Medikation & Notfall

Diabetischer Notfall

Ein diabetischer Notfall entsteht durch eine schwere Unterzuckerung oder ausgeprägte Überzuckerung mit Störung von Bewusstsein, Kreislauf, Atmung oder Flüssigkeitshaushalt.

Symptome können bei älteren Menschen, Kindern oder Betroffenen unter bestimmten Medikamenten untypisch sein; Messwert und klinischer Zustand werden gemeinsam bewertet.

Auch gebräuchlich: schwere Unterzuckerung, diabetische Entgleisung

Unterzuckerung und Überzuckerung brauchen unterschiedliche Maßnahmen

Schwitzen, Zittern, Hunger, Verwirrtheit oder auffälliges Verhalten können auf Unterzuckerung hinweisen. Bei schwerer Überzuckerung können starker Durst, häufiges Wasserlassen, Austrocknung und Müdigkeit auftreten. Erbrechen, Bauchschmerz oder auffällig tiefe Atmung können eine Ketoazidose anzeigen. Unter bestimmten Medikamenten, den SGLT2-Hemmern, muss der Glukosewert dafür nicht stark erhöht sein. Messwert und Zustand werden deshalb gemeinsam bewertet.

Bei Unterzuckerung nur einer wachen, sicher schluckenden Person Zucker geben

Eine wache erwachsene Person kann nach ihrem Plan rasch wirksame Kohlenhydrate erhalten; häufig sind zunächst 15 bis 20 Gramm und eine Kontrolle nach etwa 15 Minuten vorgesehen. Für Kinder und bestimmte technische Therapiesysteme gelten angepasste Pläne. Bei unsicherem Schlucken, Krampfen oder Bewusstlosigkeit nichts in den Mund geben. Sofort 112 rufen und ein verordnetes Glukagon-Notfallmittel nur nach Einweisung anwenden. Insulin wird bei unklarer Ursache nicht auf Verdacht zusätzlich gespritzt.

Quellen

diabinfo unterscheidet Unter- und Überzuckerungsnotfälle. BfArM ergänzt, dass unter SGLT2-Hemmern eine Ketoazidose auch ohne sehr hohe Glukosewerte auftreten kann. Ein individueller Notfallplan ist besonders bei Kindern und automatisierter Insulinabgabe wichtig.

  1. diabinfo – Helmholtz Munich, Deutsches Diabetes-Zentrum und Deutsches Zentrum für Diabetesforschung: Diabetes-Notfall: So handeln Sie richtig
  2. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): SGLT2-Inhibitoren: Hinweise zum Risiko einer diabetischen Ketoazidose
  3. Deutscher Rat für Wiederbelebung: Reanimationsleitlinien 2025

Quellen- und Prüfstand: 20. September 2026