Fachpraxis & Pflegesystem

Dienstübergabe

Die Dienstübergabe ist die strukturierte Übertragung aktuell notwendiger Informationen und Verantwortungen zwischen Mitarbeitenden oder Schichten.

Bei einem Wechsel müssen zeitkritische Aufgaben, Veränderungen und offene Entscheidungen sicher ankommen. Die übernehmende Person braucht Gelegenheit für Rückfragen.

Auch gebräuchlich: Schichtübergabe

Neue Veränderungen und Zeitkritisches zuerst nennen

Die übernehmende Person sollte rasch erkennen, bei wem sich etwas verändert hat und welche Aufgabe nicht warten kann. Nennen Sie Identität, aktuelles Problem, Beginn, bereits erfolgte Maßnahmen und ihre Wirkung. Ein langer Bericht über bekannte Diagnosen kann die entscheidende neue Beobachtung verdecken. Vermutete Ursachen bleiben als Vermutung erkennbar. Bei kritischen Angaben wie Dosis oder Zeitpunkt kann eine Rückbestätigung durch die empfangende Person Missverständnisse sichtbar machen.

Offene Aufgaben so übergeben, dass jemand sie tatsächlich übernimmt

  • Auftrag eindeutig benennen

    „Arzt ist informiert“ sagt nicht, ob ein Rückruf erwartet wird oder eine neue Anordnung vorliegt. Nennen Sie den aktuellen Stand, was noch zu tun ist und bis wann eine Entscheidung benötigt wird.

  • Wichtige Unterlagen abgleichen

    Neue Anordnungen, Medikamentengaben und relevante Beobachtungen müssen zur verbindlichen Dokumentation passen. Ein persönlicher Notizzettel oder eine mündliche Erinnerung darf keinen widersprüchlichen zweiten Plan bilden.

  • Übernahme bestätigen

    Klären Sie, wer die Aufgabe übernimmt und welche Rückmeldung erfolgt. Ein versandter Eintrag oder ein automatischer Haken beweist nicht, dass die zuständige Person den Inhalt verstanden hat.

Beispiel: Ein angekündigter Rückruf steht noch aus

Angenommen, wegen neuer Beschwerden wurde eine ärztliche Rückmeldung angefordert. Übergeben werden Anlass, Zeitpunkt des Kontakts, bisherige Empfehlung, aktueller Zustand und der vereinbarte nächste Schritt. Die neue Schicht muss wissen, was zu tun ist, wenn der Rückruf ausbleibt oder sich der Zustand verschlechtert. Ist bereits eine akute Gefahr erkennbar, wird unverzüglich Hilfe organisiert; das Gespräch darf nicht als noch unerledigte Routine in die nächste Schicht verschoben werden.

Störungen und unnötige Mithörende begrenzen

Für wichtige Informationen braucht es einen geschützten Ort und Gelegenheit für Rückfragen. Eine Übergabe am Bett kann die Person einbeziehen, muss aber Privatsphäre und ihre Wünsche beachten. Ambulant sind auch nicht angetroffene Personen, Zugangsschwierigkeiten und geänderte Einsatzzeiten relevant. Informationen werden nur an berechtigte Beteiligte weitergegeben und auf das für die weitere Versorgung Erforderliche begrenzt.

Vom Begriff zur Handlung

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Quellen

AHRQ beschreibt strukturierte Übergaben mit bestätigter Übernahme und Rückfragen. Die deutsche Dokumentationspflicht ist davon zu unterscheiden. Kommunikationshilfen erleichtern die Ordnung der Informationen, garantieren aber weder Vollständigkeit noch eine richtige Entscheidung oder unveränderte Zustände nach der Übergabe.

  1. Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ): TeamSTEPPS: Handoff – sichere Übergabe
  2. Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ): TeamSTEPPS: SBAR – strukturierte Kommunikation
  3. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz / Bundesamt für Justiz: § 630f BGB – Dokumentation der Behandlung

Quellen- und Prüfstand: 21. September 2026