Expertenstandards-Cockpit · DNQP

Erhaltung und Förderung der Haut­integrität in der Pflege

Dieses Cockpit übersetzt Hautintegrität in differenzierte Pflegepraxis: Risiken und bestehende Hautprobleme sicher unterscheiden, persönliche Hautpflegegewohnheiten und Ziele einbeziehen, geeignete Reinigung und Schutzmaßnahmen umsetzen, Ursachen interprofessionell bearbeiten und Hautzustand, Beschwerden sowie Akzeptanz regelmäßig evaluieren.

FassungEntwicklung 2024Offizieller StandAktuelle Fassung verfügbarGeprüft31. August 2026
Mehrere fein strukturierte Papier- und Gewebeschichten bilden eine flexible Schutzbarriere in Koralle und Oliv und stehen für intakte, widerstandsfähige Haut.
KI-generierte IllustrationHautintegrität entsteht aus vielen passenden Schutzschichten – und aus dem Verzicht auf belastende Routinen.
Haut verstehenRisiko und Problem sicher unterscheiden

Hautzustand, Exposition, Fähigkeiten und Abklärungsbedarf differenziert einordnen.

Schutz gestaltenReinigung, Pflege und Ursache verbinden

Konkrete Umsetzung ambulant, stationär und durch Angehörige planen.

Wirkung prüfenHautzustand und System auditieren

Fall, Kompetenz und Organisation auf wirksame Hautpflege ausrichten.

Das Wichtigste in Kürze

Woran hautschonende und differenzierte Pflege erkennbar wird

Barriere erhalten, Probleme unterscheiden

Vier Bereiche bestimmen Risiko und Hautpflegebedarf

Trockene Haut, Inkontinenz-assoziierte Dermatitis, Intertrigo, Hautriss und andere Veränderungen benötigen unterschiedliche Antworten. Hautzustand, Exposition, Fähigkeiten und Alltagsbedingungen werden deshalb zusammen bewertet.

Hautzustand und Beschwerden

Trockenheit, Rötung, Nässen, Risse, Erosion, Blasen, Juckreiz, Schmerz, Wärme und Lokalisation geben Hinweise auf Art und Dringlichkeit des Problems.

Exposition und Belastung

Urin, Stuhl, Schweiß, Wundexsudat, Reibung, Scherkräfte, Klebstoffe, häufiges Waschen und ungeeignete Produkte können die Hautbarriere schädigen.

Gesundheit und Behandlung

Alter, Ödeme, Diabetes, Durchblutung, Inkontinenz, Mangelernährung, Medikamente, Allergien und dermatologische Erkrankungen beeinflussen Risiko und Versorgung.

Selbstpflege und Umfeld

Beweglichkeit, Greifen, Sehen, Kognition, Gewohnheiten, Kleidung, Raumklima, Produktzugang und Unterstützungszeit bestimmen die reale Hautpflege.

Geschlossener Pflegeprozess

Fünf Schritte von der Hautbeobachtung zum stabilen Schutzkonzept

Die Darstellung ist eine redaktionelle Übersetzung der aktuellen Standardlogik. Sie ersetzt nicht die Originalveröffentlichung.

  1. 01

    Hautrisiko und Hautzustand einschätzen

    Welche Hautbereiche sind gefährdet oder verändert, und lässt sich das Problem fachlich unterscheiden?

    Pflegefachkräfte betrachten die gesamte relevante Haut, Beschwerden, Exposition, bisherige Produkte, Fähigkeiten und Warnzeichen. Unklare oder behandlungsbedürftige Veränderungen werden abgeklärt.

  2. 02

    Hautziel und Schutzplan entwickeln

    Welche Hautverbesserung ist erreichbar und welche Belastung muss reduziert werden?

    Ziel, Reinigung, Pflegeprodukt, Schutz, Wechselhäufigkeit, Inkontinenz- oder Feuchtigkeitsmanagement und Zuständigkeit werden personbezogen festgelegt.

  3. 03

    Informieren und Selbstpflege fördern

    Versteht die Person, was ihrer Haut hilft und was sie vermeiden sollte?

    Pflegegewohnheiten werden respektvoll besprochen, Produkte praktisch erprobt und erreichbare Selbstpflege oder Angehörigenhilfe klar begrenzt.

  4. 04

    Hautschonend pflegen und schützen

    Werden Reinigung, Pflege und Expositionsschutz zuverlässig und ohne zusätzliche Schädigung umgesetzt?

    Das Team nutzt milde Techniken, reduziert Reibung, managt Feuchtigkeit und beobachtet die Reaktion. Abweichungen oder neue Läsionen werden zeitnah rückgemeldet.

  5. 05

    Hautzustand und Verträglichkeit evaluieren

    Stabilisiert sich die Hautbarriere und nehmen Beschwerden ohne Nebenfolgen ab?

    Befund, Juckreiz, Schmerz, Nässen, Selbstpflege, Akzeptanz und Produktverträglichkeit werden verglichen. Fehlende Wirkung führt zur Diagnose- und Planprüfung.

Maßnahmen passend kombinieren

Reinigen, pflegen und schützen – passend zum Hautproblem

Produkte, Häufigkeit, Technik, Feuchtigkeitsmanagement, Reibungsreduktion und Behandlung werden an Befund und Ursache angepasst. Mehr Waschen, Desinfizieren oder Eincremen ist nicht automatisch bessere Hautpflege.

Mild und gezielt reinigen

Lauwarmes Wasser, geeignete pH-nahe Produkte, sanftes Trocknen und bedarfsgerechte Häufigkeit schützen die Barriere.

Trockene Haut passend pflegen

Geeignete rückfettende oder feuchtigkeitsbindende Produkte werden nach Hautzustand, Präferenz und Verträglichkeit gewählt.

Feuchtigkeitsschäden verhindern

Inkontinenz, Schweiß und Exsudat werden rasch und hautschonend gemanagt; Schutzprodukte werden dünn und passend eingesetzt.

Hautfalten schützen

Falten werden schonend gereinigt, sorgfältig getrocknet, belüftet und auf Reibung, Nässen oder Pilzverdacht beobachtet.

Reibung und Klebstoffschäden reduzieren

Schonende Transfers, weiche Textilien, geeignete Fixierung und vorsichtiges Ablösen schützen fragile Haut.

Unklare Probleme fachlich klären

Verdacht auf Infektion, Allergie, dermatologische Erkrankung, Dekubitus oder Wunde wird mit präziser Beschreibung weitergeleitet.

Ein Standard, drei klar begrenzte Perspektiven

Was sich ambulant, stationär und für Angehörige unterscheidet

Die fachliche Zielsetzung bleibt gemeinsam. Verantwortung, Beobachtungszeit, Umfeld und umsetzbare nächste Schritte sind es nicht.

Ambulante Fachpraxis

Hautpflege muss mit vorhandenen Produkten zuhause funktionieren

  • Badezimmer, Produkte, Waschgewohnheiten, Wäsche, Raumklima und reale Selbstpflege beim Erstbesuch erfassen.
  • Wenige geeignete Produkte mit klarer Anwendung vereinbaren, statt eine komplizierte Produktpalette aufzubauen.
  • Inkontinenzmaterial, Bett, Kleidung und Feuchtigkeitsbelastung in die Ursachenprüfung einbeziehen.
  • Unklare Veränderungen mit genauer Lokalisation und Verlauf an Arztpraxis oder Fachstelle rückmelden.
  • Grenze: Angehörige müssen keine großflächige intime Hautkontrolle ohne Zustimmung übernehmen.
Stationäre Fachpraxis

Produkte und Routinen müssen schichtübergreifend zusammenpassen

  • Hautrisiken, Problemart, Produkt, Häufigkeit und Beobachtungskriterien in Planung und Übergabe eindeutig führen.
  • Persönliche Produkte bereitstellen und ungeeignete Mehrfachreinigung durch wechselnde Mitarbeitende vermeiden.
  • Körperpflege, Inkontinenzversorgung, Transfer, Lagerung und Wundversorgung auf Hautbelastungen abstimmen.
  • Produktauswahl und Beschaffung fachlich steuern und Verträglichkeit systematisch rückmelden.
  • Grenze: Eine pauschale Ganzkörpercreme oder Schutzpaste für alle ersetzt keine differenzierte Einschätzung.
Private Angehörige

Veränderungen beobachten und einfache Schutzschritte sicher umsetzen

  • Hautveränderungen bei der gewohnten Pflege ruhig ansprechen und Lokalisation, Beschwerden und Verlauf merken.
  • Mild reinigen, vorsichtig trocknen und nur vereinbarte Produkte in geeigneter Menge anwenden.
  • Feuchte Kleidung oder Material zeitnah wechseln und Hautfalten trocken halten, ohne zu reiben.
  • Rasch zunehmende Rötung, starke Schmerzen, Blasen, Fieber oder offene Stellen fachlich abklären lassen.
  • Grenze: Desinfektionsmittel, Puder, ätherische Öle oder Arzneisalben nicht ungeprüft auf geschädigte Haut geben.
Verantwortung sichtbar machen

Wer trägt welchen Teil – und woran ist das erkennbar?

RolleVerantwortungNachvollziehbarer Nachweis
PflegefachkraftHautrisiken und Probleme differenzieren, Schutzplan steuern, beraten und Wirkung evaluieren.Aktueller Hautbefund, Ziel, begründete Maßnahmen, Verlauf und Anpassung.
Pflege- und AssistenzteamHautschonende Pflege nach Plan durchführen und Veränderungen zuverlässig melden.Bekannte Produkte und Technik, Durchführung, Beobachtung und Rückmeldung.
Ärztliche und weitere FachpartnerUnklare oder behandlungsbedürftige Hautprobleme diagnostizieren und Therapie abstimmen.Befund, Anordnung, Empfehlung und Integration in den Pflegeplan.
Betroffene Person und AngehörigeGewohnheiten, Beschwerden, Ziele und Verträglichkeit einbringen und vereinbarte Selbstpflege nutzen.Beteiligung, Einwilligung, Produktpräferenz und Rückmeldung.
Leitung und QualitätsverantwortlicheGeeignete Produkte, Kompetenzen, Verfahren und Auditlernen strukturell absichern.Beschaffung, Schulung, Regelung, Auditbefunde und Verbesserungsnachweis.
Audit als Qualitätsgespräch

Drei Ebenen gemeinsam prüfen

Die Prüffragen sind eine vorbereitende Orientierung in eigener Sprache. Für ein formales Audit gelten die aktuellen DNQP-Instrumente.

FallbezogenKommt differenzierte Hautpflege bei der Person an?
PersonalbezogenKann das Team Hautprobleme unterscheiden und sicher handeln?
EinrichtungsbezogenTrägt die Organisation konsistente Hautpflege?

Noch keine Prüfpunkte markiert.

Von Papier zu Praxis

Einführung in sechs beherrschbaren Schritten

Das Modell hält den Umbau klein genug zum Lernen und verbindlich genug zum Nachhalten.

  1. 01

    Hautprobleme und Produkte kartieren

    Häufige Befunde, heutige Routinen, Produktvielfalt und Verwechslungen anhand realer Fälle erfassen.

  2. 02

    Differenzierung trainieren

    Trockene Haut, IAD, Intertrigo, Hautriss, Dekubitus und Wunde mit klaren Eskalationsgrenzen unterscheiden.

  3. 03

    Produktauswahl vereinfachen

    Wenige geeignete Produktgruppen, Anwendungsmengen und Ausschlusskriterien verbindlich festlegen.

  4. 04

    Techniken praktisch üben

    Milde Reinigung, Hautfaltenpflege, Inkontinenzschutz und reibungsarme Transfers demonstrieren und prüfen.

  5. 05

    Einen Bereich pilotieren

    Hautstatus, Produktverbrauch, Beschwerden und Akzeptanz über mehrere Wochen zusammen auswerten.

  6. 06

    Audit und Beschaffung verbinden

    Fall-, Kompetenz- und Strukturprobleme priorisieren, Einkauf und Schulung anpassen und Wirkung erneut prüfen.

Häufige Kurzschlüsse

Was der Standard nicht sagt

Hilft häufiges Waschen grundsätzlich gegen Hautprobleme?

Nein. Zu häufige oder aggressive Reinigung kann die Hautbarriere weiter schädigen; Häufigkeit und Produkt müssen zum Problem passen.

Ist jede Rötung am Gesäß ein Dekubitus?

Nein. Druck, Feuchtigkeit, Reibung, Pilz und andere Ursachen können ähnlich aussehen und benötigen unterschiedliche Maßnahmen.

Ist eine dicke Schicht Schutzpaste immer besser?

Nein. Zu viel Produkt kann Beobachtung und Reinigung erschweren; Auswahl und Menge werden nach Befund und Herstellerangabe festgelegt.

Deckt dieser Standard chronische Wunden vollständig ab?

Nein. Hautintegrität, Dekubitusprophylaxe und Pflege chronischer Wunden sind eigene Standards mit unterschiedlichen Zielgruppen und Prozessanforderungen.

Originale und Prüfstand

Quellen und redaktionelle Einordnung

Der Pflegekanzler erläutert und operationalisiert den Standard in eigener Sprache. Der vollständige, urheberrechtlich geschützte Standardtext, Kommentierungen und formale Auditinstrumente bleiben beim Herausgeber.

  1. StandardauszugDeutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege, 2024 – Auszug
  2. AuditinstrumentDeutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)Auditfragebogen: Mensch mit hautbezogenen Risiken und Problemen
  3. HerausgeberübersichtDeutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)Expertenstandards und Auditinstrumente
  4. MethodenpapierDeutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)Methodisches Vorgehen zur Entwicklung, Einführung und Aktualisierung von Expertenstandards
  5. AktualisierungsmonitoringDeutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)Jährliches Monitoring der Wissensbasis