Starke Blutung
Eine starke äußere Blutung ist zeitkritisch, wenn Blut strömt oder pulsiert, Verbände rasch durchtränkt, sich eine Blutlache bildet oder Kreislaufzeichen auftreten. Nach Eigenschutz wird die Wunde freigelegt und mit geeigneter Auflage unmittelbar kräftig gedrückt. Der Druck wird kontinuierlich gehalten; durchblutete Auflagen werden nicht ständig entfernt, sondern bei Bedarf ergänzt. Bei lebensbedrohlicher Extremitätenblutung kann ein Tourniquet angezeigt sein, wenn direkte Kompression nicht ausreicht oder nicht möglich ist und die Anwendung trainiert wurde. Anlagezeit wird dokumentiert, das Tourniquet nicht eigenmächtig gelockert. Eingespießte Gegenstände werden nicht herausgezogen. Parallel erfolgen 112 beziehungsweise interner Notruf, Wärmeerhalt und Kreislaufbeobachtung.
PraxistransferTrainiere direkte Wundkompression, klaren Notruf und eine Übergabe mit Blutungsort, Verlauf, Maßnahme und Anlagezeit.
Schockzeichen
Schock bedeutet unzureichende Gewebeversorgung und kann durch Blutverlust, schwere Allergie, Infektion, Herzproblem oder andere Ursachen entstehen. Frühe Zeichen sind Unruhe, Angst, Blässe, Kaltschweißigkeit, schneller Puls, beschleunigte Atmung, Schwäche oder verlängerte Rekapillarisierung; Blutdruckabfall kann spät auftreten. Pflege beurteilt ABCDE, stoppt eine erkennbare Ursache im eigenen Kompetenzrahmen, alarmiert früh und hält die Person warm. Flache Lagerung kann bei Kreislaufproblem sinnvoll sein, sofern Atmung, Verletzung, Schwangerschaft und Komfort dies erlauben; bei schwerer Atemnot wird nicht gegen die bevorzugte Position gezwungen. Essen und Trinken werden im instabilen Zustand nicht angeboten. Verlauf und Reaktion auf Maßnahmen werden engmaschig neu beurteilt.
PraxistransferOrdne bei kaltschweißiger Unruhe Puls, Atmung, Haut, Blutung und Bewusstsein zu einer begründeten Dringlichkeit.
Anaphylaxie
Anaphylaxie ist eine rasch einsetzende schwere allergische Reaktion. Verdächtig sind Atemwegs-, Atem- oder Kreislaufprobleme, mit oder ohne Haut- und Schleimhautzeichen. Heiserkeit, Zungenschwellung, Stridor, Giemen, Atemnot, Blutdruckabfall, Kollaps, Erbrechen oder generalisierte Quaddeln können auftreten. Auslöser wird gestoppt, wenn dies sofort sicher möglich ist, und Hilfe wird unverzüglich alarmiert. Intramuskuläres Adrenalin ist die zentrale Akuttherapie; es wird durch geschulte befugte Personen nach Notfallstandard beziehungsweise mit einem verordneten Autoinjektor entsprechend dem individuellen Plan angewendet. Lagerung richtet sich nach Atmung und Kreislauf, plötzliches Aufstehen wird vermieden. Wirkung wird nach wenigen Minuten beurteilt, eine erforderliche Wiederholung erfolgt gemäß Algorithmus und Kompetenz.
PraxistransferÜbe das Erkennen von Anaphylaxie ohne sichtbaren Hautausschlag und die sichere Anwendung eines Trainings-Autoinjektors.
Fremdkörperaspiration
Bei teilweiser Atemwegsverlegung kann die Person noch sprechen, atmen und wirksam husten. Sie wird zum Husten ermutigt und beobachtet; blindes Greifen in den Mund ist zu vermeiden. Wird der Husten unwirksam, kann die Person nicht mehr sprechen oder atmen, wird zyanotisch oder erschöpft, ist sofortige Hilfe nötig. Bei Erwachsenen folgen nach aktuellem Algorithmus bis zu fünf Rückenschläge und, wenn ohne Erfolg, bis zu fünf Oberbauchkompressionen im Wechsel. Bei Schwangeren oder deutlich adipösen Personen werden Brustkorbkompressionen statt Oberbauchkompressionen genutzt. Wird die Person bewusstlos, beginnt die Reanimation. Nach erfolgreicher Entfernung ist wegen möglicher Verletzung oder verbliebener Teile eine ärztliche Beurteilung angezeigt. Für Säuglinge und Kinder gelten altersgerechte Techniken, die praktisch trainiert werden müssen.
PraxistransferUnterscheide wirksamen von unwirksamem Husten und trainiere den Wechsel von Rückenschlägen zur Reanimation am Modell.
Verbrennung
Bei Verbrennung wird zuerst der schädigende Prozess beendet: Hitzequelle, Flamme, heißes Material oder kontaminierte Kleidung nur unter Eigenschutz entfernen. Schmuck und lockere Kleidung werden früh abgenommen, fest anhaftendes Material bleibt. Eine thermische Verbrennung wird möglichst bald mit kühlem fließendem Wasser gekühlt, üblicherweise über etwa zwanzig Minuten, ohne die gesamte Person auszukühlen. Eis, Zahnpasta, Mehl, Fett und aufgebrochene Blasen sind ungeeignet. Danach wird die Wunde locker steril beziehungsweise sauber und nicht haftend abgedeckt. Große, tiefe, zirkuläre, elektrische oder chemische Verbrennungen sowie Gesicht, Hände, Genitalien, Gelenke, Atemwege und vulnerable Personen benötigen dringliche fachliche Beurteilung. Rauchinhalation kann trotz kleiner Hautfläche lebensbedrohlich sein.
PraxistransferPlane eine Verbrennungsversorgung, die Kühlung der Wunde und Schutz des gesamten Körpers vor Unterkühlung gleichzeitig löst.
Intoxikation
Bei möglicher Vergiftung steht Eigenschutz vor Kontakt mit Stoff, Dampf, Pulver, Pflanze oder Körperflüssigkeit. Die Person wird aus der Gefahrenzone gebracht, ohne weitere Helfende zu exponieren. Bewusstsein, Atmung und Kreislauf bestimmen die Dringlichkeit; bei Symptomen, unbekanntem Stoff, hoher Dosis oder Unsicherheit wird 112 alarmiert. Giftinformationszentren beraten bei stabiler Lage fachlich. Verpackung, Produktname, UFI-Code, Menge, Zeitpunkt, Aufnahmeweg, Alter, Gewicht, Symptome und bereits erfolgte Maßnahmen werden bereitgehalten. Erbrechen wird nicht ausgelöst, und Milch, Salzwasser, Aktivkohle oder andere Mittel werden nicht pauschal gegeben. Kontaminierte Haut oder Augen werden nach stoffbezogener Empfehlung gespült. Bewusstlosen wird nichts eingeflößt; bei fehlender normaler Atmung beginnt Reanimation unter angemessenem Schutz.
PraxistransferStelle für einen Giftnotruf alle notwendigen Angaben zusammen, ohne durch langes Suchen einen akuten Notruf zu verzögern.
Krampfanfall
Während eines generalisierten Krampfanfalls werden gefährliche Gegenstände entfernt, der Kopf geschützt und die Dauer gemessen. Die Person wird nicht festgehalten, und es wird nichts zwischen die Zähne geschoben. Enge Kleidung kann gelockert werden; der unmittelbare Raum wird geschützt. Nach Ende der Krampfbewegungen werden Atemweg, Atmung, Kreislauf und Bewusstsein geprüft. Bei normaler Atmung wird eine sichere Position gewählt und kontinuierlich beobachtet. 112 ist insbesondere bei erstem Anfall, Dauer von fünf Minuten oder länger, wiederholten Anfällen ohne Erholung, Verletzung, Schwangerschaft, Wasserunfall, Diabetes, Atemstörung oder ausbleibender Erholung erforderlich. Unterzuckerung und andere Ursachen werden nach Kompetenz und Standard geprüft, ohne die Krampfphase durch unsichere orale Gabe zu gefährden.
PraxistransferÜbe eine Anfallsbeobachtung mit Beginn, Bewegungsmuster, Blick, Atmung, Verletzung, Ende und Zustand danach.
Unterkühlung
Unterkühlung entsteht, wenn der Körper mehr Wärme verliert als erzeugt. Zittern, kalte blasse Haut, Koordinationsstörung, verlangsamtes Denken, verwaschene Sprache, Müdigkeit oder abnehmende Reaktion zeigen zunehmende Schwere. Die Person wird vorsichtig aus Kälte und Wind gebracht, vom kalten Boden isoliert, nasse Kleidung behutsam entfernt und trocken eingehüllt. Unnötige Bewegung, kräftiges Reiben, Alkohol und direkte starke Hitze an Armen oder Beinen werden vermieden. Bei schwerer Unterkühlung können Atmung und Puls sehr langsam sein; die Prüfung erfolgt sorgfältig, ohne notwendige Hilfe zu verzögern. Bewusstseinsstörung, schwere Symptome oder Kreislaufproblem erfordern 112. Eine wache leicht unterkühlte Person kann nach fachlicher Einschätzung warme zuckerhaltige Getränke erhalten, sofern sie sicher schluckt.
PraxistransferPlane Schutz vor Wind, Nässe und Bodenverlust und trenne sanfte passive Erwärmung von gefährlicher aggressiver Wärme.