Anna Sticker
Anna Sticker war Diakonisse und Pflegehistorikerin. Ihre Arbeiten machten Quellen zugänglich – und prägten lange eine Erzählung, die Kaiserswerth besonders stark ins Zentrum stellte.
- Zeit
- 1902–1995
- Räume und Netzwerke
- Kaiserswerth und deutsche Pflegegeschichtsschreibung
- Zeitfenster im Museum
- 1945–1969 · BRD & DDR

Was hier auf dem Spiel steht
Anna Sticker war Diakonisse, Archivarin und eine der prägenden Stimmen der deutschen Pflegegeschichtsschreibung nach 1945. Mit ihrem 1960 erschienenen Quellenbuch machte sie Texte zur Entstehung der neuzeitlichen Krankenpflege für Unterricht und Forschung zugänglich. Dadurch gab sie einem Beruf, dessen Vergangenheit häufig nur als Teil von Medizin-, Kirchen- oder Frauengeschichte erschien, eine eigene historische Kontur.
Ihr Werk ist zugleich selbst ein historisches Exponat. Sticker rückte Kaiserswerth und die Diakonissenkrankenpflege in die Mitte einer Entwicklungserzählung. Das machte praktische Pflegearbeit sichtbarer, verengte die Perspektive aber auf eine protestantische Institution und ihren Erinnerungsraum. Der Raum lädt deshalb dazu ein, historische Leistung und die Grenzen einer Auswahl gleichzeitig zu untersuchen.
Warum Anna Sticker in diesem Museum steht
Sticker ist zugleich Forscherin und Quelle für die Geschichte der eigenen Disziplin. Ihr Werk zeigt, dass jede historische Ordnung sichtbar macht und anderes an den Rand rückt.
Wie verändert sich Geschichte, wenn spätere Generationen die Auswahl früherer Historikerinnen prüfen?
3 Prüfaufträge statt fertiger Antworten
Die Aufgaben lassen sich mit den Quellenkarten am Ende der Seite bearbeiten. Entscheidend ist, Behauptung, Beleg, Perspektive und Leerstelle auseinanderzuhalten.
- 01
Welche Gründungs- und Heldenerzählungen prägen unsere Ausbildung, und welche Arbeitsformen bleiben darin trotz großer Versorgungsleistung unsichtbar?
- 02
Wie kennzeichnen wir in Lehrmaterialien den Unterschied zwischen einer historischen Quelle, ihrer damaligen Selbstdarstellung und unserer heutigen Interpretation?
- 03
Nach welchen transparenten Kriterien erweitern wir einen Kanon, ohne neue bloße Symbolfiguren an die Stelle älterer Zentrierungen zu setzen?
Das Zeitfenster neben dem Exponat
Die Epochenräume bilden die deutsch geprägte Hauptchronologie. Bei internationalen Exponaten dient diese Zuordnung als zeitlicher Vergleich, nicht als Gleichsetzung regionaler Geschichte.
Nach 1945 entsteht Pflege in zwei deutschen Systemen neu
Der politische Bruch von 1945 beseitigte weder Mangel noch belastete Routinen. Aus gemeinsamen Trümmern entstanden in BRD und DDR unterschiedliche Versorgungsordnungen – beide abhängig von der weitgehend weiblichen Arbeit der Pflege.
Vollständiges Zeitfenster öffnen →- Im Zuhause
- Familien trugen nach 1945 einen großen Teil der Versorgung von Kriegsversehrten, kranken, behinderten und alten Menschen. Wohnortnahe professionelle Hilfe ist daher nicht nur bequem, sondern eine Frage fair verteilter Sorgearbeit und erreichbarer Entlastung.
- Ambulant
- Gemeindeschwester und Poliklinik erinnern an den Wert kontinuierlicher Gebietskenntnis und kurzer Wege. Historische Übertragung braucht dennoch klare Kompetenz, freiwilligen Zugang, Datenschutz, Ressourcen und demokratische Kontrolle.
- Stationär
- Krankenhaus, Altenzentrum und psychiatrische Anstalt zeigen verschiedene institutionelle Logiken. Gute stationäre Pflege verlangt mehr als Betten und Technik: Rechte, Beziehung, qualifiziertes Personal, Beschwerdemacht und ein Alltag, der nicht vollständig der Organisation untergeordnet wird.






