Mobilität, Haut & Prävention

Sturzprävention

Sturzprävention bündelt individuell passende Maßnahmen, die Sturzrisiken vermindern und sichere Mobilität möglichst erhalten.

Dazu können Training, Hilfsmittel, Medikamentenprüfung, Sehkorrektur, geeignete Schuhe und eine angepasste Umgebung gehören.

Auch gebräuchlich: Sturzprophylaxe

Pflegealltag

Sturzprävention darf Bewegungsfreiheit nicht abschaffen

Sturzprävention kombiniert Maßnahmen, die auf die konkrete Sturzgeschichte und persönliche Ziele zugeschnitten sind. Kraft und Gleichgewicht, Medikamente, Kreislauf, Sehen, Schuhe, Hilfsmittel und Umgebung werden gemeinsam betrachtet. Die beste Lösung erhält möglichst viel sichere Bewegung statt sie zu vermeiden.

Vertiefung

Aus der Sturzgeschichte passende Maßnahmen ableiten

  • Sturzursachen analysieren

    Jeder Sturz liefert Informationen zu Ort, Tätigkeit, Symptomen und Umgebung. Maßnahmen werden aus diesem Muster abgeleitet, nicht aus einer allgemeinen Checkliste allein.

  • Training ermöglichen

    Angepasstes Kraft- und Gleichgewichtstraining kann Sicherheit verbessern. Es benötigt Regelmäßigkeit, passende Anleitung und Berücksichtigung von Schmerz und Erkrankungen.

  • Medikation überprüfen

    Mehrere oder sedierende Arzneimittel, Blutdruckabfall und nächtliche Einnahme können beitragen. Eine strukturierte ärztliche Prüfung ist sinnvoll; selbstständiges Absetzen ist riskant.

  • Umgebung nicht überbereinigen

    Gefahrenquellen werden gezielt verändert, vertraute Orientierung und erreichbare Möbel aber erhalten. Eine leere fremde Umgebung kann Unsicherheit sogar erhöhen.

Eine Maßnahme muss im entscheidenden Moment erreichbar sein

Eine Gehhilfe im Nebenraum oder eine Klingel außerhalb der Reichweite hilft beim nächtlichen Aufstehen nicht. Nach einer Anpassung wird deshalb gemeinsam geprüft, ob der tatsächliche Weg gelingt: Licht einschalten, Hilfsmittel erreichen, Hilfe rufen und Kleidung handhaben. Ein weiterer Beinahe-Sturz ist eine wichtige Rückmeldung und kein Anlass für Vorwürfe. Probleme werden früh nachgebessert; die Person soll aus Angst vor einem neuen Ereignis nicht dauerhaft auf Bewegung verzichten müssen.

Kurz geklärt

Missverständnisse rund um Sturzprävention klären

  • Sind Hüftprotektoren sinnvoll

    Sie können bei ausgewählten Personen das Risiko bestimmter Verletzungen verringern, wenn sie korrekt und regelmäßig getragen werden. Akzeptanz, Passform, Haut und Anziehhilfe bestimmen den tatsächlichen Nutzen.

  • Hilft ein Bettgitter gegen Stürze

    Bettgitter können Freiheitsentzug, Klettern und schwerere Verletzungen begünstigen. Sie sind keine allgemeine Präventionsmaßnahme; individuelle Ursachen und weniger eingreifende Alternativen werden zuerst geprüft.

  • Was ist nach einem Sturz präventiv zu tun

    Neben der Verletzungsabklärung werden Ursache, Angst, Mobilität, Hilfsmittel und Umgebung neu bewertet. Eine pauschale Einschränkung nach dem Ereignis kann Abbau und weitere Stürze fördern.

Quellen

NICE NG249 von 2025 behandelt Sturzprävention bei älteren Menschen und bei Personen ab 50 mit erhöhtem Risiko. Daraus folgt kein einheitliches Übungsprogramm für alle; Maßnahmen werden aus den persönlichen Risikofaktoren abgeleitet.

  1. National Institute for Health and Care Excellence (NICE): NG249: Falls – assessment and prevention, Empfehlungen 2025
  2. Bundesministerium für Gesundheit – gesund.bund.de: Stürze bei älteren Menschen
  3. Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege: Expertenstandards und Auditinstrumente

Quellen- und Prüfstand: 20. September 2026