Liliane Juchli
Liliane Juchli verwandelte ein Unterrichtstagebuch und Lehrskripte in ein Pflegelehrbuch, das Generationen deutschsprachiger Pflegender begleitete. Ihre Leistung liegt nicht in einer isolierten Erfindung der Aktivitäten des täglichen Lebens, sondern in deren didaktischer Übersetzung und ganzheitlicher Ausgestaltung.
- Zeit
- 1933–2020
- Räume und Netzwerke
- Schweiz und deutschsprachige Pflegebildung
- Zeitfenster im Museum
- 1970–1989 · Ambulant & Rechte

Was hier auf dem Spiel steht
Bei Liliane Juchli wird ein Buch selbst zum historischen Akteur. Aus Unterrichtstagebuch und vervielfältigten Lehrunterlagen entstand seit den frühen 1970er Jahren ein Werk, das für viele deutschsprachige Pflegende schlicht der Juchli hieß. Es verband konkrete Handlungen mit Beobachtung, Beziehung und einem körperlich-seelisch-sozial-spirituellen Menschenbild – und gab einem sich professionalisierenden Beruf eine gemeinsame Unterrichtssprache.
Der Raum erzählt diese Wirkung nicht als Erfindung aus dem Nichts. Juchli griff internationale Ansätze, besonders Virginia Henderson und Nancy Roper, auf und übersetzte sie in ihren Lehrkontext. Acht überarbeitete Auflagen bis 1998 zeigen Veränderung statt eines ewigen Standards. Große Reichweite erzeugt jedoch Deutungsmacht: Was ein Lehrbuch ordnet, wird sichtbar; was es an den Rand stellt, kann im Unterricht und in Formularen lange fehlen.
Warum Liliane Juchli in diesem Museum steht
Hier ist das Lehrbuch selbst das eigentliche Exponat – nicht als kopierter Einband, sondern als wandelnde Institution. Es ordnet Aufmerksamkeit, macht Pflege lehrbar und trägt zugleich die Normen jeder Entstehungszeit mit.
Wie kann ein Lehrbuch Orientierung geben, ohne seine historische Ordnung zur zeitlosen Norm zu machen?
3 Prüfaufträge statt fertiger Antworten
Die Aufgaben lassen sich mit den Quellenkarten am Ende der Seite bearbeiten. Entscheidend ist, Behauptung, Beleg, Perspektive und Leerstelle auseinanderzuhalten.
- 01
Welche heute verwendete Pflegekategorie stammt aus einer Lehrbuchtradition – und wann wurde ihre Bedeutung zuletzt anhand aktueller Rechte und Evidenz geprüft?
- 02
Wo eröffnet ein ganzheitlicher Begriff ein Gespräch, und wo füllt das Team ihn mit eigenen normativen Annahmen über ein gutes Leben?
- 03
Welche Teile eines Standards dienen nachweisbar der Person und welche vor allem Unterricht, Dokumentation, Organisation oder Abrechnung?
Das Zeitfenster neben dem Exponat
Die Epochenräume bilden die deutsch geprägte Hauptchronologie. Bei internationalen Exponaten dient diese Zuordnung als zeitlicher Vergleich, nicht als Gleichsetzung regionaler Geschichte.
Pflege kommt näher – Verantwortung wird neu verteilt
Sozialstationen, Psychiatrie-Reform, Behinderten- und Hospizbewegung, Aids-Selbsthilfe und internationale Arbeitsstandards verschoben Pflege in Gemeinden und Wohnungen. Nähe eröffnete Handlungsspielräume, verlagerte aber auch Lasten.
Vollständiges Zeitfenster öffnen →- Im Zuhause
- Der Vorrang häuslicher Versorgung ist nur dann ein Recht, wenn die Wohnung geeignet ist, professionelle Hilfe erreichbar bleibt und Angehörige nicht mangels Alternative zur unbezahlten Hauptressource werden.
- Ambulant
- Der moderne Pflegedienst erbt Team, Tour und Wohnortnähe der Sozialstation. Gute Versorgung verlangt trotzdem Kontinuität, flexible Zeit und die Möglichkeit, auf Krisen statt nur auf kalkulierte Einzelleistungen zu reagieren.
- Stationär
- Deinstitutionalisierung entbindet Einrichtungen nicht von ihrer Aufgabe. Personenzentrierung, offene Alltagsgestaltung, Schutz vor Zwang, wirksame Beschwerde und Kontakte nach außen sind konkrete Antworten auf die Geschichte der Verwahrung.






