Expertenstandards-Cockpit · Qualitätsausschuss Pflege

Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege

Dieses Cockpit übersetzt Mobilitätsförderung in einen personenzentrierten Pflegeprozess: Bewegungsfähigkeiten und Einflussfaktoren differenziert einschätzen, persönlich bedeutsame Ziele vereinbaren, Bewegung in alltägliche Handlungen integrieren, geeignete Unterstützung koordinieren und Mobilität, Teilhabe, Sicherheit sowie Akzeptanz gemeinsam evaluieren.

FassungAktualisierung 2020Offizieller StandAktuelle Fassung beim QualitätsausschussGeprüft31. August 2026
Eine leichte kinetische Skulptur aus beweglichen Bögen, Stufen und Gelenken steht für vielfältige, selbstbestimmte Bewegung im Alltag.
KI-generierte IllustrationMobilität ist kein einzelnes Training, sondern ein bewegliches Zusammenspiel aus Fähigkeit, Gelegenheit, Unterstützung und eigenem Ziel.
Mobilität verstehenFähigkeit, Ziel und Einflussfaktoren verbinden

Bewegungsbereiche und reale Alltagsbarrieren differenziert einordnen.

Bewegung ermöglichenAlltag, Übung und Hilfsmittel abstimmen

Ambulante, stationäre und familiäre Umsetzung konkret planen.

Wirkung prüfenMobilität und System gemeinsam auditieren

Fall, Kompetenz und Organisation auf selbstbestimmte Bewegung ausrichten.

Das Wichtigste in Kürze

Woran wirksame Erhaltung und Förderung der Mobilität erkennbar wird

Selbstbestimmte Bewegung ermöglichen

Vier Bereiche bestimmen die reale Mobilität im Alltag

Mobilität umfasst Lagewechsel, Aufstehen, Sitzen, Stehen, Gehen, Transfers und Fortbewegung mit Hilfsmitteln. Körperliche Fähigkeit, Motivation, Symptome, Umgebung und verfügbare Unterstützung wirken dabei zusammen.

Bewegungsfähigkeiten

Lagewechsel, Sitzen, Aufstehen, Transfer, Stehen, Gehen, Treppen und Hilfsmittelnutzung werden einzeln beobachtet statt zu einem Gesamturteil verdichtet.

Gesundheit und Symptome

Kraft, Gleichgewicht, Schmerz, Atemnot, Kreislauf, neurologische Einschränkung, Fatigue und Medikamente beeinflussen Belastbarkeit und Sicherheit.

Motivation und Bedeutung

Persönliche Ziele, Gewohnheiten, Angst, Stimmung, Kognition und subjektiver Sinn entscheiden, ob Bewegung angenommen und wiederholt wird.

Umwelt und Unterstützung

Platz, Boden, Möbel, Schuhe, Hilfsmittel, Zeit, Anleitung und verfügbare Personen schaffen Gelegenheit oder unnötige Abhängigkeit.

Geschlossener Pflegeprozess

Fünf Schritte von der differenzierten Einschätzung zur bewegten Lernschleife

Die Darstellung ist eine redaktionelle Übersetzung der aktuellen Standardlogik. Sie ersetzt nicht die Originalveröffentlichung.

  1. 01

    Mobilität differenziert einschätzen

    Welche Bewegungen gelingen selbstständig, mit Hilfe oder derzeit nicht – und warum?

    Die Pflegefachkraft beobachtet relevante Alltagshandlungen, fragt Ziele und Beschwerden und klärt gesundheitliche, kognitive und umgebungsbezogene Einflussfaktoren.

  2. 02

    Persönliche Mobilitätsziele vereinbaren

    Welche Bewegung ermöglicht der Person mehr Selbstständigkeit, Wohlbefinden oder Teilhabe?

    Ziele werden alltagsnah formuliert und nach Bedeutung priorisiert. Unterstützung, Übungsgelegenheiten, Hilfsmittel und interprofessionelle Beiträge werden abgestimmt.

  3. 03

    Informieren, anleiten und Sicherheit klären

    Versteht die Person Bewegungsweg, Hilfsmittel und eigene Einflussmöglichkeiten?

    Bewegungsabläufe werden praktisch erprobt, Ängste und Präferenzen besprochen und Angehörige oder Teammitglieder einheitlich angeleitet.

  4. 04

    Bewegung im Alltag wiederholt ermöglichen

    Erhält die Person ausreichend passende Gelegenheiten, selbst aktiv zu werden?

    Lagewechsel, Aufstehen, Transfers, Wege und Tätigkeiten werden ressourcenfördernd begleitet. Hilfe wird an Tagesform angepasst und nicht vorschnell vollständig übernommen.

  5. 05

    Mobilität und Wirkung evaluieren

    Bleibt oder verbessert sich bedeutsame Mobilität ohne unzumutbare Belastung?

    Bewegungsfähigkeit, Zielerreichung, Wohlbefinden, Sicherheit, Stürze, Schmerz und Akzeptanz werden bewertet. Bei Veränderung wird erneut differenziert eingeschätzt.

Maßnahmen passend kombinieren

Alltagsbewegung ermöglichen, Fähigkeiten üben, Barrieren abbauen

Wirksame Mobilitätsförderung wird in echte Tagesabläufe integriert und an Ziel, Tagesform und Sicherheit angepasst. Pauschale Aktivierung, Überforderung oder vorsorgliche Immobilisierung verfehlen den personenzentrierten Ansatz.

Eigenaktivität bei Pflegehandlungen nutzen

Drehen, Aufsetzen, Ankleiden, Toilettengang und Körperpflege werden so begleitet, dass vorhandene Bewegung nicht abgenommen wird.

Aufstehen und Transfers fördern

Höhe, Fußposition, Griffmöglichkeit, Tempo und Hilfestellung werden individuell angepasst und regelmäßig geübt.

Bedeutsame Wege ermöglichen

Bewegung erhält ein persönliches Ziel wie Balkon, Speisesaal, Briefkasten oder gemeinsames Tun statt nur abstrakte Übungsstrecken.

Hilfsmittel passend einsetzen

Rollator, Stock, Rollstuhl, Transfer- oder Aufstehhilfe werden eingestellt, erreichbar platziert und in sicherer Anwendung trainiert.

Schmerz, Angst und Belastbarkeit bearbeiten

Zeitpunkt, Pausen, Analgesie, Atemökonomie, Motivation und therapeutische Unterstützung werden auf hindernde Faktoren abgestimmt.

Umgebung bewegungsfreundlich gestalten

Ausreichend Platz, passende Möbel, Beleuchtung, sichere Schuhe, erreichbare Ziele und Gelegenheit zur spontanen Bewegung reduzieren Barrieren.

Ein Standard, drei klar begrenzte Perspektiven

Was sich ambulant, stationär und für Angehörige unterscheidet

Die fachliche Zielsetzung bleibt gemeinsam. Verantwortung, Beobachtungszeit, Umfeld und umsetzbare nächste Schritte sind es nicht.

Ambulante Fachpraxis

Kurze Besuche müssen Bewegung zwischen den Einsätzen ermöglichen

  • Reale Wege, Möbel, Treppen, Bad, Hilfsmittel und alltägliche Ziele zuhause einschätzen.
  • Bei jeder geeigneten Pflegehandlung Eigenaktivität ermöglichen und nicht aus Zeitdruck vollständig übernehmen.
  • Wenige sichere Übungen oder Alltagswege so anleiten, dass sie selbstständig oder mit verfügbarer Hilfe wiederholt werden können.
  • Therapie, Hilfsmittelversorgung und ärztliche Belastungsgrenzen mit klarer Rückmeldung koordinieren.
  • Grenze: Angehörige werden nicht als jederzeit sichere Transferhilfe vorausgesetzt und sollen keine riskanten Hebemanöver übernehmen.
Stationäre Fachpraxis

Mobilität braucht Gelegenheiten in jeder Schicht

  • Fähigkeiten, Ziele, Hilfsmittel und sichere Hilfestellung in Planung und Übergabe konkret beschreiben.
  • Aufstehen, Toilettengang, Mahlzeiten, Aktivitäten und Wege als wiederkehrende Bewegungsgelegenheiten nutzen.
  • Pflege, Betreuung und Therapie so abstimmen, dass Belastung dosiert und nicht doppelt oder widersprüchlich geplant wird.
  • Immobilitätszeiten, vollständig übernommene Transfers und nicht erreichbare Hilfsmittel als Systemhinweise auswerten.
  • Grenze: Der Rollstuhl ist ein Mobilitätshilfsmittel, aber kein dauerhafter Aufbewahrungsort ohne Lagewechsel und eigene Bewegung.
Private Angehörige

Alltagsbewegung unterstützen, ohne zu ziehen oder zu drängen

  • Mit der Person bedeutsame kurze Wege oder Tätigkeiten auswählen und Tagesform sowie Pausen respektieren.
  • Hilfsmittel erreichbar und richtig eingestellt halten und feste Stolperbarrieren beseitigen.
  • Beim Aufstehen Zeit geben, sichere Anleitung nutzen und nicht an Armen oder Kleidung hochziehen.
  • Plötzlich neue Schwäche, Lähmung, starke Schmerzen, Atemnot oder Bewegungsunfähigkeit sofort fachlich abklären.
  • Grenze: Bewegung nicht erzwingen und riskante Transfers nicht allein versuchen; professionelle Anleitung und Entlastung organisieren.
Verantwortung sichtbar machen

Wer trägt welchen Teil – und woran ist das erkennbar?

RolleVerantwortungNachvollziehbarer Nachweis
PflegefachkraftMobilität differenziert einschätzen, Ziele und Prozess steuern, anleiten und Wirkung evaluieren.Funktionsbezogene Einschätzung, Personenziel, Plan, Verlauf und Anpassung.
Pflege- und AssistenzteamEigenaktivität im Alltag ermöglichen, sicher unterstützen und Veränderungen melden.Bekannte Hilfestellung, Bewegungsgelegenheiten, Beobachtung und Rückmeldung.
Therapeutische und ärztliche PartnerDiagnostik, Belastungsgrenzen, Therapie und spezifisches Bewegungstraining beitragen.Befund, Empfehlung, Trainingsziel und abgestimmter Rücklauf in den Alltag.
Betroffene Person und AngehörigeBedeutsame Ziele, Tagesform, Beschwerden und Präferenzen einbringen und sichere Schritte erproben.Beteiligung, praktische Erprobung, Rückmeldung und respektierte Grenzen.
Leitung und QualitätsverantwortlicheZeit, Umgebung, Hilfsmittel, Kompetenz und Auditlernen strukturell ermöglichen.Ressourcen, Verfahren, Schulung, Auditbefunde und konkrete Verbesserung.
Audit als Qualitätsgespräch

Drei Ebenen gemeinsam prüfen

Die Prüffragen sind eine vorbereitende Orientierung in eigener Sprache. Für ein formales Audit gelten die aktuellen DNQP-Instrumente.

FallbezogenKommt selbstbestimmte Mobilitätsförderung bei der Person an?
PersonalbezogenKann das Team Eigenaktivität sicher fördern?
EinrichtungsbezogenSchafft die Organisation echte Bewegungsgelegenheiten?

Noch keine Prüfpunkte markiert.

Von Papier zu Praxis

Einführung in sechs beherrschbaren Schritten

Das Modell hält den Umbau klein genug zum Lernen und verbindlich genug zum Nachhalten.

  1. 01

    Mobilitätswirklichkeit kartieren

    Aufstehen, Transfers, Wege, Liege- und Sitzzeiten sowie heutige Hilfestellung anhand realer Tagesabläufe erfassen.

  2. 02

    Fähigkeiten differenziert beschreiben

    Pauschale Angaben wie mobil oder immobil durch konkrete Bewegungsbereiche, Hilfe und Einflussfaktoren ersetzen.

  3. 03

    Personenziele in den Alltag bringen

    Bedeutsame Wege und Tätigkeiten mit festen Gelegenheiten, Zuständigkeit und Hilfsmitteln verbinden.

  4. 04

    Hilfestellung praktisch trainieren

    Aufstehen, Transfer, Rollator, Rollstuhl und Umgang mit Angst oder Schmerz am Fall üben.

  5. 05

    Einen Tagesabschnitt pilotieren

    Bewegungsgelegenheiten, Eigenaktivität und Belastung in einer Schicht oder Tour systematisch erproben.

  6. 06

    Mobilität und Struktur auditieren

    Personergebnis, Teamkompetenz und Umgebungsbarrieren verbinden, Verbesserung umsetzen und erneut prüfen.

Häufige Kurzschlüsse

Was der Standard nicht sagt

Ist Mobilitätsförderung dasselbe wie Sturzprophylaxe?

Nein. Beide beeinflussen sich, aber Mobilitätsförderung fokussiert Erhaltung, Entwicklung und Nutzung von Bewegungsfähigkeiten; Sturzprophylaxe bearbeitet individuell ein Sturzrisiko.

Reicht eine wöchentliche Gymnastikgruppe?

Nein. Gezielte Angebote können ergänzen, aber Mobilität muss wiederholt in alltäglichen Handlungen ermöglicht werden.

Ist vollständige Übernahme sicherer als Eigenaktivität?

Nicht pauschal. Sie kann Fähigkeiten abbauen und Abhängigkeit verstärken; Unterstützung wird an Risiko, Fähigkeit und Ziel angepasst.

Ist der Mobilitätsstandard ein DNQP-Standard?

Er wurde ursprünglich im gesetzlichen Auftrag entwickelt, wird aktuell aber beim Qualitätsausschuss Pflege bereitgestellt und im Cockpit deshalb ausdrücklich getrennt ausgewiesen.

Originale und Prüfstand

Quellen und redaktionelle Einordnung

Der Pflegekanzler erläutert und operationalisiert den Standard in eigener Sprache. Der vollständige, urheberrechtlich geschützte Standardtext, Kommentierungen und formale Auditinstrumente bleiben beim Herausgeber.

  1. Vollständige HerausgeberfassungGeschäftsstelle Qualitätsausschuss PflegeExpertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege – Aktualisierung 2020
  2. HerausgeberseiteGeschäftsstelle Qualitätsausschuss PflegeExpertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege, Aktualisierung 2020
  3. LiteraturanalyseGeschäftsstelle Qualitätsausschuss PflegeLiteraturanalyse zur Aktualisierung des Expertenstandards Mobilität
  4. BegleitforschungGeschäftsstelle Qualitätsausschuss PflegeBegleitforschung zum aktualisierten Expertenstandard Mobilität – Abschlussbericht 2024
  5. GesetzBundesministerium der Justiz und Bundesamt für JustizSGB XI: Qualitätsverantwortung und Qualitätssicherung