Aktueller Bereich: Palliative Pflege und ethische Entscheidungen verbinden
Fallorientiertes Lernlabor
Palliative Pflege und ethische Entscheidungen verbinden
Symptome, Lebensqualität, Wille, Indikation, Angehörige und Team werden in einem transparenten Entscheidungsprozess zusammengeführt.
Einschätzen, planen, durchführen und evaluieren
Beziehung, Information, Schulung und ethische Verständigung
Im Team Verantwortung übernehmen und Versorgung verbinden
Handeln rechtlich begründen und Qualität entwickeln
Evidenz nutzen und das eigene Handeln reflektieren
01
Versorgungsziel klären
Heilung, Lebensverlängerung, Funktion, Komfort oder Begleitung können unterschiedlich gewichtet sein.
02
Belastung umfassend erfassen
Körperliche, psychische, soziale und spirituelle Dimensionen sowie Angehörigenbedarf betrachten.
03
Willen und rechtlichen Rahmen prüfen
Aktuelle Einwilligung, Vorausverfügung, Vertretung und medizinische Indikation unterscheiden.
04
Maßnahmen proportional planen
Erwartbaren Nutzen, Belastung, Alternativen und erforderliche Kompetenzen transparent abwägen.
05
Wirkung und Entscheidung erneut prüfen
Symptome, Ziele, Wünsche und Belastungen verändern sich und brauchen wiederholte Abstimmung.
Sicherheitsgrenze
Wann Lernen in Hilfe übergehen muss
Pflege entscheidet nicht allein über medizinische Indikation oder Therapieabbruch, bringt aber Beobachtungen, Willensäußerungen, Symptome und pflegefachliche Folgen verbindlich in den Prozess ein.
Prüfungstransfer
Was du begründet zeigen können solltest
Gute Antworten machen Werte- und Zielkonflikte sichtbar und nennen, wer welche Entscheidung auf welcher Grundlage trifft.
Wissensbasis
Fünf Grundlagen für das gesamte Lernlabor
Diese Zusammenhänge brauchst du, bevor du den Zentralfall und die einzelnen Stationen bearbeitest.
Palliativ ist ein aktiver Auftrag
Wenn Heilung nicht mehr vorrangig oder möglich ist, bleiben Symptome, Beziehungen, Entscheidungen, Sicherheit und Alltag bearbeitbar. Palliative Pflege prüft nicht nur, was weggelassen wird, sondern was der Person Lebensqualität ermöglicht. Dazu gehören fachliche Grundpflege, Symptomassessment, Unterstützung von Kommunikation, Koordination und Re-Evaluation. Krankheitsgerichtete Behandlung kann parallel stattfinden. Der entscheidende Maßstab ist das mit der Person geklärte Ziel und das Verhältnis von erwartbarem Nutzen zu Belastung. Auch kleine Handlungen werden deshalb nicht als bloße Routine, sondern als überprüfbarer Beitrag zu Komfort, Teilhabe oder Sicherheit geplant.
Vier Fragen ordnen ethische Entscheidungen
Eine schwierige Entscheidung wird übersichtlicher, wenn vier Ebenen getrennt werden: Gibt es eine medizinische Indikation? Was will die einwilligungsfähige Person beziehungsweise welcher vorausverfügte oder mutmaßliche Wille gilt? Welche pflegefachlichen Folgen und Alternativen bestehen? Wer hat welche Entscheidungsbefugnis? Erst danach werden Werte- und Beziehungskonflikte bearbeitet. Angehörige sind wichtig, aber nicht automatisch vertretungsberechtigt. Pflege bringt Beobachtungen und Willensäußerungen ein, ohne eigenmächtig eine medizinische Therapie zu beginnen oder zu beenden. Offene Punkte werden mit Verantwortlichkeit und Zeitpunkt festgehalten, damit Unsicherheit nicht unbemerkt zur Dauerroutine wird.
Symptomkontrolle ist ein Regelkreis
Assessment, Intervention und Wirkungskontrolle bilden eine untrennbare Kette. Ein Schmerz- oder Atemnotwert allein hilft nicht. Ausgangslage, Ziel, Maßnahme, erwarteter Wirkungseintritt, Nebenwirkung und nächster Eskalationsschritt müssen verbunden sein. Bei eingeschränkter Kommunikation werden konkrete Verhaltenszeichen und vertraute Beobachtungen genutzt. Unzureichende Wirkung löst Neubewertung aus und nicht bloß die automatische Wiederholung. Akute lebensbedrohliche Veränderungen bleiben auch bei palliativem Ziel zeitkritisch und werden nach dem vereinbarten Notfallplan bearbeitet. In der Übergabe wird ausdrücklich benannt, welche Maßnahme bereits ohne ausreichende Wirkung blieb und welche Grenze als Nächstes gilt.
Zuhause braucht einen Nachtplan
Der Wunsch, zu Hause zu bleiben, verdient Respekt und praktische Vorbereitung. Entscheidend sind Erreichbarkeit, Medikamente, Hilfsmittel, pflegerische Unterstützung, freiwillige Belastbarkeit der Zugehörigen und klare Reaktionen auf vorhersehbare Krisen. SAPV, Hospizdienst und Pflegedienst haben unterschiedliche Rollen. Ein Telefonzettel ohne geklärte Zuständigkeit ist kein Plan. Die Versorgung wird aus Sicht einer tatsächlichen Nacht getestet: Wer kommt, wer entscheidet, was ist vor Ort und was geschieht, wenn Symptome nicht kontrollierbar sind? Dabei wird auch geplant, was bei Stromausfall, defektem Hilfsmittel oder Ausfall der wichtigsten Unterstützungsperson geschieht.
Sterben verändert Prioritäten, nicht Würde und Rechte
Auch in der Sterbephase bleiben Ansprache, Einwilligung, Intimsphäre, Symptomlinderung und individuelle Wünsche maßgeblich. Routinekontrollen und belastende Maßnahmen werden am Ziel geprüft, aber nicht stillschweigend beendet. Nahrung und Flüssigkeit werden weder erzwungen noch aus Bequemlichkeit entzogen; Angebot, Schlucksicherheit, Mundpflege, Wunsch und Belastung werden differenziert betrachtet. Zeichen der Sterbephase werden interprofessionell eingeordnet und verständlich erklärt. Angehörige erhalten Orientierung, ohne einen exakten Todeszeitpunkt versprochen zu bekommen. Gewünschte Rituale, Rückzug, Berührung und die Anwesenheit bestimmter Menschen werden möglichst früh erfragt, weil Entscheidungen später schwerer sein können.
Zentraler Lernfall
Frau Lenz zwischen Atemnot, Zuhausewunsch und erschöpftem Ehemann
Frau Lenz, 74 Jahre, lebt mit metastasiertem Bronchialkarzinom. Sie möchte nach einem erneuten Krankenhausaufenthalt unbedingt nach Hause. In Ruhe ist sie ansprechbar, bei wenigen Schritten entsteht starke Atemnot und Panik. Ihr Ehemann sagt vor ihr, er schaffe alles, erzählt aber auf dem Flur, dass er seit Wochen kaum schlafe. Im Entlassplan steht eine Bedarfsmedikation, die Packung ist noch nicht geliefert. Eine Patientenverfügung nennt keine konkrete aktuelle Situation. Der Sohn verlangt, bei jeder Verschlechterung den Rettungsdienst zu rufen; Frau Lenz sagt, sie wolle nicht mehr ins Krankenhaus.
Dein erster Auftrag
Entwickle einen Entlass- und Krisenplan, der Frau Lenz' aktuellen Willen, Symptomkontrolle, Entscheidungsfähigkeit, Angehörigenbelastung, Versorgungsnetz und mögliche Zieländerungen zusammenführt.
Begründeter Lösungsweg
So wird aus Unsicherheit ein sicherer Prozess
01
Aktuellen klinischen Zustand, Atemnot, mögliche behandelbare Auslöser und Reisetauglichkeit interprofessionell beurteilen; akute Instabilität nicht durch Entlassungsdruck übergehen.
02
Mit Frau Lenz in verständlicher Form Ziel, gewünschte und nicht gewünschte Maßnahmen, Grenzen des Zuhausewunsches und mögliche Meinungsänderung besprechen; Einwilligungsfähigkeit entscheidungsbezogen dokumentieren.
03
Ehemann mit Zustimmung getrennt nach Bereitschaft, Fertigkeiten, Schlaf, Angst und erreichbarer Entlastung fragen. Seine Mitwirkung bleibt freiwillig und wird nicht als rund um die Uhr verfügbar vorausgesetzt.
04
Hausärztliche Versorgung, Pflegedienst, SAPV-Prüfung, ambulanten Hospizdienst und Apotheke mit eindeutigen Zuständigkeiten und Übergabe verbinden.
05
Bedarfsmedikation, Einnahme- beziehungsweise Applikationsplan, Hilfsmittel und Notfallkontakte müssen vor Abfahrt tatsächlich vorhanden und erklärt sein.
06
Atemnotplan mit nichtmedikamentösen Maßnahmen, verordneter Medikation, Wirkungszeit, Nebenwirkungsbeobachtung und Schwelle für professionelle Hilfe per Teach-back prüfen.
07
Mit Frau Lenz' Zustimmung ein moderiertes Familiengespräch führen: Ihr Wille leitet, der Sohn erhält konkrete Informationen über geplante Hilfe und Situationen, in denen dennoch eine Verlegung besprochen werden muss.
08
Nach Ankunft zeitnahe Rückmeldung und erneute Evaluation festlegen; bei unzureichender Kontrolle werden Alternativen wie Palliativstation oder Hospiz ohne Schuldzuweisung angeboten.
Wissen erwerben und anwenden
8 Lernstationen mit Arbeitsauftrag
Jede Station erklärt zuerst das Fachwissen und lässt dich danach eine konkrete Denk- oder Handlungssituation bearbeiten.
01
Versorgungsziel in einen handlungsfähigen Satz übersetzen
Begriffe wie palliativ, Komfort oder keine Eskalation sind zu ungenau. Ein Ziel muss beschreiben, was der Person wichtig ist, welche Maßnahmen dazu beitragen und welche Situationen eine erneute Entscheidung verlangen. Bei Frau Lenz kann Zuhause bei kontrollierbarer Atemnot und erreichbarer Hilfe das aktuelle Ziel sein. Das ist weder ein unbegrenztes Entlassversprechen noch ein pauschaler Ausschluss jeder Krankenhausbehandlung. Ziel, Einwilligung, Indikation und praktische Machbarkeit werden getrennt dokumentiert und bei Veränderung neu geprüft.
Arbeitsauftrag
Formuliere für Frau Lenz ein Versorgungsziel mit gewünschtem Ort, wichtigstem Symptomziel, akzeptierter Unterstützung und klarer Neubewertungsschwelle.
Du beherrschst die Station, wenn …
Dein Satz ist konkret, personenzentriert, überprüfbar und enthält keine unzulässige Therapieentscheidung durch Pflege.
02
Total-Pain-Assessment durchführen
Frau Lenz' Atemnot besitzt körperliche und psychische Anteile, während Familienkonflikt und drohender Kontrollverlust soziale Belastung verstärken können. Das Total-Pain-Modell fordert, alle Dimensionen zu prüfen, ohne die Dyspnoe als nur Angst zu erklären. Erfragt werden Symptomintensität, Auslöser, Verlauf, Bedeutung, Sorgen, Rollen, Halt und gewünschte Unterstützung. Beobachtbare Atemarbeit, Sprechfähigkeit, Haut, Bewusstsein und Vitalzeichen bleiben Teil der Sicherheit. Jede erhobene Belastung erhält eine Zuständigkeit und einen nächsten Schritt.
Arbeitsauftrag
Erstelle zwölf konkrete Fragen oder Beobachtungspunkte in den vier Dimensionen und ordne jede Antwort einem möglichen Handlungsweg zu.
Du beherrschst die Station, wenn …
Du erkennst Wechselwirkungen, hältst körperliche Gefahren offen und vermeidest psychologisierende Kurzschlüsse.
03
Schmerz und Atemnot als Regelkreis bearbeiten
Vor einer Intervention werden Intensität, Qualität, Auslöser, Ziel und Ausgangsbefund erhoben. Verordnete medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen werden im Kompetenzrahmen durchgeführt. Position, Luftbewegung, ruhige Führung und dosierte Aktivität können Atemnot beeinflussen, ersetzen aber bei unzureichender Wirkung keine fachliche Eskalation. Danach wird zum passenden Zeitpunkt mit demselben Maßstab erneut beurteilt. Sedierung, Verwirrtheit, Atemveränderung oder Sturzrisiko werden als mögliche Nebenwirkungen erkannt. Eine wiederholte Bedarfsanwendung braucht planvolle Neubewertung.
Arbeitsauftrag
Baue einen vollständigen Regelkreis für eine Atemnotepisode mit Ausgangswert, Ziel, vier Maßnahmen, Wirkungskontrolle und zwei Eskalationsschwellen.
Du beherrschst die Station, wenn …
Dein Plan verknüpft Symptom, Intervention, Zeit, Wirkung, Nebenwirkung und nächsten Verantwortungsweg.
04
Einwilligung und Vorausplanung unterscheiden
Frau Lenz ist aktuell ansprechbar; deshalb steht ihre gegenwärtige informierte Entscheidung im Vordergrund. Die Patientenverfügung wird erst maßgeblich, wenn sie nicht mehr einwilligungsfähig ist und auf die konkrete Situation passt. Ein Sohn oder Ehemann entscheidet nicht automatisch. Vorausplanung klärt Werte, konkrete Szenarien, Vertretung und Erreichbarkeit, ohne einen unumkehrbaren Automatismus zu erzeugen. Einwilligung kann widerrufen werden. Auszubildende unterstützen verständliche Kommunikation und geben Beobachtungen weiter, führen die rechtlich-medizinische Entscheidung aber nicht allein.
Arbeitsauftrag
Ordne sechs Aussagen aus dem Fall den Kategorien aktueller Wille, Patientenverfügung, Vertretung, medizinische Indikation oder pflegerische Beobachtung zu.
Du beherrschst die Station, wenn …
Du trennst Rechtsgrundlagen und Rollen, ohne die Person oder Angehörige aus dem Gespräch zu drängen.
05
Angehörigenbelastung sicher ansprechen
Der Ehemann sagt im Zimmer etwas anderes als auf dem Flur. Das kann Schutz, Scham oder Angst ausdrücken. Pflege fragt mit Zustimmung in einem geschützten Rahmen nach konkreten Aufgaben, Schlaf, körperlicher Belastung, Medikamentenhandhabung, Krisenangst und eigener Gesundheit. Unterstützung wird nicht als Test der Liebe behandelt. Der Pflegeplan darf nur mit freiwilliger und realistischer Mitwirkung rechnen. Entlastungsangebote, Nachtversorgung und Notfalloptionen werden konkret. Informationen über Frau Lenz bleiben an Einwilligung und zulässigen Rahmen gebunden.
Arbeitsauftrag
Führe ein Rollengespräch mit sechs offenen Fragen, einer Zusammenfassung und einem Teach-back zur geplanten Nachtversorgung.
Du beherrschst die Station, wenn …
Du machst Belastung sichtbar, ohne zu beschämen, zu drängen oder Vertraulichkeit zu verletzen.
06
Das Versorgungsnetz als 24-Stunden-Kette testen
Ein Name auf dem Entlassbrief bedeutet nicht, dass ein Dienst beauftragt, erreichbar oder zuständig ist. Die Kette wird für reguläre Pflege, Symptomkrise, Medikamentenfrage, Geräteproblem und Überlastung einzeln geprüft. Wer koordiniert, wer verordnet, wer liefert und wer kommt nachts? SAPV, Hospizdienst und Pflegedienst werden nicht gleichgesetzt. Die tatsächliche Medikamentenpackung, Dosieranweisung, Kontaktliste und Hilfsmittel werden vor Abfahrt kontrolliert. Änderungen werden an alle relevanten Stellen zurückgemeldet.
Arbeitsauftrag
Zeichne einen 24-Stunden-Netzplan für Frau Lenz mit fünf Krisen, verantwortlicher Stelle, Ersatzweg und Rückmeldeschleife.
Du beherrschst die Station, wenn …
Jede Krise hat einen real erreichbaren ersten und zweiten Weg; kein Feld endet bei jemand müsste.
07
Sterbephase erkennen, ohne Gewissheit vorzutäuschen
Zunehmende Schwäche, Bewusstseinsveränderung, geringe Aufnahme, veränderte Atmung, periphere Durchblutung und Ausscheidung können auf die Sterbephase hinweisen, sind aber im Kontext zu beurteilen. Behandelbare Ursachen und das vereinbarte Ziel werden mitgedacht. Angehörige brauchen klare, vorsichtige Sprache: Das Team kann Veränderungen erklären, aber selten einen exakten Zeitpunkt nennen. Pflege priorisiert Komfort, Mundpflege, passende Lagerung, Ausscheidung, Symptomkontrolle, Ruhe und gewünschte Nähe. Nicht hilfreiche Routinen werden interprofessionell am Ziel überprüft.
Arbeitsauftrag
Formuliere ein Angehörigengespräch zu fünf möglichen Sterbezeichen, drei Komfortmaßnahmen und der Unsicherheit des Zeitverlaufs.
Du beherrschst die Station, wenn …
Du informierst verständlich, vermeidest falsche Prognosesicherheit und lässt akute reversible Gefahren nicht ungeprüft.
08
Ethische Fallbesprechung und Teamnachsorge strukturieren
Ein ethischer Konflikt ist nicht automatisch ein Rechtsproblem und nicht jede Meinungsverschiedenheit braucht Ethikberatung. Zuerst werden Fakten, Indikation, Wille, Ziele, Beteiligte, Werte und offene Fragen sortiert. Pflege bringt Wirkung, Belastung und Alltag sichtbar ein. Ein Ergebnis benennt Entscheidung, Verantwortung, Kommunikation und Re-Evaluation. Nach belastenden Verläufen erhält das Team Raum für fachliches Debriefing und Unterstützung. Persönliche Schuldzuweisung ersetzt keine Analyse; gleichzeitig werden Grenzverletzungen nicht durch den Hinweis auf Stress relativiert.
Arbeitsauftrag
Moderierte Kurzfallbesprechung: Ordne den Streit zwischen Sohn und Team in Fakten, Werte, Rechte, Optionen, Zuständigkeit und nächsten Prüftermin.
Du beherrschst die Station, wenn …
Dein Ergebnis trennt klinische, rechtliche und ethische Fragen und führt zu einem dokumentierbaren nächsten Schritt.
Kurzsimulationen
Was würdest du jetzt tun?
Antworte zuerst selbst. Öffne anschließend die sichere Reaktion.
Atemnot zehn Minuten nach Bedarfsmedikation
Frau Lenz bleibt schwer dyspnoisch und wird schläfriger, der Ehemann möchte sofort eine weitere Dosis geben.
Sichere Reaktion: Keine eigenmächtige Wiederholung. ABCDE und Bewusstsein prüfen, Zeitpunkt, Dosis, Wirkung und mögliche Nebenwirkung sichern, professionellen Krisenweg aktivieren und bei akuter Gefahr notfallmedizinisch handeln. Den Ehemann ruhig anleiten und nicht allein verantwortlich lassen.
Der Sohn widerruft den Zuhauseplan
Der Sohn verlangt telefonisch eine Einweisung, Frau Lenz lehnt diese aktuell informiert ab.
Sichere Reaktion: Aktuelle Einwilligungsfähigkeit und klinische Sicherheit prüfen, Frau Lenz' Entscheidung respektieren und dokumentieren, mit Zustimmung informieren und moderieren. Der Sohn hat ohne Vollmacht keine eigene Entscheidungshoheit; bei akuter unaufschiebbarer Gefahr gelten die entsprechenden Notfallregeln.
Die Medikamente sind nicht geliefert
Der Transport steht bereit, aber Apotheke und Bedarfsmedikation fehlen.
Sichere Reaktion: Entlassung nicht als reine Transportaufgabe behandeln. Verantwortliche Stelle informieren, Verfügbarkeit und sichere Alternative verbindlich klären, Frau Lenz einbeziehen und erst bei tragfähiger Symptom- und Krisenversorgung über Abfahrt entscheiden.
Der Ehemann sagt: Ich kann nicht mehr
In der ersten Nacht ruft er weinend an und möchte Frau Lenz allein lassen.
Sichere Reaktion: Belastung als Versorgungskrise ernst nehmen, sofortige Sicherheit von beiden klären, erreichbaren Dienst beziehungsweise Notfallweg aktivieren und eine stationäre Entlastungsoption prüfen. Keine Schuldzuweisung und kein Appell, noch durchzuhalten.
Prüfungstransfer
Schriftlich, mündlich und praktisch begründen
schriftlich
Analysiere den Fall Frau Lenz und entwickle einen vollständigen palliativen Entlass- und Krisenplan.
Erwartungshorizont öffnen
Aktuelles Ziel, Einwilligungsfähigkeit und mögliche reversible Gefahren unterscheiden.
Total-Pain-Assessment und Atemnotregelkreis darstellen.
Ehemann freiwillig beteiligen und Belastung als eigenen Versorgungsbedarf bearbeiten.
Medikamente, Netzwerk, Nachtweg und Re-Evaluation vor Entlassung sichern.
Familienkonflikt an Patientenwillen, Rolle und transparente Kommunikation binden.
mündlich
Erkläre an einem Beispiel den Unterschied zwischen medizinischer Indikation, Patientenwille und pflegefachlicher Verantwortung.
Erwartungshorizont öffnen
Indikation beantwortet, ob eine Maßnahme fachlich ein erreichbares Ziel verfolgen kann.
Einwilligung oder vorausverfügter beziehungsweise mutmaßlicher Wille beantwortet, ob sie für die Person erfolgen darf.
Pflege beobachtet, berät im Kompetenzrahmen, setzt sicher um und evaluiert.
Keine Ebene ersetzt die andere; Entscheidungen werden bei Veränderung neu geprüft.
praktisch
Führe ein simuliertes Atemnot- und Angehörigengespräch mit anschließendem Teach-back durch.
Erwartungshorizont öffnen
Ruhe, Position, Beobachtung und vereinbarte Maßnahmen werden gleichzeitig organisiert.
Symptomintensität, Gefahr und Wirkung werden strukturiert erfasst.
Angehörige erhalten kurze klare Aufgaben ohne Entscheidungsüberlastung.
Teach-back prüft Bedarfsplan, Hilferuf und Eskalationsschwelle.
Dokumentation und Rückmeldung schließen den Regelkreis.
Abschlusstest mit Antworten
10 Unsicherheiten gezielt schließen
Eine richtige Kurzantwort reicht erst dann, wenn du sie am Fall erklären kannst.
Beginnt Palliative Care erst in den letzten Lebenstagen?
Nein. Sie kann früh bei lebensbegrenzender Erkrankung und parallel zu krankheitsgerichteter Therapie beginnen.
Was umfasst Total Pain?
Körperliche, psychische, soziale und spirituelle Leidensdimensionen und ihre Wechselwirkungen.
Darf der Ehepartner automatisch entscheiden?
Nein. Aktuelle Einwilligung, Vollmacht oder Betreuung und gegebenenfalls Patientenverfügung beziehungsweise mutmaßlicher Wille werden konkret geprüft.
Ist ein Zuhausewunsch allein ein sicherer Entlassplan?
Nein. Er braucht Medikamente, Material, erreichbare Zuständigkeiten, freiwillige Unterstützung und einen Krisenweg.
Was folgt auf eine Bedarfsmedikation?
Wirkungs- und Nebenwirkungskontrolle zum passenden Zeitpunkt sowie Eskalation bei unzureichender Wirkung.
Was unterscheidet SAPV und Hospizdienst?
SAPV erbringt spezialisierte palliative Krankenbehandlung bei besonders aufwendigem Bedarf; Hospizdienste begleiten psychosozial und ehrenamtlich, ersetzen aber nicht automatisch medizinische oder pflegerische Versorgung.
Wie wird Einwilligungsfähigkeit beurteilt?
Entscheidungsbezogen anhand von Verständnis, Bedeutung, Folgen, Alternativen und freier Willensbildung, nicht pauschal nach Diagnose.
Darf Pflege über einen Therapieabbruch entscheiden?
Nicht allein. Sie liefert zentrale Beobachtungen und setzt die interprofessionell sowie rechtlich geklärte Entscheidung sicher um.
Wie wird Sterbephase kommuniziert?
Mit beobachtbaren Veränderungen, vorsichtiger Einordnung, klaren Hilfen und ohne exakte Zeitversprechen.
Wann ist Ethikberatung sinnvoll?
Bei anhaltenden Werte- oder Zielkonflikten, nachdem Fakten, Wille, Indikation, Rollen und offene Fragen strukturiert wurden.
Praxiseinsatz reflektieren
Vom Portal in den eigenen Lernort
Diese Fragen lassen sich nur gemeinsam mit Praxisanleitung, Team und den Regeln deines Einsatzortes beantworten.
Welche Sammelbegriffe werden an deinem Einsatzort genutzt und welche konkreten Maßnahmen bleiben dabei unklar?
Wie wird ein aktueller Patientenwille in Nacht- und Wochenenddiensten auffindbar gemacht?
Welche Instrumente werden für Schmerz, Atemnot und nichtsprachliche Belastung verwendet?
Wer prüft und organisiert SAPV oder andere spezialisierte Palliativangebote?
Wie wird sichergestellt, dass Bedarfsmedikation vor einer Entlassung tatsächlich vor Ort ist?
Welche Fragen machen Angehörigenüberlastung sichtbar, ohne Schuld zu erzeugen?
Wie werden ethische Fallbesprechungen dokumentiert und Entscheidungen re-evaluiert?
Welche Teamunterstützung steht nach Tod, Konflikt oder belastender Zwangssituation real zur Verfügung?