Pflegeabwehr bei der Körperpflege
Pflegeabwehr bei der Körperpflege bezeichnet verbales oder nonverbales Zurückweisen von Wasch-, Dusch-, Ankleide- oder Intimpflegehandlungen.
Sie ist zunächst eine Mitteilung und kann unter anderem mit Schmerz, Scham, Angst, fehlendem Verständnis, früheren Erfahrungen, Überforderung oder einer unpassenden Situation zusammenhängen.
Auch gebräuchlich: Abwehr beim Waschen, Widerstand bei der Körperpflege
Ein Zurückweichen oder Festhalten ist kein Arbeitsauftrag zum Weitermachen
Anspannung, Wegdrehen, Schlagen, Rufen oder das Festhalten an Kleidung können anzeigen, dass die Person die Handlung nicht versteht oder nicht will. Zuerst wird gestoppt, Abstand hergestellt und die Situation beruhigt. Danach lassen sich Auslöser wie Kälte, Zeitdruck, Schmerzen, fremde Personen, Intimität oder eine zu komplexe Aufforderung genauer klären.
Von der Unterbrechung zu einer akzeptablen Alternative
- Ursache suchen
Körperliche Beschwerden, Toilettendrang, Müdigkeit, Hör- oder Sehprobleme und die bisherige Kommunikation werden geprüft, bevor Verhalten allein der Demenz oder Persönlichkeit zugeschrieben wird.
- Angebot verkleinern
Ein anderer Zeitpunkt, vertraute Produkte, Teilwaschung, mehr Eigenaktivität oder eine bevorzugte Pflegeperson können die Situation verändern. Wahlmöglichkeiten werden konkret und überschaubar angeboten.
- Muster auswerten
Wiederkehrende Abwehr wird mit Situation, Auslösern und hilfreichen Reaktionen dokumentiert und im Team beziehungsweise mit Angehörigen besprochen, ohne die Person abwertend zu etikettieren.
Ein Nein zur Dusche kann ein Ja zu einer anderen Hilfe sein
Eine Person lehnt die Dusche ab, stimmt aber zu, Gesicht und Hände am Waschbecken selbst zu waschen. Dieses gedankliche Beispiel zeigt, warum der genaue Gegenstand der Ablehnung wichtig ist. Es kann um den Ort, Kälte, eine fremde helfende Person oder den Umfang der Handlung gehen. Daraus entsteht ein anderes Angebot, kein Trick zum Durchsetzen des ursprünglichen Plans. Auch dieses neue Angebot braucht Zustimmung. Bei wiederkehrender Ablehnung wird festgehalten, welche Situation schwierig war und welche Unterstützung tatsächlich angenommen wurde.
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Quellen
Der ZQP-Ratgeber und die Demenzleitlinie tragen das angepasste pflegerische Vorgehen; die Pflege-Charta begründet die Achtung von Ablehnung. Das Beispiel ist eine redaktionelle Alltagssituation.
- Stiftung ZQP: Körperpflege – Praxistipps für den Pflegealltag
- AWMF, DGN und DGPPN: S3-Living-Guideline Demenzen
- Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP): Rechte pflegebedürftiger Menschen und Pflege-Charta
Quellen- und Prüfstand: 20. September 2026