Demenz und Delir unterscheiden
Demenz und Delir unterscheiden heißt, einen meist schleichenden kognitiven Abbau von einer akut entstandenen, im Tagesverlauf schwankenden Störung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein abzugrenzen.
Für die erste Einschätzung zählt besonders: Was ist gegenüber dem üblichen Zustand neu? Eine bekannte Demenz schützt nicht vor einem Delir und darf eine akute Veränderung nicht vorschnell erklären.
Auch gebräuchlich: Delir bei Demenz, akute Verwirrtheit
Ein Beispiel: Vergesslichkeit besteht lange, Schläfrigkeit erst seit heute
Ein Beispiel zur Orientierung: Eine Person braucht seit Monaten Erinnerungen an Termine. Heute schläft sie während des Gesprächs ein und kann einfachen Aufforderungen kaum folgen. Entscheidend ist hier die neue Veränderung. Auch wenn eine Demenz bekannt ist, muss nun eine akute Ursache gesucht werden. Eine zwischenzeitlich klare Antwort schließt ein Delir nicht aus.
Drei Informationen sind für die Abklärung besonders hilfreich
- Die letzte gewohnte Situation
Benennen Sie möglichst konkret, wann Aufmerksamkeit, Wachheit und Fähigkeiten noch dem üblichen Zustand entsprachen. Ein Vergleich nur mit anderen Menschen desselben Alters hilft dabei wenig.
- Der Verlauf seitdem
Notieren Sie deutliche Schwankungen und Situationen, in denen die Veränderung auffällt. Ruhiger Rückzug ist ebenso relevant wie starke Unruhe. Weder das eine noch das andere beweist allein eine bestimmte Diagnose.
- Begleitende Ereignisse
Neue Erkrankung, Medikamentenänderung, Operation, Schmerzen oder Probleme beim Essen, Trinken und Ausscheiden gehören in die Rückmeldung. Die medizinische Ursachenklärung darf nicht durch bloße Beruhigungsversuche ersetzt werden.
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Quellen
Die Leitlinien beschreiben typische Verläufe und das häufige gemeinsame Auftreten. Diese Orientierung ersetzt keine Diagnostik: Auch Demenz kann schwanken, und ein Delir kann bei einer kurzen Begegnung unauffällig wirken.
- AWMF: S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter
- AWMF, DGN und DGPPN: S3-Living-Guideline Demenzen
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Delirium: prevention, diagnosis and management in hospital and long-term care (CG103)
Quellen- und Prüfstand: 20. September 2026