Depression
Depression umfasst anhaltend gedrückte oder reizbare Stimmung beziehungsweise Verlust von Interesse und Freude sowie weitere Veränderungen von Schlaf, Appetit, Energie, Konzentration, Selbstwert, Hoffnung und Funktion. Ein Mensch muss nicht sichtbar traurig wirken. Agitiertheit, körperliche Beschwerden, Rückzug oder scheinbare Gefühllosigkeit können im Vordergrund stehen. Pflege beobachtet Verlauf und Alltag, fragt direkt nach Todes- und Suizidgedanken und prüft körperliche Ursachen, Substanzen, Medikamente und bipolare Hinweise. Diagnose und Therapieentscheidung liegen im multiprofessionellen Prozess; Pflege sichert Beziehung, Grundbedürfnisse, Aktivierung in passender Dosis und Wirkungskontrolle.
PraxistransferNicht nur Stimmung dokumentieren, sondern Schlaf, Essen, Aktivität, Konzentration, Selbstfürsorge, Hoffnung, Suizidgedanken und Abweichung vom Ausgangszustand.
Angststörung
Angst schützt vor Gefahr; bei Angststörungen sind Furcht, Sorge und Vermeidung anhaltend, schwer steuerbar und beeinträchtigen wichtige Lebensbereiche. Pflege nimmt körperliches Erleben ernst und vermeidet Sätze wie da ist doch nichts. Gleichzeitig werden akute medizinische Ursachen bei neuen oder atypischen Symptomen geprüft. Vermeidung entlastet kurzfristig, kann Angst langfristig stabilisieren. Pflegerische Unterstützung orientiert, strukturiert den Alltag, stärkt vereinbarte Bewältigung und begleitet fachlich geplante Schritte, ohne unvorbereitet zu konfrontieren oder Sicherheit durch ständige Rückversicherung abhängig zu machen.
PraxistransferAuslöser, Gedanken, Körperreaktion, Verhalten, kurzfristige Entlastung und langfristige Folge als Angstkreislauf mit der Person beschreiben.
Panik
Eine Panikattacke kann Herzklopfen, Atemnotgefühl, Schwindel, Zittern, Enge, Derealisation und Todesangst auslösen. Das Erleben ist real, auch wenn keine körperliche Gefahr bestätigt wird. Bei erstmaligen, ungewöhnlichen oder medizinisch riskanten Symptomen erfolgt angemessene somatische Abklärung. Pflege bleibt ruhig, reduziert Reize, spricht kurz und orientierend und unterstützt langsames Atmen, ohne starre Atemmanöver zu erzwingen. Sie verlässt die Person nicht abrupt. Nach Abklingen werden Auslöser, hilfreiche Schritte und weiterer Behandlungsbedarf besprochen; während maximaler Angst ist umfangreiche Psychoedukation wenig aufnahmefähig.
PraxistransferZuerst Sicherheit und medizinische Warnzeichen prüfen, dann Präsenz, Orientierung und vereinbarte Regulation anbieten und Wirkung im Verlauf beobachten.
Suizidgedanken
Suizidgedanken reichen von dem Wunsch, nicht mehr aufzuwachen, bis zu dringlicher Handlungsabsicht. Jede Äußerung wird ernst genommen und direkt geklärt. Eine klare Frage nach Gedanken an Selbsttötung bringt die Idee nicht erst hervor, sondern kann Entlastung und Zugang zu Hilfe ermöglichen. Pflege hört wertfrei zu und fragt nach Aktualität, Häufigkeit, Kontrolle und Veränderung. Sie diskutiert nicht über moralische Gründe und reagiert nicht mit Schock. Suizidgedanken allein bestimmen noch keine akute Gefahrenstufe; sie öffnen eine strukturierte persönliche Einschätzung.
PraxistransferMit ruhiger Sprache fragen: Denken Sie daran, sich das Leben zu nehmen? Sind diese Gedanken jetzt da? Wie stark drängen sie sich auf?
Suizidplan
Eine konkrete Planung, zeitliche Nähe, verfügbare gefährliche Mittel, vorbereitende Handlungen, frühere Versuche, Intoxikation, starke Agitation, psychotische Befehle oder fehlende Fähigkeit, Hilfe zu nutzen, können die Dringlichkeit erhöhen. Keine Checkliste oder Punktzahl kann einen Suizid zuverlässig vorhersagen. Pflege erhebt relevante Faktoren im Gespräch, beobachtet klinisch und organisiert unverzüglich qualifizierte Einschätzung. Details werden nur so weit erfragt, wie sie für Schutz und Übergabe erforderlich sind; unnötige methodische Ausführungen gehören nicht in allgemeine Lerninhalte. Akut gefährdete Menschen werden nicht allein gelassen.
PraxistransferBei konkreter Absicht oder unklarer unmittelbarer Sicherheit bei der Person bleiben, Hilfe aktiv rufen, Umgebung nach lokalem Standard sichern und geschlossen übergeben.
Schutzfaktoren
Beziehungen, Verantwortung, Werte, Zukunftswünsche, Behandlungskontakt, Problemlösefähigkeit und frühere Bewältigung können Halt geben. Schutzfaktoren werden mit der Person konkret nutzbar gemacht: Wer ist heute erreichbar, welches Ziel trägt bis morgen, welche Umgebung ist sicher? Sie dürfen nicht romantisiert werden. Elternschaft, Glaube oder ein vereinbarter Termin garantieren nicht, dass keine Handlung erfolgt. Ambivalenz ist häufig. Deshalb werden Schutzfaktoren gemeinsam mit aktueller Absicht, Planung, psychischem Zustand, Belastungen und realem Zugang zu Hilfe beurteilt.
PraxistransferJeden Schutzfaktor auf tatsächliche Verfügbarkeit prüfen und in eine konkrete Handlung mit Person, Zeitpunkt und Kontaktweg übersetzen.
Sicherheitsplanung
Ein Sicherheitsplan ist kurz, persönlich, verständlich und in einer Krise auffindbar. Er enthält individuelle Warnzeichen, selbst anwendbare kurzfristige Schritte, hilfreiche Orte und Kontakte, professionelle Krisenwege sowie die vereinbarte Reduktion des Zugangs zu gefährlichen Mitteln durch verantwortliche Beteiligte. Er wird gemeinsam erstellt und praktisch geprüft. Ein unterschriebener Nicht-Suizid-Vertrag oder das Versprechen, nichts zu tun, ersetzt weder Einschätzung noch Schutz. Bei akuter Handlungsgefahr ist ein Plan allein unzureichend; dann braucht es unmittelbare professionelle Sicherung.
PraxistransferDen Plan durchgehen lassen: Woran merken Sie die Krise, was tun Sie zuerst, wen erreichen Sie wirklich und was passiert, wenn dieser Kontakt ausfällt?
Beobachtung
Beobachtung ist keine passive Sichtkontrolle. Sie verbindet vereinbarte Nähe, therapeutischen Kontakt, Umfeldsicherheit, klinische Zeichen, Bewegungen zwischen Bereichen und bestätigte Übergaben. Intensität richtet sich nach aktueller Situation und lokalem Standard und wird regelmäßig neu beurteilt. Unklare Begriffe wie engmaschig sind ohne Frequenz, Zweck und Verantwortung unsicher. Beobachtung darf nicht entwürdigend oder strafend gestaltet werden. Bei Übergabe muss die übernehmende Person ausdrücklich wissen, dass sie die Verantwortung übernimmt; eine Lücke von wenigen Minuten kann kritisch sein.
PraxistransferFür jede Beobachtungsanordnung Zweck, Form, Häufigkeit, zuständige Person, erlaubte Bereiche, Eskalationszeichen und nächsten Überprüfungszeitpunkt dokumentieren.
Krisendienst
Krisenhilfe muss zum Ort und zur Dringlichkeit passen. Ambulante Krisendienste, psychiatrische Notaufnahme, ärztlicher Bereitschaftsdienst, Rettungsdienst oder Polizei haben regional unterschiedliche Rollen. Pflege kennt den lokalen Weg und übergibt aktiv. Eine Telefonnummer auf Papier ist keine sichere Hilfe, wenn die Person nicht anrufen kann, intoxikiert ist, keinen Transport hat oder akut gefährdet bleibt. Bei unmittelbarer Gefahr wird der örtliche Notruf beziehungsweise die festgelegte Notfallkette genutzt. Nach der Übergabe werden Empfang, Zielort und nächste Zuständigkeit bestätigt.
PraxistransferLokale Krisenwege vorab mit Erreichbarkeit, Einzugsgebiet, Zugangsvoraussetzung, Transport und Ausfalloption im Team hinterlegen.