Vertraute Rolle
Eine vertraute Rolle ist eine persönlich bedeutsame Aufgabe oder Zugehörigkeit – etwa als Partnerin, Großvater, Gastgeber, Vereinsmitglied oder Fachperson – die Identität und Teilhabe prägt.
Pflege kann solche Rollen erhalten, wenn nicht nur Hilfebedarf gesehen wird, sondern Möglichkeiten bleiben, Verantwortung, Erfahrung und Beziehung weiter einzubringen.
Auch gebräuchlich: soziale Rolle, biografische Rolle
Unterstützungsbedarf beendet nicht automatisch eine vertraute Rolle
Wer jahrelang das Familienfrühstück vorbereitet, Entscheidungen im Verein getroffen oder Enkel betreut hat, kann durch Pflegebedürftigkeit einen schmerzhaften Rollenverlust erleben. Häufig lassen sich bedeutsame Anteile erhalten: auswählen, anleiten, begrüßen, erzählen oder eine kleine Aufgabe übernehmen. Entscheidend ist, dass die Rolle zur heutigen Person passt und nicht nur aus der Vergangenheit fortgeschrieben wird.
Wie vertraute Rollen im neuen Alltag Platz behalten
- Beitrag statt Beschäftigung
Eine echte Aufgabe hat ein erkennbares Ergebnis und wird von anderen ernst genommen. Symbolische Tätigkeiten ohne Bezug können herabsetzend wirken, wenn die Person ihre Bedeutung durchschaut.
- Umfang neu aushandeln
Verantwortung kann verkleinert oder geteilt werden, ohne vollständig zu verschwinden. Kraft, Sicherheit und Wunsch bestimmen, welcher Anteil weiterhin übernommen wird.
- Neue Rollen zulassen
Menschen entwickeln auch mit Pflegebedarf neue Interessen und Zugehörigkeiten. Biografie ist Ausgangspunkt, aber kein Drehbuch, das jede heutige Möglichkeit begrenzt.
Quellen
- World Health Organization: International Classification of Functioning, Disability and Health
- Bundesministerium der Justiz: Sozialgesetzbuch IX – Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen
Quellen- und Prüfstand: 29. August 2026