Fachpraxis & Pflegesystem

Strukturierte Informationssammlung

Die Strukturierte Informationssammlung ist ein Instrument des Strukturmodells zur personenzentrierten Erfassung pflegerelevanter Situation, Sichtweisen und Risiken.

Sie bildet mit Maßnahmenplan, Berichteblatt und Evaluation eine schlanke Pflegedokumentation.

Auch gebräuchlich: SIS

Prozess verstehen

Die SIS bündelt Sichtweisen und Risiken am Versorgungsbeginn

Die Strukturierte Informationssammlung erfasst die Sicht der pflegebedürftigen Person und die fachliche Einschätzung in sechs Themenfeldern. Sie ist der Einstieg in das Strukturmodell und soll individuelle Situation sowie Risiken knapp, aber ausreichend abbilden. Standardtexte widersprechen ihrem personenzentrierten Zweck.

Vertiefung

Strukturierte Informationssammlung sicher einordnen: Eigene Sicht zuerst – Anlassbezogen aktualisieren

  1. Eigene Sicht zuerst

    Wünsche, Anliegen und Wahrnehmung werden möglichst in den Worten der Person erfasst. Angehörige ergänzen mit kenntlich gemachter eigener Perspektive.

  2. Themenfelder verbinden

    Kognition, Mobilität, krankheitsbezogene Anforderungen, Selbstversorgung und soziale Beziehungen beeinflussen sich. Das sechste Themenfeld richtet sich nach dem Versorgungsbereich.

  3. Risikomatrix nutzen

    Die Pflegefachperson schätzt ein, wo vertiefte Beobachtung oder ein geeignetes Assessment erforderlich ist. Ein Kreuz oder eine Punktzahl allein ersetzt diese Einschätzung nicht.

  4. Änderungen gezielt bearbeiten

    Relevante Veränderungen werden bewertet und in Maßnahmen sowie Evaluation übernommen. Eine vollständige Überarbeitung der SIS ist nicht bei jeder kleinen Planänderung erforderlich.

Kurz geklärt

Missverständnisse rund um Strukturierte Informationssammlung klären

  • Muss in jedes Themenfeld Text

    Nur relevante Informationen werden aufgenommen, dennoch muss die Gesamtsituation nachvollziehbar sein. Leere Felder ohne Prüfung und umfangreiche Standardbausteine sind gleichermaßen problematisch.

  • Ist die SIS gesetzlich vorgeschrieben

    Das Strukturmodell ist ein etabliertes Konzept zur entbürokratisierten Pflegedokumentation, aber nicht die einzig denkbare Form. Einrichtungen müssen unabhängig vom Modell fachliche und rechtliche Anforderungen erfüllen.

  • Wie lang darf eine SIS sein

    Es gibt keine fachliche Qualitätszahl. Sie soll knapp genug für Übersicht und ausführlich genug für individuelle Risiken, Ressourcen und Wünsche sein; Wiederholungen und irrelevante Details werden vermieden.

Die passende Variante verwenden und Änderungen gezielt übernehmen

Die ersten fünf Themenfelder sind über die Versorgungsformen hinweg vergleichbar. Das sechste wird an den jeweiligen Bereich angepasst, beispielsweise Haushaltsführung in der ambulanten und Wohnen in der stationären Pflege. Eine Änderung einzelner Maßnahmen verlangt nicht automatisch eine neue vollständige SIS. Häufig genügen relevante Einträge im Berichteblatt, deren Bewertung und eine angepasste Maßnahmenplanung. Bei einer grundlegenden Veränderung der Situation wird auch die Informationssammlung entsprechend überprüft.

Vom Begriff zur Handlung

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Quellen

EinSTEP ist die unmittelbare Quelle für Aufbau, Anwendung und Varianten des Strukturmodells. Die SIS ersetzt weder die fachliche Einschätzung noch die Begutachtung eines Pflegegrades. Ihre Anwendung setzt das Verständnis des gesamten Modells voraus; ein isoliert ausgefülltes Formular bildet es nicht ab.

  1. Projektbüro EinSTEP: Struktur und Funktionsweise des Strukturmodells
  2. Projektbüro EinSTEP: Schulungsunterlagen und Varianten der Strukturierten Informationssammlung
  3. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz / Bundesamt für Justiz: § 4 PflBG – Vorbehaltene Aufgaben und Pflegeprozessverantwortung

Quellen- und Prüfstand: 21. September 2026