Aktueller Bereich: Prüfungsfall
CE 11 · Schriftlich

Akute Verwirrtheit: Delir, Demenz und psychische Krise unterscheiden

Akuten Verlauf, mögliche körperliche Ursache und Schutzbedarf priorisieren

  • 45 Minuten
  • Fortgeschritten
  • Ältere Menschen
Ausgangslage

Die Situation

Herr Schubert lebt mit leichter Demenz und wird nach einem Sturz in der Klinik behandelt. In der Nacht zieht er an Zugängen, erkennt den Raum nicht und berichtet von fremden Personen an der Wand. Tagsüber war er deutlich ruhiger. Eine Pflegekraft dokumentiert psychotisch und schlägt vor, ihn möglichst nicht weiter anzusprechen. Die Tochter sagt, so habe sie ihren Vater noch nie erlebt.

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Deine Arbeitsaufträge

Begründe Prioritäten laut oder schriftlich. Öffne den Lösungsweg erst danach.

  1. Begründen Sie die vorrangige Arbeitshypothese ohne Diagnosefestlegung.
  2. Planen Sie Ursachenklärung, Schutz und Beziehungsgestaltung.
  3. Bewerten Sie die Dokumentation psychotisch.
  4. Beschreiben Sie die Rolle der Tochter und die Evaluation.
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CE 11 · Schriftlich · 45 Minuten

Akute Verwirrtheit: Delir, Demenz und psychische Krise unterscheiden

Fall-ID PF-CE11-S · Fortgeschritten · Ältere Menschen

Situation

Herr Schubert lebt mit leichter Demenz und wird nach einem Sturz in der Klinik behandelt. In der Nacht zieht er an Zugängen, erkennt den Raum nicht und berichtet von fremden Personen an der Wand. Tagsüber war er deutlich ruhiger. Eine Pflegekraft dokumentiert psychotisch und schlägt vor, ihn möglichst nicht weiter anzusprechen. Die Tochter sagt, so habe sie ihren Vater noch nie erlebt.

Arbeitsaufträge

  1. Begründen Sie die vorrangige Arbeitshypothese ohne Diagnosefestlegung.
  2. Planen Sie Ursachenklärung, Schutz und Beziehungsgestaltung.
  3. Bewerten Sie die Dokumentation psychotisch.
  4. Beschreiben Sie die Rolle der Tochter und die Evaluation.
Pflegekanzler · Bearbeitungsbogen ohne Musterlösung · Prüfstand 2026-09-01
Beobachtungsanker

Was im Fall nicht verloren gehen darf

  • akuter Beginn
  • fluktuierender Verlauf
  • Aufmerksamkeits- und Orientierungsstörung
  • Wahrnehmungsveränderung
  • körperlicher Auslöser nach Sturz oder Behandlung möglich
Lösungsweg öffnenNicht die eine Musterformulierung, sondern eine fachliche Reihenfolge
  1. Akute Fluktuation wird als Delirverdacht und medizinisch relevante Veränderung behandelt.

    Begründung: Der akute Beginn, die deutliche Fluktuation und die neue Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsveränderung passen vorrangig zu einem Delirverdacht; eine Pflegediagnose oder psychiatrische Festlegung folgt daraus nicht.

  2. Schmerz, Infektion, Ausscheidung, Flüssigkeit, Medikamente, Sauerstoffversorgung und Folgen des Sturzes werden fachlich abgeklärt.

    Begründung: Delir ist häufig durch körperliche oder behandlungsbezogene Faktoren ausgelöst, deshalb müssen reversible Ursachen und Folgen des Sturzes zeitnah interprofessionell geklärt werden.

  3. Reizniveau, Orientierung, Brille oder Hörhilfe und ruhige Beziehung werden angepasst.

    Begründung: Orientierungshilfen und ruhige Beziehung senken vermeidbare Belastung und Isolation, ersetzen aber weder Ursachenklärung noch erforderliche Schutzmaßnahmen.

  4. Die Tochter liefert Ausgangszustand und hilfreiche Gewohnheiten, ersetzt aber nicht die fachliche Einschätzung.

    Begründung: Die Tochter kennt den persönlichen Ausgangszustand und hilfreiche Gewohnheiten; ihre Angaben ergänzen Beobachtung, übertragen ihr aber keine diagnostische oder rechtliche Fachentscheidung.

  5. Beobachtbare Zeichen, Verlauf und Reaktion werden konkret statt etikettierend dokumentiert.

    Begründung: Konkrete Beobachtungen und Zeitverläufe sind für Ursachenklärung und Evaluation brauchbar, während das Etikett psychotisch eine nicht belegte Diagnose suggeriert.

Erwartungshorizont für den Langfall

Begründung und Kompetenz statt bloßer Stichwörter

Die drei Stufen helfen beim qualitativen Selbstabgleich. Sie sind keine Punktzahl und ersetzen keine Bewertung durch qualifizierte Prüfende.

Noch nicht belegt

Prioritäten werden genannt, aber nicht aus Situation, Risiko und Zuständigkeit begründet.

Nachvollziehbar

Die sechs Kriterien werden am Fall angewendet und Sicherheitsfolgen werden plausibel hergeleitet.

Sicher verknüpft

Befunde, Prioritäten, Handlung, Übergabe, Grenzen und Evaluation bilden einen konsistenten Weg.

Warum keine Punkte? Gewichtung und Bestehensentscheidung hängen von konkreter Aufgabe, Schule und Prüfenden ab. Die Fallseite behauptet diese Scheingenauigkeit nicht.

Woran die sechs Kriterien im Fall sichtbar werden

akuten Verlauf gewichtet

Die Antwort nennt akuten Beginn, Nacht-Tag-Fluktuation und Abweichung vom bekannten Ausgangszustand als zentrale Hinweise und formuliert ausdrücklich einen Verdacht.

körperliche Ursachen priorisiert

Schmerz, Infektion, Sauerstoffversorgung, Ausscheidung, Flüssigkeit, Medikamente und Sturzfolgen werden priorisiert an zuständige medizinische Stellen weitergegeben.

Schutz ohne Isolation

Schutz wird durch Präsenz, Umfeldanpassung und situationsbezogene Maßnahmen organisiert; Ansprache oder Kontakt werden nicht pauschal entzogen.

Dokumentation beobachtbar

Die Dokumentation ersetzt psychotisch durch beobachtbare Aussagen zu Orientierung, Verhalten, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Zeitpunkt und Fluktuation.

Angehörigenwissen genutzt

Die Tochter wird gezielt nach Ausgangszustand, neuen Abweichungen und hilfreichen Routinen gefragt, ohne die fachliche Einschätzung an sie abzugeben.

Fluktuation evaluiert

Verlauf und Reaktion werden zu verschiedenen Tageszeiten sowie nach Ursachenbehandlung und orientierenden Maßnahmen erneut nachvollziehbar erfasst.

Fachlich vertretbare Alternativen

  • Ein validiertes Delirscreening kann nach lokaler Regel ergänzen, wenn es von geschulten Personen eingesetzt wird und die medizinische Ursachenklärung nicht verzögert oder ersetzt.
  • Bei unmittelbarer Eigengefährdung dürfen Schutzmaßnahmen vor einzelnen Orientierungsschritten priorisiert werden, müssen aber geeignet, verhältnismäßig und im geltenden Rechtsrahmen begründet sein.
  • Die Übergabe kann mit dem Sturz oder der Wahrnehmungsveränderung beginnen, sofern akuter Verlauf, Fluktuation und mögliche körperliche Auslöser vollständig und ohne Diagnoseetikett folgen.

Beispiel einer strukturierten Übergabe

Situation: Herr Schubert mit bekannter leichter Demenz ist seit der Nacht akut desorientiert, zieht an Zugängen und berichtet von Personen an der Wand; tagsüber war er deutlich ruhiger. Hintergrund: Er wird nach einem Sturz behandelt, und seine Tochter bestätigt, dass dieses Verhalten neu ist; relevante Schmerzen, Medikamente, Ausscheidung, Flüssigkeit und Sauerstoffversorgung werden ergänzt. Einschätzung: Akuter Beginn und Fluktuation begründen vorrangig einen Delirverdacht mit möglicher körperlicher Ursache, nicht die Festlegung psychotisch. Empfehlung: Bitte zeitnah medizinisch beurteilen und Ursachen klären; wir sichern ihn beziehungsorientiert, dokumentieren beobachtbare Zeichen und Verlauf und melden jede Gefährdung oder weitere Veränderung sofort.
Selbstabgleich

Sechs transparente Bewertungsanker

Prüfe, ob dein Weg diese Aspekte erkennbar und situationsbezogen enthält.

  • akuten Verlauf gewichtet
  • körperliche Ursachen priorisiert
  • Schutz ohne Isolation
  • Dokumentation beobachtbar
  • Angehörigenwissen genutzt
  • Fluktuation evaluiert
Typische Denkfallen

Woran eine zunächst plausible Antwort scheitern kann

Halluzination automatisch als primäre Psychose werten

Demenz als ausreichende Erklärung ansehen

Ansprache vermeiden und damit Orientierung weiter reduzieren

Transferfrage

Wie kann ein ambulanter Dienst Veränderungen erkennen, wenn er den persönlichen Ausgangszustand nur aus kurzen Besuchen kennt?

Übertrage nicht nur die Maßnahme. Prüfe, welche Informationen, Rollen und Risiken sich im neuen Kontext verändern.

Einordnung

Redaktioneller Trainingsfall · Prüfstand 2026-09-01. Der Fall ersetzt keine praktische Einweisung, Kompetenzfreigabe oder verbindliche Prüfungsaufgabe.