Reaktionskontrolle
Der Verdacht auf Kreislaufstillstand beginnt mit sicherem Zugang, Eigenschutz und kurzer Reaktionskontrolle. Die Person wird laut angesprochen und an den Schultern vorsichtig stimuliert. Eine fehlende Reaktion führt ohne längere Suche nach Ursachen zur Atemwegsöffnung und Atemprüfung. Krampfartige Bewegungen unmittelbar nach einem Kollaps können einen Kreislaufstillstand begleiten; nach ihrem Ende wird Reaktion und normale Atmung geprüft. Zeit darf nicht mit Pulstasten durch ungeübte Helfende, wiederholtem Rufen oder der Suche nach Unterlagen verloren gehen. Gleichzeitig wird Hilfe laut herbeigerufen. In Einrichtungen werden lokale Notruf- und Reanimationsteams früh aktiviert, ohne den außerklinischen Notruf zu verzögern, wenn dieser erforderlich ist.
PraxistransferTrainiere den ersten Kontakt so, dass Eigenschutz, Ansprechen, Stimulation und Hilferuf in wenigen klaren Schritten erfolgen.
Atmung prüfen
Bei fehlender Reaktion wird der Atemweg geöffnet und höchstens kurz geprüft, ob normale Atmung vorliegt. Sehen, Hören und Fühlen richten sich auf regelmäßige, wirksame Atembewegungen. Schnappatmung ist langsam, mühsam, unregelmäßig oder geräuschvoll und gilt nicht als normale Atmung. Unsicherheit darf den Beginn der Reanimation nicht lange verzögern: Reagiert eine Person nicht und atmet nicht normal, wird von Kreislaufstillstand ausgegangen. Einzelne seufzende Atemzüge oder Zuckungen sind keine Entwarnung. Bei normaler Atmung bleibt die Person unter fortlaufender Überwachung, der Atemweg wird gesichert und Hilfe organisiert, weil sich der Zustand ändern kann. Jede Veränderung löst eine erneute Beurteilung aus.
PraxistransferVergleiche in einer Simulation normale Atmung, Schnappatmung und fehlende Atmung und formuliere jeweils die nächste Handlung.
Notruf
Der Notruf wird sofort ausgelöst. Außerhalb einer Einrichtung wird 112 gewählt; das Mobiltelefon kann auf Lautsprecher gestellt werden, damit Leitstellendisponentinnen und -disponenten parallel anleiten. Im Krankenhaus oder Heim gilt zusätzlich der bekannte interne Alarmweg. Eine konkrete Person erhält den Auftrag: Sie mit dem blauen Shirt, rufen Sie 112 und holen Sie den AED. Der Auftrag wird bestätigt und Rückmeldung erwartet. Gemeldet werden Ort, fehlende Reaktion, nicht normale Atmung, begonnene Reanimation und besondere Zugangsbedingungen. Eine Helferin bleibt möglichst bei der Person und beginnt Kompressionen. Bei mehreren Helfenden laufen Alarmierung, Materialbeschaffung und Reanimation parallel statt nacheinander.
PraxistransferÜbe einen Notruf mit genauer Ortsangabe, Zustand, begonnenen Maßnahmen und bestätigtem Auftrag zum AED.
Thoraxkompression
Bei Erwachsenen wird in der unteren Hälfte des Brustbeins beziehungsweise mitten auf der Brust gedrückt. Die Schultern stehen über den Händen, die Arme bleiben gestreckt. Nach GRC 2025 beträgt die Frequenz 100 bis 120 pro Minute und die Drucktiefe mindestens fünf, aber nicht mehr als sechs Zentimeter. Nach jeder Kompression wird der Brustkorb vollständig entlastet, ohne den Kontaktpunkt unnötig zu verlieren. Unterbrechungen werden minimiert. Reanimation beginnt auf der vorhandenen Unterlage; eine Person wird nicht erst mühsam vom Bett auf den Boden bewegt. Komprimierende achten auf sichere Position, nutzen bei Bedarf Tritthilfe und wechseln, bevor Erschöpfung die Qualität senkt. Rippenverletzungen sind möglich, rechtfertigen aber bei erkanntem Stillstand keinen Abbruch.
PraxistransferTrainiere zwei Minuten Kompressionen mit Feedback zu Frequenz, Tiefe, Entlastung, Handposition und Unterbrechungszeit.
Beatmung
Wer in Beatmung geschult und dazu in der Lage ist, kombiniert bei Erwachsenen 30 Kompressionen mit zwei wirksamen Beatmungen. Der Atemweg wird geöffnet, die Beatmung dauert etwa so, dass eine sichtbare Thoraxhebung entsteht; übermäßiges Volumen und lange Pausen werden vermieden. Gelingt nach zwei Versuchen keine Thoraxhebung, werden Kompressionen sofort fortgesetzt und eine Atemwegsverlegung bedacht. Ohne Schulung oder Bereitschaft werden durchgehend Thoraxkompressionen durchgeführt und Leitstellenanweisungen befolgt. Im professionellen Setting bestimmen vorhandene Schutzausrüstung, Beutel-Masken-Kompetenz, Sauerstoff, lokale Standards und Teamqualifikation den Ablauf. Bei Kindern und Ertrinkungsereignissen besitzt Beatmung besonderes Gewicht; dafür ist alters- und situationsspezifisches Training unverzichtbar.
PraxistransferMiss in einer Übung, wie Beatmung vorbereitet wird, ohne die Kompressionspause unnötig zu verlängern.
AED
Ein automatisierter externer Defibrillator wird so früh wie möglich eingesetzt und kann von jeder Person benutzt werden. Das Gerät wird eingeschaltet, der Brustkorb freigemacht, bei Bedarf rasch getrocknet und die Elektroden gemäß Abbildung fest aufgeklebt. Während Rhythmusanalyse und Schockabgabe berührt niemand die Person. Eine Teamleitung stellt mit Blickkontrolle und lauter Ansage sicher, dass wirklich alle frei sind. Nach Schock oder der Meldung kein Schock empfohlen werden die Kompressionen unmittelbar fortgesetzt; eine Pulskontrolle durch Laien verzögert dies nicht. Elektroden werden nicht über Medikamentenpflaster oder implantierte Geräte geklebt, sondern mit geeignetem Abstand nach Gerätevorgabe. Der AED ersetzt die Kompressionen nicht und bestimmt nicht allein, ob insgesamt weiterbehandelt wird.
PraxistransferBediene einen Trainings-AED vom Einschalten bis zur unmittelbaren Wiederaufnahme der Kompressionen und benenne Sicherheitsansagen.
Teamwechsel
Reanimation wird besser, wenn Aufgaben eindeutig sind: Kompression, Atemweg und Beatmung, AED beziehungsweise Monitor, Alarmierung, Material, Dokumentation und Teamführung. Eine Person übernimmt sichtbar die Koordination, ohne jede Handlung selbst auszuführen. Aufträge enthalten Name oder eindeutige Ansprache, Aufgabe und erwartete Rückmeldung. Closed-Loop-Kommunikation bedeutet, dass der Auftrag wiederholt, ausgeführt und abgeschlossen gemeldet wird. Komprimierende wechseln geplant ungefähr dann, wenn Qualität nachlassen könnte, idealerweise im Rahmen einer ohnehin notwendigen kurzen Unterbrechung. Die nächste Person positioniert sich vorher. Neue Teammitglieder werden kurz eingewiesen. Beobachtete Qualitätsprobleme werden direkt sachlich korrigiert: tiefer drücken, vollständig entlasten oder Pause verkürzen. Hierarchie darf notwendige Rückmeldung nicht verhindern.
PraxistransferFühre eine Vier-Personen-Simulation mit benannten Rollen, Closed Loop und vorbereitetem Kompressionswechsel durch.
Dokumentation
Dokumentation dient der Weiterbehandlung und späteren Auswertung, darf aber die Reanimation nicht verzögern. Wenn genügend Helfende vorhanden sind, erfasst eine Person möglichst exakt: Auffinde- oder Kollapszeit, Beginn der Basismaßnahmen, Alarmierung, AED-Anschluss, Analysen und Schocks, Medikamenten- und Atemwegsmaßnahmen durch befugte Personen, Rhythmusinformationen, Wechsel, Rückkehr eines Kreislaufs und Übergabe. Angaben werden als beobachtet, geschätzt oder unbekannt gekennzeichnet. Nach dem Ereignis werden Lücken gemeinsam zeitnah ergänzt, nicht aus scheinbarer Sicherheit erfunden. Die Patientenakte, ein Reanimationsprotokoll und gegebenenfalls eine Sicherheitsmeldung erfüllen unterschiedliche Zwecke. Datenschutz und würdiger Umgang bleiben auch in der Ausnahmesituation bestehen.
PraxistransferDokumentiere eine Simulation auf einer Zeitachse und markiere klar beobachtete, geschätzte und unbekannte Angaben.
Nachsorge
Nach Rückkehr eines Spontankreislaufs endet der Notfall nicht. Atemweg, Atmung, Kreislauf, Bewusstsein, Temperatur und Ursache werden durch das zuständige Notfallteam weiterbehandelt; Pflege unterstützt Überwachung, sichere Übergabe und Vorbereitung des Transports. Nach erfolgloser Reanimation oder Beendigung durch befugte Entscheidungsträger sind Würde, Angehörigenkommunikation und institutionelle Abläufe zu beachten. Für Team und Zeug*innen können Reaktionen wie Zittern, Schuldgefühl, Unruhe oder Schlafprobleme auftreten. Ein kurzes organisatorisches Hot Debrief sichert unmittelbare Fakten und Materialbedarf; ein späteres lernorientiertes Debrief bearbeitet Ablauf und Belastung. Notfallwagen, AED, Sauerstoff, Verbrauchsmaterial und Dokumentation werden vollständig wiederhergestellt, damit der nächste Notfall nicht an der Nachbereitung scheitert.
PraxistransferErstelle eine Nachsorgefolge aus Patientenübergabe, Angehörigenweg, Teamunterstützung, Materialcheck und Lerntermin.