Schmerzassessment
Schmerz ist ein persönliches Erleben; der Selbstbericht hat Vorrang, wenn er möglich ist. Erfasst werden Ort, Qualität, Intensität, Beginn, Verlauf, Auslöser, lindernde Faktoren, Durchbruchschmerz, Funktion, Schlaf und Bedeutung. Ein Wert allein genügt nicht. Bei eingeschränkter Kommunikation werden ein passendes Beobachtungsinstrument, bekannte Ausdrucksformen und Informationen von Zugehörigen kombiniert. Neue Schmerzen, neurologische Ausfälle, Sturz, Blutung oder andere Warnzeichen werden zeitnah fachlich abgeklärt. Nach jeder Maßnahme werden Wirkung und Nebenwirkungen mit demselben Maßstab und zum passenden Zeitpunkt geprüft. Unzureichende Wirkung löst Neubewertung aus, nicht automatisch die nächste Dosis.
PraxistransferDokumentiere Ausgangswert, persönliches Ziel, Maßnahme, Prüfzeitpunkt, Wirkung, Nebenwirkung und nächsten Eskalationsschritt in einer Kette.
Atemnot
Atemnot ist subjektiv und kann stark sein, auch wenn ein einzelner Sauerstoffwert unauffällig wirkt. Pflege erfasst Beginn, Verlauf, Auslöser, Sprechfähigkeit, Atemarbeit, Hautfarbe, Bewusstsein, Position, Angst und bekannte Erkrankung. Plötzliche oder deutlich veränderte Atemnot bleibt ein Warnzeichen. Aufrechte oder entlastende Position, ruhige Präsenz, Luftbewegung, dosierte Aktivität und ein eingeübter Atemweg können helfen. Verordnete Medikamente werden nach Plan gegeben und evaluiert. Sauerstoff ist keine pauschale Beruhigungsmaßnahme, sondern folgt Indikation und Anordnung. Bei unzureichender Kontrolle gilt der vereinbarte Krisen- oder Notfallweg.
PraxistransferEntwickle einen Atemnotplan mit Beobachtung, drei nichtmedikamentösen Hilfen, verordneter Maßnahme, Wirkungskontrolle und zwei Eskalationsschwellen.
Übelkeit
Übelkeit und Erbrechen werden getrennt beschrieben: Beginn, Häufigkeit, Menge, Aussehen, Zusammenhang mit Essen, Bewegung oder Medikamenten, Stuhlgang, Bauchbeschwerden und Flüssigkeitsaufnahme. Ursachen können medikamentös, metabolisch, gastrointestinal, vestibulär oder psychisch mitbedingt sein. Das Muster unterstützt die ärztliche Auswahl einer geeigneten Behandlung. Pflege sorgt für Geruchsreduktion, kleine gewünschte Angebote, sichere Position, Mundpflege und Schutz vor Aspiration. Blutiges oder kaffeesatzartiges Erbrechen, heftiger Bauchschmerz, fehlender Wind und Stuhl mit geblähtem Bauch, Bewusstseinsveränderung oder rascher Flüssigkeitsverlust erfordern dringliche Abklärung. Antiemetika werden nicht beliebig ausgetauscht oder wiederholt.
PraxistransferErstelle eine kurze Übelkeitsanamnese, die Muster, mögliche Ursache, Belastung, Warnzeichen und bisherige Wirkung sichtbar macht.
Obstipation
Obstipation bedeutet nicht nur seltenen Stuhl. Auch harter Stuhl, starkes Pressen, unvollständige Entleerung, Überlauf, Bauchschmerz, Übelkeit oder Unruhe können dazugehören. Erfasst werden individuelles Normalmuster, letzter Stuhl, Konsistenz, Windabgang, Medikamente, Trink- und Essmenge, Bewegung, Toilettenzugang und bisherige Maßnahmen. Opioide erhöhen das Risiko und benötigen häufig eine ärztlich geplante Prophylaxe; Pflege ändert Mittel oder Dosis nicht selbst. Rektale Maßnahmen brauchen Indikation, Einwilligung und die Beachtung von Blutungs-, Schleimhaut- und anderen Risiken. Verdacht auf Ileus oder akute schwere Beschwerden wird dringend weitergeleitet.
PraxistransferFühre ein Stuhlassessment durch, das Normalmuster, Risikofaktoren, aktuelle Zeichen, Ziel und sichere nächste Maßnahme verbindet.
Mundpflege
Mundtrockenheit, Beläge, Soor, Entzündung, Wunden, Blutung, Druckstellen, Geschmackstörung und schlecht sitzender Zahnersatz können Essen, Sprechen, Schlaf und Würde erheblich beeinträchtigen. Pflege fragt nach Empfinden und Vorlieben, inspiziert mit Einwilligung Mund, Lippen, Zunge, Schleimhäute, Zähne und Prothese und führt häufige sanfte, individuell verträgliche Pflege durch. Befeuchtung und kleine gewünschte Schlucke werden nur bei sicherem Schlucken angeboten. Aggressive, austrocknende oder unklare Hausmittel sind ungeeignet. Schmerz, Blutung, Infektionszeichen oder nicht ablösbare Beläge werden fachlich beurteilt. Zahnersatz wird gekennzeichnet, gereinigt und bei Druck entfernt beziehungsweise angepasst.
PraxistransferPlane Mundpflege mit Befund, Wunsch, Produkt, Häufigkeit, Schlucksicherheit, Wirkung und Abklärung auffälliger Stellen.
Fatigue
Fatigue ist eine belastende körperliche, emotionale oder kognitive Erschöpfung, die nicht proportional zur Aktivität sein muss und durch Schlaf allein oft nicht verschwindet. Pflege erhebt Verlauf, Tageszeiten, Einfluss auf gewünschte Tätigkeiten, Schlaf, Stimmung, Ernährung, Medikamente und mögliche behandelbare Faktoren. Das Team klärt Ursachen wie Anämie, Infektion, Schmerz, Atemnot oder Arzneimittelwirkung im passenden Rahmen. Gemeinsam werden wichtige Aktivitäten priorisiert, Kräfte eingeteilt, Hilfen genutzt und Ruhephasen geplant. Vollständige Schonung kann Funktion weiter reduzieren; dosierte angepasste Aktivität kann sinnvoll sein. Die Person entscheidet, wofür vorhandene Energie eingesetzt wird.
PraxistransferErstelle mit der Person ein Tages-Energiebudget aus einer Priorität, zwei Entlastungen, dosierter Aktivität und einem Prüfpunkt.
Angst
Angst kann verständliche Reaktion, Teil einer psychischen Belastung, Begleiter von Atemnot oder Hinweis auf Delir und andere körperliche Veränderungen sein. Pflege nimmt sie ernst, bleibt ruhig, reduziert Reize, bietet Orientierung und fragt nach Auslöser, Bedeutung und bisher hilfreichen Strategien. Kurze Atem- oder Erdungsübungen können passen, dürfen bei schwerer Atemnot aber keine medizinische Beurteilung verzögern. Wiederkehrende oder starke Angst wird im Team bearbeitet. Verordnete Bedarfsmedikation folgt dem Plan und wird auf Wirkung, Sedierung, Sturzrisiko und paradoxe Reaktion geprüft. Suizidgedanken, akute Verzweiflung oder nicht kontrollierbare Panik benötigen einen klaren Krisenweg.
PraxistransferFormuliere eine Drei-Minuten-Intervention mit Sicherheit, Orientierung, offener Frage, einer passenden Hilfe und fachlicher Rückmeldung.
Delir
Ein Delir ist eine akut entstandene, meist fluktuierende Störung von Aufmerksamkeit und Kognition. Es kann hyperaktiv mit Unruhe, hypoaktiv mit auffälliger Stille oder gemischt auftreten. Pflege vergleicht mit dem Ausgangszustand, beobachtet Aufmerksamkeit, Bewusstsein, Orientierung, Wahrnehmung, Schlaf-Wach-Rhythmus und Verlauf und nutzt ein eingeführtes Instrument. Mögliche Auslöser wie Infektion, Schmerz, Harnverhalt, Obstipation, Dehydratation, Hypoxie oder Medikamente werden fachlich geprüft. Ruhige Orientierung, Brille, Hörgerät, vertraute Person und Reizdosierung helfen. Fixierung oder vorschnelle Sedierung behandelt die Ursache nicht und kann Schaden verstärken; akute Gefährdung folgt dem geregelten Weg.
PraxistransferVergleiche aktuellen Zustand und Basiszustand und dokumentiere Beginn, Fluktuation, Aufmerksamkeit, mögliche Auslöser und sofortige Sicherheitsmaßnahmen.
Sekret
Rasselnde Atmung in der Sterbephase kann entstehen, wenn Sekret nicht mehr abgehustet oder geschluckt wird. Das Geräusch belastet häufig Zugehörige stärker als die bewusstseinsgetrübte Person. Pflege prüft trotzdem, ob Atemnot, Lungenödem, Infektion, Blutung oder eine andere behandelbare Situation vorliegen. Seiten- oder Oberkörperlagerung, Mundpflege, ruhige Erklärung und Reduktion unnötiger Flüssigkeitsbelastung nach ärztlicher Zielklärung können helfen. Tiefes Absaugen ist nicht routinemäßig sinnvoll und kann reizen oder belasten. Sekretvermindernde Medikamente werden nur nach Anordnung gegeben und auf Wirkung sowie Nebenwirkungen geprüft.
PraxistransferErkläre Zugehörigen das Atemgeräusch, prüfe Belastung der Person und plane Lagerung, Mundpflege, Beobachtung und Rückmeldegrenze.
Bedarfsmedikation
Ein sicherer Bedarfsplan nennt Symptom oder Anlass, Präparat, Stärke, Einzeldosis, Applikationsweg, Mindestabstand, Höchstgrenze, erwarteten Wirkungseintritt, Beobachtung und Kontakt bei unzureichender Wirkung oder Nebenwirkung. Das Medikament muss verfügbar, korrekt gelagert und eindeutig zugeordnet sein. Pflege prüft vor Gabe Indikation, letzte Gabe, aktuelle Situation, Anordnung und Kompetenzrahmen. Nach Gabe folgt dokumentierte Evaluation. Angehörige erhalten nur Aufgaben, die rechtlich, fachlich und praktisch geklärt sind; sie entscheiden nicht improvisiert über zusätzliche Dosen. Häufiger Bedarf, fehlende Wirkung, zunehmende Sedierung oder neue Symptome lösen eine Planüberprüfung aus.
PraxistransferPrüfe einen Bedarfsplan auf zehn Pflichtangaben und simuliere Teach-back zu Anlass, Gabe, Kontrolle und Hilferuf.