Identität in der Pflege
Identität in der Pflege meint das fortbestehende Selbstverständnis einer Person mit ihren Rollen, Beziehungen, Überzeugungen, Gewohnheiten und Zugehörigkeiten trotz Unterstützungsbedarf.
Pflege kann Identität stärken, wenn sie vertraute Ausdrucksformen ermöglicht, oder sie schwächen, wenn Menschen auf Diagnose, Zimmernummer oder Hilfebedarf reduziert werden.
Auch gebräuchlich: Identitätserhalt, persönliche Identität
Pflegebedürftigkeit verändert Rollen, löscht sie aber nicht aus
Eine Person bleibt Partnerin, Vater, Nachbar, Fachfrau, Vereinsmitglied oder gläubiger Mensch, auch wenn sie Hilfe beim Waschen, Essen oder Orientieren braucht. Identität wird im Alltag durch Sprache, Kleidung, Gegenstände, Entscheidungen, Beziehungen und vertraute Tätigkeiten sichtbar. Unterstützung sollte diese Bezüge kennen und Möglichkeiten erhalten, sie weiterzuleben.
Welche Anker das Selbstgefühl unterstützen können
- Rollen und Beziehungen
Vertraute Anreden, Familienrollen und soziale Aufgaben geben Orientierung. Hilfe sollte nicht automatisch alle Verantwortung abnehmen, wenn ein bedeutsamer Anteil weiterhin möglich und gewünscht ist.
- Erscheinung und Umgebung
Kleidung, Frisur, persönliche Gegenstände, Musik oder die Ordnung eines Raumes können ausdrücken, wer jemand ist. Funktionale Bequemlichkeit allein ist kein ausreichender Maßstab.
- Erzählung und Gegenwart
Biografisches Wissen hilft, doch Identität entsteht auch heute weiter. Neue Vorlieben, Beziehungen und Entscheidungen verdienen denselben Respekt wie lang bekannte Gewohnheiten.
Quellen
- World Health Organization: International Classification of Functioning, Disability and Health
- Bundesministerium der Justiz: Sozialgesetzbuch IX – Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen
Quellen- und Prüfstand: 29. August 2026