Fallwerkstatt für Expertenstandards
Elf vollständige Leitfälle verbinden Beobachtung, Prozess, Maßnahmen, Rollen, Nachweise und Evaluation. Jeder Fall besitzt einen ambulanten und einen stationären Transfer.
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Alle 11 Leitfälle werden angezeigt.
Nach dem nächtlichen Sturz wird Bewegung vermieden
Herr A., 82 Jahre, ist nachts auf dem Weg zur Toilette gestürzt. Eine Fraktur wurde ausgeschlossen. Seitdem bittet er bei jedem Aufstehen um zwei Helfende, obwohl er zuvor mit dem Rollator selbstständig war. Die Bedarfsmedikation wurde vor zwei Wochen verändert, nachts ist der Flur dunkel und der Rollator steht nicht immer erreichbar. Das Team erwägt aus Sorge einen festen Toilettenstuhl am Bett; Herr A. lehnt ihn ab.
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- 25 Minuten
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- Mittel
An der Ferse bleibt eine Rötung bestehen
Frau B., 76 Jahre, ist nach einer schweren Infektion ausgeprägt geschwächt und verbringt viel Zeit im Bett. An der rechten Ferse ist seit dem Morgen eine nicht wegdrückbare Rötung sichtbar. Sie hat Schmerzen bei Lagewechseln, isst wenig und möchte möglichst ungestört schlafen. In der Dokumentation stehen allgemeine Zwei-Stunden-Lagerungen, aber kein individuelles Bewegungs- oder Druckentlastungsziel.
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- 25 Minuten
- Komplexität
- Hoch
Morgen nach Hause – aber Versorgung und Medikation sind offen
Frau C., 69 Jahre, soll morgen nach einer Operation nach Hause. Sie hat eine behandlungsbedürftige Wunde, einen geänderten Medikationsplan und darf das Bein nur teilbelasten. Der ambulante Dienst hat noch keine Verordnung, das Hilfsmittel soll erst in drei Tagen kommen und ihre Tochter weiß nicht, welche Warnzeichen relevant sind. Im Entlassgespräch nickt Frau C., kann den Plan aber nicht in eigenen Worten wiedergeben.
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- 30 Minuten
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Unruhe, Abwehr und möglicher Schmerz bei Demenz
Herr D., 84 Jahre, lebt mit fortgeschrittener Demenz und spricht nur noch einzelne Worte. Seit zwei Tagen ruft er häufig, wehrt die Körperpflege ab und belastet das rechte Bein kaum. Die Dokumentation nennt mehrfach Unruhe; eine strukturierte Schmerzeinschätzung fehlt. Eine Bedarfsmedikation ist vorhanden, ihre Wirkung wurde bisher nicht nachvollziehbar geprüft.
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- 30 Minuten
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Nach dem Schlaganfall wird vorschnell eine Vollversorgung etabliert
Frau E., 73 Jahre, erreicht nach einem Schlaganfall die Toilette nicht rechtzeitig. Sie kann Harndrang benennen und mit Hilfe aufstehen, hat aber eine Aphasie und braucht mehr Zeit. Aus Sorge vor nasser Kleidung werden saugende Hilfsmittel rund um die Uhr verwendet. Ein Toilettenplan, die Stuhlgangssituation, Medikamente und ihr eigenes Ziel wurden nicht erhoben.
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- 25 Minuten
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- Mittel
Der Verband stimmt – der Alltag mit der Wunde nicht
Herr F., 71 Jahre, lebt mit einem venösen Ulcus cruris. Der Verbandwechsel ist standardisiert, doch er trägt die verordnete Kompression selten, weil sie schmerzt und das Anziehen nicht gelingt. Er schläft im Sessel, bewegt sich wenig und schämt sich wegen Geruch und Exsudat. In den letzten zwei Wochen wurde die Wunde größer; eine erneute Ursachen- und Schmerzprüfung ist nicht dokumentiert.
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- 30 Minuten
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Gewichtsverlust, lange Mahlzeiten und wiederholtes Husten
Frau G., 79 Jahre, hat in acht Wochen sechs Kilogramm verloren. Mahlzeiten dauern lange, sie hustet bei dünnen Getränken und ihre Stimme klingt danach feucht. Wegen Zeitdruck wird ihr häufig passierte Kost gereicht, obwohl keine Schluckdiagnostik vorliegt. Sie mag diese Kost nicht, isst allein im Zimmer und hat eine lockere Zahnprothese.
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- 30 Minuten
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Körperpflege wird abgewehrt – das Team spricht von Verweigerung
Frau H., 86 Jahre, lebt mit Demenz. Morgens schlägt sie nach Händen, wenn die Körperpflege beginnt. Nachmittags lässt sie sich von einer vertrauten Pflegeperson am Waschbecken begleiten. In der Biografie ist festgehalten, dass sie früher spät aufstand und großen Wert auf Privatsphäre legte. Trotzdem steht im Ablaufplan weiterhin Ganzkörperpflege um 7 Uhr; Schmerzen und akute Ursachen wurden nicht systematisch geprüft.
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- 30 Minuten
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Die Zahnprothese drückt und Mundpflege wird abgelehnt
Herr I., 81 Jahre, nimmt die Oberkieferprothese seit einigen Tagen kaum heraus und lehnt Mundpflege ab. Er isst weniger, spricht undeutlicher und fasst sich häufig an die Wange. Bei einer kurzen Einwilligung zur Inspektion fallen eine gerötete Druckstelle und trockene Schleimhäute auf. Im Team gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen; ein Zahnarztkontakt ist noch nicht organisiert.
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- 25 Minuten
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Feuchte Hautschädigung oder Dekubitus – die Ursache bleibt unklar
Frau J., 88 Jahre, ist harn- und stuhlinkontinent und benötigt Hilfe beim Lagewechsel. Im Gesäßbereich zeigt sich eine flächige gerötete, teilweise nässende Hautveränderung. Sie wurde wechselnd als Dekubitus, Intertrigo und Inkontinenzschaden dokumentiert. Unterschiedliche Produkte werden parallel verwendet; Druckexposition, Kontinenzplan und Schmerz sind nicht gemeinsam beurteilt.
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- 30 Minuten
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Nach dem Klinikaufenthalt bleibt das Gehen im Alltag aus
Herr K., 77 Jahre, kehrt nach einer Lungenentzündung deutlich geschwächt zurück. Vorher ging er mit Stock zum Speiseraum, jetzt wird er vorsorglich im Rollstuhl gefahren. Er kann mit Hilfe aufstehen und möchte wieder selbst zum Fenster und zur Toilette gehen. Ein allgemeiner Mobilisationsplan liegt vor, aber kein persönliches Ziel, keine abgestufte Unterstützung und keine Vereinbarung mit Therapie und Team.
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- 25 Minuten
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- Mittel
Sechs Fragen für jeden Expertenstandard
- Was ist akut oder zeitkritisch?
- Welche individuelle Einschätzung fehlt?
- Welches Ziel ist für die Person bedeutsam?
- Welche Maßnahmen bilden ein begründetes Bündel?
- Wer trägt welche Verantwortung?
- Woran und wann wird Wirkung erkennbar?