Gemeinsame Entscheidungsfindung
Gemeinsame Entscheidungsfindung ist ein strukturierter Austausch, bei dem fachliche Möglichkeiten und persönliche Werte zusammengeführt werden, um eine tragfähige Wahl zu treffen.
Sie ist besonders wichtig, wenn mehrere vertretbare Wege bestehen und Nutzen, Belastung, Sicherheit oder Lebensqualität unterschiedlich gewichtet werden können.
Auch gebräuchlich: Shared Decision Making, partizipative Entscheidungsfindung
Fachwissen beantwortet nicht allein, welcher Weg persönlich passt
Pflegefachpersonen, Ärztinnen, Therapeuten oder Beratende können Optionen, wahrscheinliche Folgen und Unsicherheiten erklären. Die betroffene Person bringt Ziele, Erfahrungen, Belastungsgrenzen und Prioritäten ein. Eine gemeinsame Entscheidung entsteht erst, wenn beide Wissensarten verständlich zusammenkommen und auch die Möglichkeit berücksichtigt wird, eine Option abzulehnen.
Vom Entscheidungsbedarf zu einer überprüfbaren Vereinbarung
- Wahl sichtbar machen
Zunächst wird offen benannt, dass tatsächlich mehrere Möglichkeiten bestehen. Ohne diese Information wirkt eine fachliche Empfehlung schnell wie die einzig erlaubte Entscheidung.
- Folgen verständlich vergleichen
Nutzen, Belastungen, Risiken, Alltagstauglichkeit und offene Unsicherheiten werden in einer Form erklärt, die zur Sprache und Aufnahmefähigkeit der Person passt.
- Entscheidung festhalten und prüfen
Die getroffene Wahl, maßgebliche Werte und Bedingungen werden dokumentiert. Verändert sich die Situation, wird erneut entschieden statt eine frühere Festlegung mechanisch fortzuführen.
Quellen
- World Health Organization: International Classification of Functioning, Disability and Health
- Bundesministerium der Justiz: Sozialgesetzbuch IX – Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen
Quellen- und Prüfstand: 29. August 2026