Ressourcenorientierung
Ressourcenorientierung richtet den Blick auf vorhandene Fähigkeiten, Beziehungen, Hilfsmittel und Bewältigungsstrategien statt ausschließlich auf Defizite.
Unterstützung wird so dosiert, dass Selbstständigkeit genutzt und erhalten wird, ohne notwendige Hilfe oder Risiken zu übersehen.
Auch gebräuchlich: ressourcenorientierte Pflege
Fähigkeiten erkennen, ohne Unterstützungsbedarf kleinzureden
Ressourcen können körperliche und kognitive Fähigkeiten, Motivation, Wissen, Beziehungen, Gewohnheiten, Wohnumgebung oder verfügbare Hilfsmittel sein. Sie werden nicht abstrakt gesammelt, sondern danach bewertet, wie sie bei einer konkreten Alltagshandlung, Entscheidung oder Belastung tatsächlich unterstützen können.
Ressourcenorientierung sicher einordnen: Fähigkeiten genau beobachten – Überforderung vermeiden
- Fähigkeiten genau beobachten
Entscheidend ist, welche Teilschritte selbst gelingen, welche Vorbereitung hilft und an welcher Stelle Unterstützung nötig wird, statt eine Tätigkeit nur als möglich oder unmöglich zu bewerten.
- Umfeld einbeziehen
Ein gut platzierter Haltegriff, verständliche Hinweise, eine vertraute Person oder ausreichend Zeit können vorhandene Fähigkeiten erst nutzbar machen und gehören deshalb zur Ressourcenbetrachtung.
- Überforderung vermeiden
Eigenaktivität ist nur dann eine Ressource, wenn sie sicher und zumutbar bleibt. Schmerzen, Erschöpfung, Angst oder wechselnde Leistungsfähigkeit müssen bei der Dosierung von Hilfe berücksichtigt werden.
Missverständnisse rund um Ressourcenorientierung klären
- Sind Ressourcen nur Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person
Nein. Auch soziale Unterstützung, geeignete Technik, vertraute Abläufe, finanzielle Möglichkeiten und eine barrierearme Umgebung können Ressourcen sein. Sie wirken jedoch nur, wenn sie erreichbar, akzeptiert und zur konkreten Situation passend sind.
- Warum müssen Ressourcen regelmäßig neu eingeschätzt werden
Erkrankungen, Tagesform, Training, Hilfsmittel oder die Wohnsituation können Fähigkeiten und Unterstützungsmöglichkeiten verändern. Eine alte Einschätzung kann deshalb sowohl unnötige Abhängigkeit als auch gefährliche Überforderung begünstigen.
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Quellen
- Medizinischer Dienst Bund: Aktuelle Begutachtungs-Richtlinien zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit
- World Health Organization: International Classification of Functioning, Disability and Health
Quellen- und Prüfstand: 29. August 2026