Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall können Motorik, Sensibilität, Sehen, räumliche Aufmerksamkeit, Sprache, Sprechen, Schlucken, Kognition, Stimmung und Kontinenz betroffen sein. Pflege erhebt nicht nur sichtbare Lähmung, sondern beobachtet Sicherheit und Teilhabe in realen Tätigkeiten. Strategien werden mit dem spezialisierten Team abgestimmt und über den Tag konsistent angewendet. Neue oder plötzlich deutlich zunehmende Gesichtslähmung, Armschwäche, Sprachstörung, Bewusstseinsveränderung, schwerer Kopfschmerz oder andere fokale Zeichen gelten auch bei bekanntem Schlaganfall als möglicher neuer Akutfall und werden sofort eskaliert. Rehabilitation beginnt früh, wird aber an medizinische Stabilität und Belastbarkeit angepasst. Information und Entscheidung müssen Kommunikations- und Wahrnehmungsstörungen berücksichtigen.
PraxistransferErstelle ein funktionsbezogenes Profil nach Schlaganfall und markiere bekannte Defizite, hilfreiche Strategien und akute Warnzeichen getrennt.
Hemiparese
Hemiparese bezeichnet eine einseitige Schwäche und kann mit Sensibilitätsverlust, veränderter Muskelspannung, Schulterinstabilität und eingeschränkter Rumpfkontrolle verbunden sein. Die betroffene Seite wird weder ignoriert noch unvorbereitet belastet. Transfers, Lagerung, Armführung und Hilfsmittel folgen dem individuellen therapeutischen Plan. Am paretischen Arm wird nicht gezogen; Schulter und Hand werden sichtbar, unterstützt und auf Schmerz, Schwellung, Haut und Fehlstellung geprüft. Pflege ermöglicht aktive Beteiligung beider Seiten, ohne Bewegungen gegen Widerstand zu erzwingen. Der Unterstützungsgrad kann je nach Tagesform variieren. Plötzlich neue Schwäche oder deutliche Verschlechterung wird akut abgeklärt und nicht als normaler Rehabilitationsverlauf gedeutet.
PraxistransferFühre einen Transfer mit geschützter paretischer Schulter, vorbereiteten Füßen, aktiver Rumpfbeteiligung und abgestufter Hilfe durch.
Neglect
Neglect ist eine Störung der Aufmerksamkeit für eine Raum- oder Körperseite und nicht mit reiner Sehschwäche gleichzusetzen. Betroffene können Gegenstände, Körperteile oder Personen auf der vernachlässigten Seite nicht ausreichend beachten, obwohl Sinnesreize teilweise verarbeitet werden. Das erhöht Kollisions-, Sturz-, Haut- und Essrisiken. Pflege sorgt zunächst für Sicherheit und nutzt die mit Ergotherapie oder Neuropsychologie vereinbarte Explorationsstrategie. Relevante Gegenstände können gezielt so platziert werden, dass aktives Suchen geübt wird; Notruf, Wasser oder Medikamente dürfen dabei nicht unzugänglich werden. Ansprache, Blickführung und Markierungen werden einheitlich angewendet. Überforderung, Fatigue und Ablenkung können Neglect verstärken.
PraxistransferAnalysiere einen Wasch- und Essplatz auf Neglectrisiken und plane sichere Erreichbarkeit plus eine dosierte Explorationsaufgabe.
Aphasie
Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung und kann Verstehen, Sprechen, Lesen und Schreiben unterschiedlich betreffen. Sie sagt nichts über Intelligenz oder Persönlichkeit aus. Pflege spricht erwachsenengerecht, nutzt kurze klare Sätze, ein Thema nach dem anderen und ausreichend Antwortzeit. Ja-Nein-Fragen sind nur geeignet, wenn die Zuverlässigkeit der Antworten geprüft wurde. Gesten, Schlüsselwörter, Bilder, Schreiben oder Kommunikationshilfen ergänzen Sprache. Verstehen wird über Rückmeldung abgesichert, nicht durch bloßes Nicken angenommen. Angehörige und Team nutzen die logopädisch empfohlenen Strategien. Die Person wird direkt angesprochen und in Entscheidungen einbezogen. Plötzlich neu aufgetretene Sprachstörung ist ein akutes Warnzeichen.
PraxistransferFühre ein Entscheidungsgespräch mit zwei realen Optionen und sichere das Verständnis über mindestens zwei Ausdruckswege ab.
Dysphagie
Dysphagie kann zu Aspiration, Pneumonie, Mangelernährung, Dehydratation und Medikamentenproblemen führen. Essen, Trinken und orale Medikamentengabe richten sich nach der aktuellen qualifizierten Schluckbeurteilung. Position, Konsistenz, Menge, Tempo, Aufsicht und individuelle Manöver werden nicht eigenmächtig verändert. Husten, feuchte oder veränderte Stimme, Atemnot, Speisereste, ungewöhnlich lange Mahlzeit, Fieber oder Gewichtsverlust sind relevante Hinweise; stille Aspiration kann ohne Husten auftreten. Bei Unsicherheit wird die orale Gabe gestoppt und fachlich geklärt. Tabletten werden nicht ungeprüft zerkleinert. Konsequente Mundpflege gehört zur Risikoreduktion. Präferenzen und informierte Entscheidungen bleiben wichtig und werden im Team bearbeitet.
PraxistransferSetze einen vorgegebenen Dysphagieplan vollständig um und erkläre, welche Beobachtung eine sofortige Unterbrechung und Rückmeldung auslöst.
Spastik
Spastik beschreibt eine geschwindigkeitsabhängige Tonuserhöhung nach Schädigung des zentralen Nervensystems und ist nur ein Teil eines komplexen Bewegungsmusters. Ausprägung kann durch Schmerz, volle Blase, Obstipation, Infektion, Druckstelle, Angst, Kälte oder schnelle Bewegung zunehmen. Pflege beobachtet Funktion: Erleichtert der Tonus einen Transfer oder verhindert er Hygiene, Schlaf und Positionierung? Bewegungen erfolgen langsam, vorbereitet und innerhalb des vereinbarten Plans. Gelenke werden nicht gewaltsam gegen Widerstand bewegt. Neue starke Tonuszunahme, Schmerz, Hautproblem oder Funktionsverlust führt zur Suche nach Auslösern und interprofessioneller Rückmeldung. Medikamente und Hilfsmittel werden nur nach Plan angewendet und auf Wirkung sowie Nebenwirkung beobachtet.
PraxistransferDokumentiere bei vermehrtem Tonus Zeitpunkt, Auslöser, Funktion, Schmerz, Pflegeproblem und Wirkung einer vereinbarten Maßnahme.
Parkinson
Parkinson kann Bradykinese, Rigor, Tremor, Haltungsinstabilität, Freezing, Sprech- und Schluckprobleme sowie zahlreiche nicht motorische Symptome verursachen. Wirkung und Beweglichkeit schwanken im Zusammenhang mit Medikation, Mahlzeiten, Stress und Tageszeit. Antiparkinsonmedikamente werden zeitgenau nach Verordnung gegeben; Auslassung oder starke Verzögerung kann erhebliche Folgen haben. Pflege plant anspruchsvolle Tätigkeiten möglichst in günstigen On-Phasen und nutzt individuell vereinbarte äußere Reize bei Freezing. Ziehen oder Drängen erhöht Unsicherheit. Orthostase, Halluzinationen, Impulskontrollstörungen, Obstipation, Schlaf und Dysphagie werden beobachtet. Plötzliche starke Verschlechterung, Fieber oder Bewusstseinsänderung braucht sofortige ärztliche Bewertung.
PraxistransferVerknüpfe in einem Tagesprotokoll Medikamentenzeit, Mahlzeit, On-Off-Zustand, Freezing, Kreislauf und gelungene Aktivitäten.
Multiple Sklerose
Multiple Sklerose kann Motorik, Sensibilität, Sehen, Blase, Kognition, Stimmung und Energie wechselnd beeinflussen. Symptome variieren zwischen Personen und über den Tag. Fatigue wird systematisch erfasst und mit Energiemanagement, priorisierten Tätigkeiten, Pausen und geeigneter körperlicher Aktivität im vereinbarten Plan bearbeitet. Wärme kann Beschwerden vorübergehend verstärken; Kühlung und Umgebung werden individuell angepasst. Neue neurologische Symptome oder deutliche Verschlechterung werden fachlich abgeklärt, weil Schub, Infektion, Temperatur oder andere Ursachen unterschieden werden müssen. Pflege vermeidet sowohl Überforderung als auch pauschale Schonung. Selbstmanagement, sichere Mobilität, Kontinenz und Teilhabeziele werden gemeinsam geplant.
PraxistransferErstelle mit der Person einen Tagesplan, der wichtiges Teilhabeziel, Fatigueverlauf, Pausen, Temperatur und Bewegungsaktivität berücksichtigt.
Neuroplastizität
Neuroplastizität bezeichnet die Fähigkeit des Nervensystems, sich durch Erfahrung, Lernen und Schädigung funktionell und strukturell anzupassen. Für Rehabilitation bedeutet das: bedeutsame, zielgerichtete, wiederholte und passend herausfordernde Aktivität unterstützt Lernen. Wiederholung allein genügt nicht, wenn sie falsch, schmerzhaft oder ohne Aufmerksamkeit ausgeführt wird. Schlaf, Motivation, Feedback, Intensität, Pausen und medizinischer Zustand beeinflussen den Prozess. Kompensation kann notwendig und wertvoll sein, auch wenn eine ursprüngliche Funktion nicht vollständig zurückkehrt. Pflege trägt durch konsistente Alltagsgelegenheiten und spezifisches Feedback bei. Neuroplastizität ist keine Zusage vollständiger Heilung und darf nicht zur Schuldzuweisung werden, wenn Fortschritt begrenzt bleibt.
PraxistransferPlane eine bedeutsame Alltagshandlung mit klarer Aufgabe, passender Wiederholung, Feedback, Pause und dokumentierter Anpassung.