Intimität im Pflegeheim: Rechte schützen, Risiken differenzieren
Sexuelle Selbstbestimmung, Einwilligung, Privatsphäre und Schutz in einer konkreten Situation abwägen
- 22 Minuten
- Fortgeschritten
- Ältere Menschen
Die Situation
Herr Roth und Frau Sander, beide Bewohner einer Einrichtung, suchen häufig die Nähe zueinander. Frau Sander lebt mit leichter Demenz. Ihre Tochter verlangt, Besuche im Zimmer zu verbieten. Mitarbeitende sind uneinig, ob Frau Sander überhaupt einwilligen könne. Sie wirkt in Herrn Roths Nähe entspannt, sucht ihn selbst auf und weist Berührung an manchen Tagen klar zurück. Im Fachgespräch sollen Sie das Vorgehen begründen.
Deine Arbeitsaufträge
Begründe Prioritäten laut oder schriftlich. Öffne den Lösungsweg erst danach.
- Ordnen Sie Rechte und Schutzpflichten.
- Beschreiben Sie eine situationsbezogene Einwilligungsprüfung.
- Formulieren Sie eine Antwort an die Tochter.
- Entwickeln Sie Teamabsprachen ohne Sonderüberwachung.
Fall als Arbeitsblatt
Der Druckbogen enthält Situation und Arbeitsaufträge, aber weder Lösung noch Erwartungshorizont. Es wird nichts gespeichert oder übertragen.
Intimität im Pflegeheim: Rechte schützen, Risiken differenzieren
Fall-ID PF-CE09-M · Fortgeschritten · Ältere Menschen
Situation
Herr Roth und Frau Sander, beide Bewohner einer Einrichtung, suchen häufig die Nähe zueinander. Frau Sander lebt mit leichter Demenz. Ihre Tochter verlangt, Besuche im Zimmer zu verbieten. Mitarbeitende sind uneinig, ob Frau Sander überhaupt einwilligen könne. Sie wirkt in Herrn Roths Nähe entspannt, sucht ihn selbst auf und weist Berührung an manchen Tagen klar zurück. Im Fachgespräch sollen Sie das Vorgehen begründen.
Arbeitsaufträge
- Ordnen Sie Rechte und Schutzpflichten.
- Beschreiben Sie eine situationsbezogene Einwilligungsprüfung.
- Formulieren Sie eine Antwort an die Tochter.
- Entwickeln Sie Teamabsprachen ohne Sonderüberwachung.
Was im Fall nicht verloren gehen darf
- gegenseitige Nähe und Eigeninitiative
- situationsabhängige Zustimmung und Ablehnung
- Demenz ohne automatische Einwilligungsunfähigkeit
- Angehörigenforderung
- Bedarf an Privatsphäre und Schutzbeobachtung
Lösungsweg öffnenNicht die eine Musterformulierung, sondern eine fachliche Reihenfolge
- Sexualität und Nähe werden als Teil von Lebensqualität und Selbstbestimmung anerkannt.
- Einwilligung wird konkret, aktuell und anhand verbaler wie nonverbaler Zeichen beurteilt; ein Nein gilt jederzeit.
- Kognitive Beeinträchtigung führt nicht pauschal zum Verlust sexueller Selbstbestimmung.
- Die Tochter wird angehört, kann aber einvernehmliche Kontakte nicht allein untersagen; vertrauliche Details werden geschützt.
- Das Team vereinbart diskrete Unterstützung, Rückzugsmöglichkeiten, beobachtbare Warnzeichen und einen klaren Klärungsweg bei Unsicherheit.
Sechs transparente Bewertungsanker
Prüfe, ob dein Weg diese Aspekte erkennbar und situationsbezogen enthält.
- Sexualität nicht tabuisiert
- Einwilligung situationsbezogen
- Ablehnung jederzeit wirksam
- Tochterrolle begrenzt
- Privatsphäre geschützt
- Schutzweg konkret
Woran eine zunächst plausible Antwort scheitern kann
Demenz mit fehlender Einwilligung gleichsetzen
Angehörigenwunsch automatisch umsetzen
Nähe aus Risikovermeidung sichtbar überwachen
Wie verändert sich die Einschätzung, wenn beide Personen kognitiv deutlich stärker beeinträchtigt sind?
Übertrage nicht nur die Maßnahme. Prüfe, welche Informationen, Rollen und Risiken sich im neuen Kontext verändern.
Einordnung
- § 15 PflAPrV – Mündlicher Teil der PrüfungBundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz · geprüft am 2026-08-30
- Anlage 2 PflAPrV – Kompetenzen für die staatliche PrüfungBundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz · geprüft am 2026-08-30
- Rahmenpläne der Fachkommission nach § 53 PflBGBundesinstitut für Berufsbildung · geprüft am 2026-08-30
Redaktioneller Trainingsfall · Prüfstand 2026-09-01. Der Fall ersetzt keine praktische Einweisung, Kompetenzfreigabe oder verbindliche Prüfungsaufgabe.