Palliative Atemnot: Symptom, Angst und Versorgungsziel zusammenführen
Belastende Symptome personenzentriert einschätzen und im vereinbarten Versorgungsziel handeln
- 45 Minuten
- Fortgeschritten
- Erwachsene
Die Situation
Herr Petersen lebt mit fortgeschrittener Lungenerkrankung und einem palliativen Behandlungsziel zu Hause. Abends nimmt die Atemnot deutlich zu. Seine Partnerin möchte sofort den Rettungsdienst rufen; Herr Petersen sagt zwischen kurzen Sätzen, er wolle möglichst nicht mehr ins Krankenhaus. Ein Bedarfsplan liegt vor, die Partnerin ist aber unsicher, wann sie welche Hilfe anrufen darf. Der ambulante Pflegedienst trifft während der Episode ein.
Deine Arbeitsaufträge
Begründe Prioritäten laut oder schriftlich. Öffne den Lösungsweg erst danach.
- Priorisieren Sie unmittelbare pflegerische Aufgaben.
- Beziehen Sie Willen, Einwilligungsfähigkeit und vorhandene Vorausplanung ein.
- Planen Sie Kommunikation mit Partnerin und Versorgungsteam.
- Beschreiben Sie Evaluation und Grenzen häuslicher Versorgung.
Fall als Arbeitsblatt
Der Druckbogen enthält Situation und Arbeitsaufträge, aber weder Lösung noch Erwartungshorizont. Es wird nichts gespeichert oder übertragen.
Palliative Atemnot: Symptom, Angst und Versorgungsziel zusammenführen
Fall-ID PF-CE08-S · Fortgeschritten · Erwachsene
Situation
Herr Petersen lebt mit fortgeschrittener Lungenerkrankung und einem palliativen Behandlungsziel zu Hause. Abends nimmt die Atemnot deutlich zu. Seine Partnerin möchte sofort den Rettungsdienst rufen; Herr Petersen sagt zwischen kurzen Sätzen, er wolle möglichst nicht mehr ins Krankenhaus. Ein Bedarfsplan liegt vor, die Partnerin ist aber unsicher, wann sie welche Hilfe anrufen darf. Der ambulante Pflegedienst trifft während der Episode ein.
Arbeitsaufträge
- Priorisieren Sie unmittelbare pflegerische Aufgaben.
- Beziehen Sie Willen, Einwilligungsfähigkeit und vorhandene Vorausplanung ein.
- Planen Sie Kommunikation mit Partnerin und Versorgungsteam.
- Beschreiben Sie Evaluation und Grenzen häuslicher Versorgung.
Was im Fall nicht verloren gehen darf
- Akut belastende Atemnot
- bekanntes palliatives Ziel
- geäußerter Wunsch gegen Krankenhauseinweisung
- Unsicherheit der Partnerin
- vorhandener Bedarfs- und Hilfeplan muss geprüft werden
Lösungsweg öffnenNicht die eine Musterformulierung, sondern eine fachliche Reihenfolge
- Herr Petersen wird nicht allein gelassen; Belastung, Bewusstsein, Atmung und vereinbarte Warnzeichen werden eingeschätzt.
Begründung: Schwere Atemnot kann sich rasch verändern; zugleich braucht Herr Petersen ruhige Präsenz, damit Belastung, Entscheidungsfähigkeit und vereinbarte Warnzeichen überhaupt verlässlich eingeschätzt werden können.
- Nichtmedikamentöse Erleichterung und eindeutig angeordnete Bedarfsmaßnahmen werden im Kompetenzrahmen umgesetzt.
Begründung: Atemerleichternde Position, Reizreduktion und gültig angeordnete Bedarfsmaßnahmen können parallel lindern, ohne eigenmächtig Dosierung oder Behandlungsziel zu verändern.
- Sein aktuell geäußerter Wille und vorhandene Planungen werden beachtet, ohne akute Gefährdung zu bagatellisieren.
Begründung: Ein palliativer Wunsch gegen Krankenhauseinweisung ist relevant, bedeutet aber nicht automatisch Verzicht auf jede Akuthilfe; aktueller Wille, Einwilligungsfähigkeit und konkrete Vorausplanung werden zusammen geprüft.
- Palliativdienst beziehungsweise ärztlicher Bereitschafts- oder Notfallweg wird entsprechend Plan und Zustand aktiviert.
Begründung: Der Hilfeweg richtet sich nach Symptomschwere, Krisenplan und erreichbarem Palliativnetz; bei Lebensgefahr bleibt eine sofortige medizinische Eskalation erforderlich.
- Partnerin erhält klare Aufgaben, Erreichbarkeiten und Nachbesprechung; Wirkung wird eng überprüft.
Begründung: Die Partnerin braucht eine begrenzte, umsetzbare Aufgabe und klare Kontakte, während Wirkung, Nebenwirkungen und erneute Entscheidungsfähigkeit zeitnah überprüft werden.
Begründung und Kompetenz statt bloßer Stichwörter
Die drei Stufen helfen beim qualitativen Selbstabgleich. Sie sind keine Punktzahl und ersetzen keine Bewertung durch qualifizierte Prüfende.
Prioritäten werden genannt, aber nicht aus Situation, Risiko und Zuständigkeit begründet.
Die sechs Kriterien werden am Fall angewendet und Sicherheitsfolgen werden plausibel hergeleitet.
Befunde, Prioritäten, Handlung, Übergabe, Grenzen und Evaluation bilden einen konsistenten Weg.
Warum keine Punkte? Gewichtung und Bestehensentscheidung hängen von konkreter Aufgabe, Schule und Prüfenden ab. Die Fallseite behauptet diese Scheingenauigkeit nicht.
Woran die sechs Kriterien im Fall sichtbar werden
Belastung, Bewusstsein, Sprechfähigkeit, Atemarbeit und vereinbarte Warnzeichen werden vor nachgeordneten organisatorischen Fragen priorisiert.
Der aktuelle Wille wird direkt bei Herrn Petersen erhoben und mit Einwilligungsfähigkeit, Vorausplanung und akuter Situation nachvollziehbar verbunden.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen und verordnete Bedarfsmedikation bleiben innerhalb von Anordnung, Kompetenz und dokumentiertem Krisenplan.
Palliativdienst, ärztlicher Bereitschaftsdienst oder Notfallweg werden situationsbezogen gewählt und mit einer klaren Eskalationsschwelle benannt.
Die Partnerin erhält Information, emotionale Entlastung und eine konkrete Aufgabe, übernimmt aber weder Medikations- noch Einwilligungsentscheidung für Herrn Petersen.
Symptomlast, Wirkung, Nebenwirkungen, Wunsch und weiterer Hilfeweg werden nach festgelegter kurzer Zeit erneut gemeinsam bewertet.
Fachlich vertretbare Alternativen
- Wenn ein verbindlicher SAPV-Krisenplan einen sofort erreichbaren palliativmedizinischen Kontakt vorsieht, kann dieser zuerst aktiviert werden, sofern keine Lebensgefahr unbeantwortet bleibt.
- Eine Klinikeinweisung kann trotz ursprünglichem Wunsch vertretbar werden, wenn Herr Petersen sie aktuell einwilligungsfähig wünscht oder die Gefährdung anders nicht sicher beherrschbar ist.
- Die Partnerin kann Beobachtung oder Telefonkontakt übernehmen, während die Pflegefachperson bei Herrn Petersen bleibt, sofern Aufgabe, Rückmeldung und Überforderung klar begrenzt sind.
Beispiel einer strukturierten Übergabe
Situation: Herr Petersen hat bei fortgeschrittener Lungenerkrankung seit heute Abend deutlich stärkere Atemnot und kann nur in kurzen Sätzen sprechen. Hintergrund: Es besteht ein palliatives Behandlungsziel mit Bedarfs- und Hilfeplan; er äußert aktuell den Wunsch, möglichst nicht ins Krankenhaus zu gehen, seine Partnerin ist stark verunsichert. Einschätzung: Bewusstsein, Atemarbeit, vereinbarte Warnzeichen, bisherige Maßnahmen und aktuelle Entscheidungsfähigkeit werden konkret berichtet. Empfehlung: Bitte den vorgesehenen palliativmedizinischen Akutkontakt jetzt übernehmen und die nächsten Maßnahmen bestätigen; bei nicht beherrschbarer Verschlechterung oder Lebensgefahr aktivieren wir sofort den Notfallweg und überprüfen mit Herrn Petersen erneut das Versorgungsziel.
Sechs transparente Bewertungsanker
Prüfe, ob dein Weg diese Aspekte erkennbar und situationsbezogen enthält.
- Symptomlast priorisiert
- Willen differenziert einbezogen
- Anordnungsgrenzen gewahrt
- Hilfenetz aktiviert
- Angehörige unterstützt
- Wirkung evaluiert
Woran eine zunächst plausible Antwort scheitern kann
palliatives Ziel mit Nichtstun gleichsetzen
Krankenhauswunsch nur mit der Partnerin klären
Bedarfsmedikation ohne gültige Anordnung verändern
Welche Informationen müssen bei einer stationären Aufnahme übermittelt werden, wenn Herr Petersen seine Entscheidung später ändert?
Übertrage nicht nur die Maßnahme. Prüfe, welche Informationen, Rollen und Risiken sich im neuen Kontext verändern.
Einordnung
- § 14 PflAPrV – Schriftlicher Teil der PrüfungBundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz · geprüft am 2026-08-30
- Anlage 2 PflAPrV – Kompetenzen für die staatliche PrüfungBundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz · geprüft am 2026-08-30
- Rahmenpläne der Fachkommission nach § 53 PflBGBundesinstitut für Berufsbildung · geprüft am 2026-08-30
Redaktioneller Trainingsfall · Prüfstand 2026-09-01. Der Fall ersetzt keine praktische Einweisung, Kompetenzfreigabe oder verbindliche Prüfungsaufgabe.