Sepsisverdacht
Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer fehlregulierten Reaktion auf Infektion. Pflege denkt bei vermuteter oder bekannter Infektion an Sepsis, wenn sich Allgemeinzustand, Bewusstsein, Atmung, Kreislauf, Haut oder Ausscheidung akut verändern. Warnzeichen sind unter anderem neue Verwirrtheit, hohe oder niedrige Temperatur, schnelle Atmung, Hypotonie, Tachykardie, marmorierte Haut, geringe Urinmenge und deutliche Schwäche. Ältere oder immunsupprimierte Menschen können ohne Fieber schwer krank sein. Ein Score allein schließt Sepsis weder ein noch aus. Der Verdacht wird früh als solcher benannt, ein Akutweg aktiviert und Verlauf samt möglichem Infektionsfokus übergeben. Diagnostik und Therapie dürfen nicht auf perfekte Gewissheit warten.
PraxistransferFormuliere aus Infektionshinweis, Organveränderung, Vitaltrend und Ausgangszustand eine eindeutige Sepsisverdachtsmeldung.
FAST
FAST prüft Face, Arms, Speech und Time: asymmetrisches Lächeln, Absinken oder Schwäche eines Arms, veränderte Sprache beziehungsweise Sprachverständnis und sofortige Zeitangabe. Schon ein auffälliger Punkt begründet den Schlaganfallverdacht und den Notruf 112 beziehungsweise innerklinischen Stroke-Alarm. Zeitpunkt des Symptombeginns oder zuletzt sicher symptomfreier Zeitpunkt wird exakt erfragt. FAST erfasst nicht alle Schlaganfälle. Plötzliche Sehstörung, Doppelbilder, starke Gleichgewichts- oder Koordinationsstörung, einseitige Sensibilitätsstörung oder sehr starker ungewohnter Kopfschmerz können ebenfalls akut neurologisch sein. Symptome, die sich rasch zurückbilden, sind keine Entwarnung; auch eine TIA benötigt sofortige fachliche Beurteilung. Essen, Trinken und orale Medikamente warten bis zur Schluckbeurteilung.
PraxistransferFühre FAST durch, ergänze nicht erfasste neurologische Zeichen und dokumentiere Last-known-well ohne unklare Formulierungen.
Brustschmerz
Akutes Koronarsyndrom kann sich als Druck, Enge, Brennen oder Schmerz im Brustkorb mit Ausstrahlung, Atemnot, Übelkeit, Kaltschweißigkeit, Schwäche oder Synkope zeigen. Beschwerden können bei Frauen, älteren Menschen und Personen mit Diabetes atypisch oder wenig schmerzhaft sein. Pflege lässt die Person körperlich ruhen, beurteilt ABCDE, alarmiert bei Verdacht sofort 112 beziehungsweise den internen Akutweg und sorgt für AED-Bereitschaft. Ein unauffälliger erster Eindruck oder ein einzelnes EKG schließt ein ACS nicht pflegerisch aus. Eigene Arzneimittelentscheidungen werden vermieden; bei bekannter Angina kann nach eindeutigem individuellen Plan bei der Bedarfsmedikation unterstützt werden. Eine Besserung darf den erforderlichen Notruf bei neuem instabilem Muster nicht aufheben.
PraxistransferÜbe eine Brustschmerzanamnese mit Beginn, Qualität, Ausstrahlung, Begleitsymptomen, Vitaltrend und bisheriger Medikation.
Dyspnoe
Dyspnoe ist subjektive Atemnot und kann durch Atemwegs-, Lungen-, Herz-, Kreislauf-, Stoffwechsel- oder psychische Ursachen entstehen. Pflege prüft Atemweg, Atemfrequenz, Sprechfähigkeit, Atemarbeit, Hautfarbe, Bewusstsein, Kreislauf und Sättigung im Kontext. Die Person erhält eine atemerleichternde selbstgewählte Position, enge Kleidung wird gelockert und Ruhe vermittelt. Sauerstoff wird bei vitaler Bedrohung beziehungsweise nach Zielbereich und lokalem Standard angewendet; eine Zahl allein ersetzt keine klinische Beurteilung. Sprechdyspnoe, Zyanose, Stridor, fehlendes Atemgeräusch, Erschöpfung, Bewusstseinsänderung oder Kreislaufinstabilität verlangen sofortige Hilfe. Rückatmung in eine Tüte ist gefährlich, weil eine organische Ursache übersehen werden kann. Verordnete Inhalation wird nur genutzt, wenn sie den Akutweg nicht verzögert.
PraxistransferBeschreibe Atemnot mit Frequenz, Sprechfähigkeit, Atemarbeit, Haut, Bewusstsein, Sättigungsbedingungen und Verlauf.
Hypoglykämie
Hypoglykämie kann Zittern, Schwitzen, Hunger, Herzklopfen, Verhaltensänderung, Konzentrationsstörung, Verwirrtheit, Krampf oder Bewusstlosigkeit verursachen. Bei Diabetes oder chronischer Unterernährung wird bei plötzlicher Veränderung früh gemessen, ohne die Behandlung bei typischer schwerer Symptomatik unnötig zu verzögern. Ist die Person wach und kann sicher schlucken, empfiehlt GRC 2025 oral etwa 15 bis 20 Gramm Glukose beziehungsweise schnell wirksame Kohlenhydrate; nach etwa 15 Minuten werden Symptome und wenn möglich Wert erneut geprüft. Bessert sich der Zustand nicht, wird erneut behandelt und Hilfe organisiert. Bei fehlender Reaktion oder unsicherem Schlucken wird nichts oral gegeben; 112 wird alarmiert. Verordnetes Glukagon wird durch geschulte Personen nach individuellem Plan angewendet.
PraxistransferTrainiere die Entscheidung orale Glukose oder kein oraler Inhalt anhand von Bewusstsein und sicherer Schluckfähigkeit.
Bewusstseinsstörung
Bewusstseinsstörung reicht von neuer Verlangsamung und Verwirrtheit bis zur fehlenden Reaktion. Ursachen sind vielfältig: Hypoxie, Kreislaufproblem, Schlaganfall, Hypoglykämie, Krampfnachphase, Sepsis, Intoxikation, Trauma oder Arzneimittel. Pflege sichert Eigenschutz, prüft Reaktion, Atemweg und normale Atmung und alarmiert früh. Bei fehlender normaler Atmung beginnt Reanimation. Bei normaler Atmung werden Atemweg und sichere Position gewährleistet, Vitalfunktionen fortlaufend beobachtet und reversible Hinweise wie Glukose, Trauma oder Substanzen nach Standard geprüft. Die Person erhält nichts zu trinken oder einzunehmen. Der Ausgangszustand ist wichtig: Eine plötzlich ruhigere demenziell erkrankte Person kann akut schwer krank sein. GCS oder AVPU unterstützen die Beschreibung, ersetzen aber nicht ABCDE und Verlauf.
PraxistransferBeschreibe Bewusstseinsänderung mit Reaktion auf Ansprache und Schmerzreiz, Atmung, Pupillen, Motorik, Glukose und Ausgangszustand.
Akutes Abdomen
Akutes Abdomen bezeichnet ein möglicherweise zeitkritisches Muster aus starken oder zunehmenden Bauchschmerzen, Abwehrspannung, Kreislaufveränderung, Erbrechen, Blutung, geblähtem Bauch oder gestörter Ausscheidung. Pflege fragt nach Beginn, Ort, Ausstrahlung, Charakter, Verlauf, letzter Mahlzeit, Stuhl, Urin, Erbrechen, Schwangerschaftsmöglichkeit, Operationen und Medikamenten wie Antikoagulanzien. Ältere oder immunsupprimierte Menschen können trotz schwerer Ursache wenig Schmerz oder Fieber zeigen. Die Person wird nicht zum Essen oder Trinken gedrängt und erhält keine eigenmächtige Abführ- oder Schmerztherapie; eindeutig angeordnete Analgesie darf dagegen eine notwendige Beurteilung nicht grundsätzlich vorenthalten. Synkope, Schockzeichen, Blut, harter Bauch oder rasche Verschlechterung aktivieren sofort den Akutweg.
PraxistransferErstelle eine strukturierte Bauchschmerzanamnese und trenne Warnzeichen von Angaben, die nachrangig erhoben werden können.
Zeitfenster
Bei zeitkritischen Erkrankungen beeinflusst Zeit die Behandlungsoption. Entscheidend ist nicht nur wann jemand gefunden wurde, sondern wann Symptome begannen oder wann die Person zuletzt sicher ohne sie gesehen wurde. Bei Schlaganfall wird Last-known-well minutengenau dokumentiert; bei Brustschmerz, Sepsis, Dyspnoe, Hypoglykämie und akutem Abdomen werden Beginn, Veränderung und Maßnahmen auf einer Zeitachse erfasst. Unbekannte Zeiten werden als unbekannt gekennzeichnet, nicht geschätzt, um Lücken zu füllen. Medikationszeiten, Antikoagulation, Insulin, letzte Nahrungsaufnahme und relevante Ereignisse können wichtig sein. Die Informationssammlung läuft parallel zur Alarmierung und darf den Transport beziehungsweise die Akutdiagnostik nicht verzögern.
PraxistransferRekonstruiere aus Zeugenaussagen eine Zeitachse und markiere sicher, geschätzt und unbekannt getrennt.
SBAR
SBAR strukturiert Situation, Background, Assessment und Recommendation. Situation nennt Person, Ort, aktuelles Problem und Dringlichkeit. Background fasst relevante Diagnose, Eingriff, Infektion, Arzneimittel, Ausgangszustand und Symptombeginn zusammen. Assessment beschreibt konkrete Befunde und Trend, ohne eine ungesicherte Diagnose als Tatsache auszugeben. Recommendation formuliert, was jetzt benötigt wird: sofortige Beurteilung, Notfallteam, konkrete Anordnung oder Transport. Eine gute Übergabe beginnt mit der vitalen Gefahr und verliert sich nicht in vollständiger Biografie. Die empfangende Person bestätigt Auftrag und erwartete Zeit. Bleibt eine angemessene Reaktion aus oder verschlechtert sich der Zustand, wird der nächste Eskalationsweg genutzt. SBAR ergänzt, aber ersetzt nicht den Notruf bei unmittelbarer Bedrohung.
PraxistransferFormuliere eine 30-sekündige SBAR-Meldung mit Dringlichkeit, drei Kernbefunden, Beginn und konkreter Erwartung.