Aktueller Bereich: Prüfungsfall
CE 08 · Schriftlich

Palliative Atemnot: Symptom, Angst und Versorgungsziel zusammenführen

Belastende Symptome personenzentriert einschätzen und im vereinbarten Versorgungsziel handeln

  • 45 Minuten
  • Fortgeschritten
  • Erwachsene
Ausgangslage

Die Situation

Herr Petersen lebt mit fortgeschrittener Lungenerkrankung und einem palliativen Behandlungsziel zu Hause. Abends nimmt die Atemnot deutlich zu. Seine Partnerin möchte sofort den Rettungsdienst rufen; Herr Petersen sagt zwischen kurzen Sätzen, er wolle möglichst nicht mehr ins Krankenhaus. Ein Bedarfsplan liegt vor, die Partnerin ist aber unsicher, wann sie welche Hilfe anrufen darf. Der ambulante Pflegedienst trifft während der Episode ein.

Zuerst selbst bearbeiten

Deine Arbeitsaufträge

Begründe Prioritäten laut oder schriftlich. Öffne den Lösungsweg erst danach.

  1. Priorisieren Sie unmittelbare pflegerische Aufgaben.
  2. Beziehen Sie Willen, Einwilligungsfähigkeit und vorhandene Vorausplanung ein.
  3. Planen Sie Kommunikation mit Partnerin und Versorgungsteam.
  4. Beschreiben Sie Evaluation und Grenzen häuslicher Versorgung.
Ohne Lösung bearbeiten

Der Druckbogen enthält Situation und Arbeitsaufträge, aber weder Lösung noch Erwartungshorizont. Es wird nichts gespeichert oder übertragen.

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CE 08 · Schriftlich · 45 Minuten

Palliative Atemnot: Symptom, Angst und Versorgungsziel zusammenführen

Fall-ID PF-CE08-S · Fortgeschritten · Erwachsene

Situation

Herr Petersen lebt mit fortgeschrittener Lungenerkrankung und einem palliativen Behandlungsziel zu Hause. Abends nimmt die Atemnot deutlich zu. Seine Partnerin möchte sofort den Rettungsdienst rufen; Herr Petersen sagt zwischen kurzen Sätzen, er wolle möglichst nicht mehr ins Krankenhaus. Ein Bedarfsplan liegt vor, die Partnerin ist aber unsicher, wann sie welche Hilfe anrufen darf. Der ambulante Pflegedienst trifft während der Episode ein.

Arbeitsaufträge

  1. Priorisieren Sie unmittelbare pflegerische Aufgaben.
  2. Beziehen Sie Willen, Einwilligungsfähigkeit und vorhandene Vorausplanung ein.
  3. Planen Sie Kommunikation mit Partnerin und Versorgungsteam.
  4. Beschreiben Sie Evaluation und Grenzen häuslicher Versorgung.
Pflegekanzler · Bearbeitungsbogen ohne Musterlösung · Prüfstand 2026-09-01
Beobachtungsanker

Was im Fall nicht verloren gehen darf

  • Akut belastende Atemnot
  • bekanntes palliatives Ziel
  • geäußerter Wunsch gegen Krankenhauseinweisung
  • Unsicherheit der Partnerin
  • vorhandener Bedarfs- und Hilfeplan muss geprüft werden
Lösungsweg öffnenNicht die eine Musterformulierung, sondern eine fachliche Reihenfolge
  1. Herr Petersen wird nicht allein gelassen; Belastung, Bewusstsein, Atmung und vereinbarte Warnzeichen werden eingeschätzt.

    Begründung: Schwere Atemnot kann sich rasch verändern; zugleich braucht Herr Petersen ruhige Präsenz, damit Belastung, Entscheidungsfähigkeit und vereinbarte Warnzeichen überhaupt verlässlich eingeschätzt werden können.

  2. Nichtmedikamentöse Erleichterung und eindeutig angeordnete Bedarfsmaßnahmen werden im Kompetenzrahmen umgesetzt.

    Begründung: Atemerleichternde Position, Reizreduktion und gültig angeordnete Bedarfsmaßnahmen können parallel lindern, ohne eigenmächtig Dosierung oder Behandlungsziel zu verändern.

  3. Sein aktuell geäußerter Wille und vorhandene Planungen werden beachtet, ohne akute Gefährdung zu bagatellisieren.

    Begründung: Ein palliativer Wunsch gegen Krankenhauseinweisung ist relevant, bedeutet aber nicht automatisch Verzicht auf jede Akuthilfe; aktueller Wille, Einwilligungsfähigkeit und konkrete Vorausplanung werden zusammen geprüft.

  4. Palliativdienst beziehungsweise ärztlicher Bereitschafts- oder Notfallweg wird entsprechend Plan und Zustand aktiviert.

    Begründung: Der Hilfeweg richtet sich nach Symptomschwere, Krisenplan und erreichbarem Palliativnetz; bei Lebensgefahr bleibt eine sofortige medizinische Eskalation erforderlich.

  5. Partnerin erhält klare Aufgaben, Erreichbarkeiten und Nachbesprechung; Wirkung wird eng überprüft.

    Begründung: Die Partnerin braucht eine begrenzte, umsetzbare Aufgabe und klare Kontakte, während Wirkung, Nebenwirkungen und erneute Entscheidungsfähigkeit zeitnah überprüft werden.

Erwartungshorizont für den Langfall

Begründung und Kompetenz statt bloßer Stichwörter

Die drei Stufen helfen beim qualitativen Selbstabgleich. Sie sind keine Punktzahl und ersetzen keine Bewertung durch qualifizierte Prüfende.

Noch nicht belegt

Prioritäten werden genannt, aber nicht aus Situation, Risiko und Zuständigkeit begründet.

Nachvollziehbar

Die sechs Kriterien werden am Fall angewendet und Sicherheitsfolgen werden plausibel hergeleitet.

Sicher verknüpft

Befunde, Prioritäten, Handlung, Übergabe, Grenzen und Evaluation bilden einen konsistenten Weg.

Warum keine Punkte? Gewichtung und Bestehensentscheidung hängen von konkreter Aufgabe, Schule und Prüfenden ab. Die Fallseite behauptet diese Scheingenauigkeit nicht.

Woran die sechs Kriterien im Fall sichtbar werden

Symptomlast priorisiert

Belastung, Bewusstsein, Sprechfähigkeit, Atemarbeit und vereinbarte Warnzeichen werden vor nachgeordneten organisatorischen Fragen priorisiert.

Willen differenziert einbezogen

Der aktuelle Wille wird direkt bei Herrn Petersen erhoben und mit Einwilligungsfähigkeit, Vorausplanung und akuter Situation nachvollziehbar verbunden.

Anordnungsgrenzen gewahrt

Nichtmedikamentöse Maßnahmen und verordnete Bedarfsmedikation bleiben innerhalb von Anordnung, Kompetenz und dokumentiertem Krisenplan.

Hilfenetz aktiviert

Palliativdienst, ärztlicher Bereitschaftsdienst oder Notfallweg werden situationsbezogen gewählt und mit einer klaren Eskalationsschwelle benannt.

Angehörige unterstützt

Die Partnerin erhält Information, emotionale Entlastung und eine konkrete Aufgabe, übernimmt aber weder Medikations- noch Einwilligungsentscheidung für Herrn Petersen.

Wirkung evaluiert

Symptomlast, Wirkung, Nebenwirkungen, Wunsch und weiterer Hilfeweg werden nach festgelegter kurzer Zeit erneut gemeinsam bewertet.

Fachlich vertretbare Alternativen

  • Wenn ein verbindlicher SAPV-Krisenplan einen sofort erreichbaren palliativmedizinischen Kontakt vorsieht, kann dieser zuerst aktiviert werden, sofern keine Lebensgefahr unbeantwortet bleibt.
  • Eine Klinikeinweisung kann trotz ursprünglichem Wunsch vertretbar werden, wenn Herr Petersen sie aktuell einwilligungsfähig wünscht oder die Gefährdung anders nicht sicher beherrschbar ist.
  • Die Partnerin kann Beobachtung oder Telefonkontakt übernehmen, während die Pflegefachperson bei Herrn Petersen bleibt, sofern Aufgabe, Rückmeldung und Überforderung klar begrenzt sind.

Beispiel einer strukturierten Übergabe

Situation: Herr Petersen hat bei fortgeschrittener Lungenerkrankung seit heute Abend deutlich stärkere Atemnot und kann nur in kurzen Sätzen sprechen. Hintergrund: Es besteht ein palliatives Behandlungsziel mit Bedarfs- und Hilfeplan; er äußert aktuell den Wunsch, möglichst nicht ins Krankenhaus zu gehen, seine Partnerin ist stark verunsichert. Einschätzung: Bewusstsein, Atemarbeit, vereinbarte Warnzeichen, bisherige Maßnahmen und aktuelle Entscheidungsfähigkeit werden konkret berichtet. Empfehlung: Bitte den vorgesehenen palliativmedizinischen Akutkontakt jetzt übernehmen und die nächsten Maßnahmen bestätigen; bei nicht beherrschbarer Verschlechterung oder Lebensgefahr aktivieren wir sofort den Notfallweg und überprüfen mit Herrn Petersen erneut das Versorgungsziel.
Selbstabgleich

Sechs transparente Bewertungsanker

Prüfe, ob dein Weg diese Aspekte erkennbar und situationsbezogen enthält.

  • Symptomlast priorisiert
  • Willen differenziert einbezogen
  • Anordnungsgrenzen gewahrt
  • Hilfenetz aktiviert
  • Angehörige unterstützt
  • Wirkung evaluiert
Typische Denkfallen

Woran eine zunächst plausible Antwort scheitern kann

palliatives Ziel mit Nichtstun gleichsetzen

Krankenhauswunsch nur mit der Partnerin klären

Bedarfsmedikation ohne gültige Anordnung verändern

Transferfrage

Welche Informationen müssen bei einer stationären Aufnahme übermittelt werden, wenn Herr Petersen seine Entscheidung später ändert?

Übertrage nicht nur die Maßnahme. Prüfe, welche Informationen, Rollen und Risiken sich im neuen Kontext verändern.

Einordnung

Redaktioneller Trainingsfall · Prüfstand 2026-09-01. Der Fall ersetzt keine praktische Einweisung, Kompetenzfreigabe oder verbindliche Prüfungsaufgabe.