kontakte durch Mobilitäts-, Hör-, Seh-, Kontinenz- oder Kommunikationsprobleme erschweren. Verluste, ein Umzug oder die Aufgabe vertrauter Rollen können hinzukommen. Ein offenes Gespräch über Zugehörigkeit und Wünsche ist aussagekräftiger als die Annahme, jede alleinlebende Person sei einsam.

Individuell ansetzen

Welche Wege gegen Einsamkeit passen können

  • Bestehende Beziehungen stärken

    Ein verlässlicher Telefontermin, Unterstützung beim Besuch oder die Klärung eines Konflikts kann wichtiger sein als ein neues Gruppenangebot. Qualität und gewünschte Nähe zählen mehr als bloße Häufigkeit.

  • Barrieren bearbeiten

    Hörgerät, sichere Mobilität, Kontinenzversorgung, Schmerzbehandlung oder Begleitung können erst ermöglichen, dass eine Person ein gewünschtes Angebot tatsächlich erreicht und dort teilnimmt.

  • Neue Zugehörigkeit vorsichtig erproben

    Nachbarschaft, Selbsthilfe, Kultur, Religion oder digitale Kontakte bieten Chancen. Tempo und Form müssen zur Person passen; ein ablehnendes erstes Erlebnis sollte ausgewertet statt moralisch bewertet werden.

Quellen

  1. Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege: Einsamkeit bei pflegebedürftigen Menschen
  2. World Health Organization: International Classification of Functioning, Disability and Health

Quellen- und Prüfstand: 29. August 2026